KITZINGEN

Auf der richtigen Fährte

Siggi Höfer, die Leiterin der Kitzinger Rettungshundestaffel, schult Menschen im Iran.
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Ein Übersetzer, zehn Ausbilder: Siggi Höfer erklärt im Iran, wie Rettungshunde geführt werden. Foto: Siggi Höfer
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Es hat ein wenig gedauert. Aber jetzt sind die Strukturen aufgebaut. Und was noch besser ist: Die Bevölkerung gewöhnt sich mehr und mehr an die Rettungshunde.

Der Iran ist ein geplagtes Land. Politisch instabil und geologisch nicht minder. Die arabische Platte schiebt sich dort unter die eurasische. Kein Wunder, dass es immer wieder zu schweren Erdbeben kommt – zuletzt Ende November 2017 in der Provinz Kermanschah. Das Land wird als Hochrisikogebiet für Erdbeben eingestuft.

Siggi Höfer war im Jahr 2003 das erste Mal im Iran. Das Erdbeben in der Stadt Bam forderte damals rund 40 000 Menschenleben. Viele Opfer waren unter den Trümmern begraben. Gab es noch Lebende? Der Rote Halbmond – das iranische Pendant zum Bayerischen Roten Kreuz – forderte Hilfe aus dem Ausland an. Der Anfang einer mehr als 15 Jahre währenden Erfolgsgeschichte. „Die Kollegen im Iran haben damals gemerkt, wie effektiv eine Vermisstensuche mit Hilfe von ausgebildeten Hunden sein kann“, erinnert sich Höfer, die seit 1991 beim Roten Kreuz tätig ist. Die Idee kam auf, eine iranische Rettungshundestaffel zu gründen. Vorher mussten allerdings vertragliche und emotionale Grenzen überwunden werden.

Der Iran ist ein muslimisches Land. „Hunde gelten dort als unrein“, erklärt Höfer. Zudem gibt es jede Menge wilder, streunender Hunde, die das Vertrauen in die Tiere nicht gerade steigern. Ein Hund auf dem Rücksitz eines Autos? Ein Mensch, der mit einem Hund an der Leine Gassi geht? Was bei uns völlig normal ist, war in weiten Teilen Irans undenkbar. „Uns war schnell klar, dass das ein größeres Projekt werden würde“, erinnert sich Höfer.

„Uns war schnell klar, dass das ein größeres Projekt werden würde.“
Siggi Höfer, Ausbildungsleiterin

Mit Mark Hofmann aus Kempten fand sich 2007 ein Projektverantwortlicher. Siggi Höfer erklärte sich bereit, die Ausbildung vor Ort zu übernehmen. Anfangs alle fünf Jahre, jetzt in zwei Jahresabständen, wird das Projekt verlängert, derzeit läuft es bis 2020. Die Kosten teilen sich der Rote Halbmond und das BRK. „Das Geld ist gut angelegt“, findet Höfer. 74 hauptberufliche Hundeführer gibt es mittlerweile im Iran, zehn Ausbilder. „Das funktioniert wie ein Schneeballsystem“, erklärt sie, betont aber: „Das Projekt muss weiter wachsen.“

Ihr Ziel: In jeder der 31 Provinzen des Landes gibt es in absehbarer Zeit ein Ausbildungszentrum – und zu den hauptberuflichen Rettungshundeführern gesellen sich nach und nach ehrenamtliche.

2009 war Siggi Höfer zum ersten Mal als Ausbilderin im Iran. Ihre Erkenntnis: Hund und Mensch waren damals alles andere als eine Einheit. „Die Hundeführer haben noch extra Overalls und Handschuhe angezogen“, erinnert sie sich. „Und die Hunde wurden nach der Trainingseinheit wieder direkt in ihre Zwinger gebracht.“

Die iranischen Kollegen mussten vor allem eines lernen: Hunde sind nicht Mittel zum Zweck. Hund und Mensch müssen Partner sein, wenn sie im Notfall erfolgreich miteinander arbeiten wollen. Dieses Verständnis ist mittlerweile gewachsen.

Neunmal war Siggi Höfer in den letzten Jahren im Iran, zuletzt für zwei Wochen Ende Februar/Anfang März. Hundeführer und Hunde sind längst ein Team geworden und selbst die Bevölkerung ist – im positiven Sinne – auf den Hund gekommen. Mittlerweile gibt es einige private Hundeschulen im Land. „Früher sind die Menschen den Hunden regelrecht ausgewichen“, erinnert sie sich. Jetzt sind nicht nur die Kinder auf die Rettungshunde zugegangen. Auch Erwachsene haben das Team beim Training aus nächster Nähe beobachtet. Höfer führt das auf eine intensive Berichterstattung in den iranischen Medien zurück.

Immer wieder mal treffen sich die iranischen und deutschen Rettungshundeführer in Isphahan zum Training. Die Stadt liegt zentral, ist für alle gut erreichbar. „Und dort kann man gut Trümmerarbeit üben“, sagt Höfer. Dieses Mal ging es jedoch hoch hinaus. In Dizin haben sich die iranischen Hundeführer und ihre deutsche Ausbilderin auf rund 4000 Meter Höhe getroffen. Nach kurzer Eingewöhnung haben sich Hund und Mensch im Schnee richtig wohl gefühlt, übten die Suche nach Verschütteten unter Lawinen – unterstützt von der örtlichen Bergwacht.

Zwei Jahre wird das Projekt auf jeden Fall fortgeführt,eventuell wird es noch einmal um zwei Jahre verlängert. Siggi Höfer freut sich auf weitere Ausbildungsreisen in den Iran, zu Menschen, die „sehr offen und gastfreundlich ohne Ende sind“. Sie weiß um die Bedeutung und Wichtigkeit ihrer Arbeit, die dazu beitragen kann, Leben zu retten. Jeden Tag kann im Iran ein neues Erdbeben losbrechen.

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