Der Landstrich entlang des Mains ist eine Weinbauregion, daran bestehen keine Zweifel. Dass hierzulande aber auch gutes Bier gebraut wird, zeigen die zahlreichen Brauereien im Landkreis. Und immer mehr Leute wollen das Bier nicht nur trinken, sondern auch wissen, wie der Gerstensaft gebraut wird: "Die Leute interessiert das", versichert Karl-Heinz Pritzl, Geschäftsführer der Kauzen-Bräu.

Aus diesem Grunde legte die Brauerei in Ochsenfurt direkt in der Stadt unweit ihres Betriebes vor sieben Jahren einen kleinen Hopfengarten an. Klein aber nur im Sinne von wenigen Pflanzen. Denn hoch sind sie, die Hopfenpflanzen, die 60 Jahre alt werden können. Bis zu sieben Meter ragen sie in die Höhe. Die gleiche Länge können sie auch in die andere Richtung erreichen, nämlich mit ihren Wurzeln.

Pflicht wird zum Vergnügen


Normalerweise bezieht der Kauzen-Bräu seinen Hopfen fertig aus den bekannten Anbaugebieten wie der Hallertau oder aus Spalt. In Ochsenfurt muss er selbst geerntet werden. Dabei wird die Pflicht aber eher zu einem Vergnügen. Jedes Jahr finden sich viele Freiwillige, die für eine Brotzeit, die jeder Helfer bekommt, mit anpacken. "Das ist fast schon eine Traditionsveranstaltung geworden", freut sich Karl-Heinz Pritzl darüber, dass auch dieses Jahr wieder so viele Leute erschienen sind. Männer und Frauen, Alte und Junge, Privatleute und Vereine, alle sind sie gekommen. Auch die Ochsenfurter Zuckerfee Sophia ist mit vollem Einsatz dabei.

Zunächst werden die Pflanzen aus dem Garten gelöst. Das hört sich leichter an, als es eigentlich ist. Ganz schön Schwung und Kraft brauchen Elmar Troll und seine Kollegen, um die Pflanzen herunterzuziehen. Von dort wird der Hopfen an die Tische gebracht, wo die fleißigen Helfer schon darauf warten, endlich loslegen zu können. Mit Material versorgt, machen sich alle sogleich daran, die Hopfendolden herauszuzupfen. Die Dolden sind die eigentlichen Träger der fürs Bierbrauen wertvollen Stoffe. "Der Bitterstoff Lupulin, der für das Bier gebraucht wird, steckt in der weiblichen Dolde", erklärt Pritzl.

Sind die Dolden erst einmal aus den langen Hopfenranken gelöst, werden sie in Säcke verpackt und in die Hallertau zum Trocknen geschickt, da der Hopfen in Ochsenfurt nicht verarbeitet werden kann. Von dort kommt er dann wieder zurück, wo die Bierbrauer ihn zu einer Spezialsorte machen. Anfang November wird es dann Kauzen-Bier mit echtem Ochsenfurter Hopfen geben. Lohn der Mühen wird ein "intensiverer Hopfengeschmack" sein, wie Karl-Heinz Pritzl verrät. Obwohl das Wetter erst zu feucht und dann zu heiß war, hofft die Brauerei dennoch auf einen Ertrag von etwa 500 Hektoliter.

Eine Krone für den Hopfenkönig


Um die fleißigen Helfer noch ein wenig mehr anzuspornen, wurde auch wieder ein Wettzupfen veranstaltet. Dabei ging es darum, innerhalb von zehn Minuten möglichst viele Dolden zu lösen und in einen Eimer zu kippen. Nach dem Wiegen durfte sich derjenige mit der größten Menge über ein Fass Bier freuen. Außerdem wurde er mit einer Hopfenkrone ausgestattet und zum König ernannt. Ein Anreiz, der die Helfer sicherlich zu Höchstleistungen antrieb.