FRÖHSTOCKHEIM

Artenhilfsprogramm Wiesenweihe: Vogelschützer sehr zufrieden

Die vor Jahren noch vom Aussterben bedrohten Wiesenweihen werden wieder zahlreicher. Eine Vogelschützerin zeigt, wie den schlanken Greifvögeln geholfen wird.
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Kopterpilot Stefan Dehner und Vogelschützerin Claudia Pürckhauer kontrollieren die Brutnester der Wiesenweihen, hier bei Fröhstockheim im Landkreis Kitzingen. Foto: Foto: Wilma Wolf

Der Mähdrescher zieht seine letzten Bahnen. Dichte Staubwolken begleiten ihn und steigen in den blauen fränkischen Himmel. Nur ein paar Reststreifen, markiert mit rot-weißen Bändern, lässt er stehen. Ein warmer starker Sommerwind bläst über das Feld.

Über dem 18 Hektar großen Weizenschlag in Fröhstockheim (Lkr. Kitzingen) ziehen Greifvögel ihre Bahnen. Immer wieder steigen Wiesenweihen aus dem Getreideacker auf. Es sind ein paar späte Brüter, die ihre Jungen jetzt noch versorgen und verteidigen müssen, während andere Artgenossen sich schon auf den Weg nach West-Afrika machen.

Claudia Pürckhauer vom Landesbund für Vogelschutz und Kopterpilot Stefan Dehner sind hier, um das Nest zu kontrollieren. Ein Wiesenweihen-Weibchen, das im Mai 2016 bereits bei Schweinfurt fünf Eier gelegt und offensichtlich verloren hatte, zieht hier eine zweite Brut mit vier Jungvögeln auf. Die Diplom-Biologin weiß das so genau, weil sie das Weibchen anhand seiner Flügelmarke vom letzten Jahr wieder erkannte.

Für die Kontrolle der stark gefährdeten Greifvogelart kommt in diesem Jahr erstmals in Unterfranken ein unbemanntes Flugobjekt zum Einsatz: ein Kopter mit Kamera. „Im Bereich des Artenschutzes sind solche Einsätze noch immer sehr ungewöhnlich“, sagt die Diplom-Biologin. Aber die Aktionen hätten sich bewährt. Denn: „So vermeiden wir Spuren zu den Nestern, denen Räuber wie beispielsweise Füchse folgen können.“

Seit 2003 koordiniert die Diplombiologin das Artenhilfsprogramm Wiesenweihe in der Region Würzburg. Gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern vom LBV ist sie von April bis Juli täglich draußen, um die Lage der Nester aufzunehmen, die Vögel zu beringen oder mit Flügelmarkierungen zu versehen.

Anhand dieser Markierungen kann der Zug der seltenen Vögel festgestellt werden, und ob sie im nächsten Frühling wieder in die Region zum Brüten kommen. Dabei haben die Artenschützer Erstaunliches entdeckt. „Männchen sind viel ortstreuer als Weibchen“, erklärt Pürckhauer. Die Marken zeigen aber auch, dass die Wiesenweihen nicht auf direktem Weg ins Winterquartier nach Afrika fliegen, sondern erst einmal ein paar Wochen durch Deutschland streifen. Vielleicht, um sich schon das nächste geeignete Quartier zu suchen.

Bei dieser Suche spielen Hochspanungsleitungen eine wichtige Rolle. Offensichtlich dienen sie den Tieren als Orientierungshilfe in den weiten, offenen Feldern. „Das ist kein Zufall, die Wiesenweihen suchen sich die Leitungen gezielt aus und bauen in der Nähe ihre Horste“, weiß die Biologin.

203 Paare haben letzten Sommer in Mainfranken – zwischen der Rhön im Norden und Rothenburg ob der Tauber im Süden – gebrütet. 537 Jungvögel flogen aus Mainfranken aus. So viele wie nie zuvor seit Beginn des Artenhilfsprogrammes, sagt Pürckhauer stolz. Eine erstaunliche Entwicklung, denn in Bayern stand die Wiesenweihe in den 80er Jahren kurz vor dem Aussterben. 1997 gab es gerade mal noch zwei Brutpaare in der Region.

Die Vogelschützerin kann auch den Grund für die tollen Brutzahlen des vergangenen Jahres erklären. Denn zu den Lieblingsspeisen des Greifvogels zählt die Feldmaus, die es 2015 sehr zahlreich gab. Pürckhauer spricht sogar von einer Massenvermehrung der Mäuse. Das hat noch einen weiteren Vorteil für die Vögel: Sind genug Mäuse da, haben auch die natürlichen Feinde wie Fuchs, Marder und Mauswiesel genug zu fressen und müssen sich nicht an den Eiern oder Jungen der Wiesenweihe vergreifen.

2016 sieht die Wiesenweihen-Bilanz allerdings nicht so gut aus. „Nach Massenvermehrungsjahren bei Feldmäusen brechen die Bestände im Folgejahr zusammen, warum weiß man noch nicht genau“, erklärt die Biologin. Das hat Folgen für die Wiesenweihe. „2016 haben wir nur 130 Brutpaare“, sagt sie. Denn es habe im Frühjahr in Mainfranken auffallend wenig Mäuse gegeben, die Wiesenweihen hätten deutlich weniger Eier gelegt und Nester seien vermehrt von Beutegreifern geplündert worden.

Dennoch sind die Vogelschützer sehr zufrieden. Denn die Wiesenweihe ist weiter auf dem Vormarsch. So gibt es erstmals seit 20 Jahren wieder zwei Bruten im Donaumoos, und auch im Bereich Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen haben heuer Wiesenweihen gebrütet. „Ein großer Erfolg des LBV-Artenhilfsprogramms“, meint Pürckhauer. In keiner anderen Region Deutschlands und Mitteleuropas gebe es so viele Brutpaare und flügge Junge wie in Mainfranken. Und auch mit den deutlich geringeren Brutzahlen 2016 „werden wir wieder die Spitzenreiter in Deutschland sein“.

Doch solche Erfolge wären ohne die Kooperation mit den Landwirten nicht möglich, macht sie deutlich. Denn die grazilen Vögel brüten bevorzugt in Wintergerste, aber auch mal in Winterweizen, Triticale, Roggen oder neuerdings auch in Agrarökoflächen. Da muss bei der Bewirtschaftung Rücksicht genommen werden.

 
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