KITZINGEN

Anlieger wollen privates Baugebiet verhindern

Als Lösung der Bauplatznot in Kitzingen sind nur zwei Lösungen in Sicht: eine Baugebiet am Hammerstiel und ein Privatprojekt am Wilhelmsbühl. Das trifft auf Widerstand.
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Ein Blick auf einen Teil des Geländes am Kitzinger Wilhelmsbühl, wo sich das umstrittene private Baugebiet oberhalb der bestehenden Häuser in den Hang einfügen soll. Foto: Foto: Harald Meyer

Während überall in Kitzingen gebaut wird, herrscht auf den Internetseiten der Stadt unter „Bauen und Wohnen“ gähnende Leere. Grund genug, neue Flächen auszuweisen. Wie am Hammerstiel, wo 2018 Bauland erschlossen werden könnte. Vermutlich unter dem Eindruck der Bauplatznöte stimmte der Stadtrat im Oktober 2016 – im dritten Anlauf – für ein privates Baugebiet am Wilhelmsbühl. Das ist heftig umstritten.

1,4 Hektar im Steilhang

Um das rund 1,4 Hektar große Projekt in dem teilweise recht steilen Hang oberhalb des Wohngebiets Wilhelmsbühl war es gut zehn Monate lang still. Grund laut Bauamt war vor allem die schwierige Straßenerschließung. Über den Sachstand des Vorhabens werde am 21. September im Bauausschuss berichtet, hatte zuletzt Bauamtschef Oliver Graumann berichtet.

Da dürfte es viele interessierte Zuhörer vom Wilhelmsbühl geben. 154 Anlieger hatten sich im Vorjahr per Unterschrift gegen das Projekt gestemmt – „aus sozialen, ökonomischen, ökologischen und weiteren Gründen“, wie es in einem Schreiben an die Regierung von Unterfranken hieß. In dem baten die Unterzeichner, einer Änderung des Flächennutzungsplans – der sieht Ackerland vor – nicht zuzustimmen.

Kritik an Kehrtwende des Stadtrats

Der Vorstoß lief vorerst ins Leere. Die Regierung warte auf eine Entscheidung der Stadt, ein Bebauungsplanverfahren zu eröffnen, sagte Joachim Kristahn, einer der Unterzeichner beim Pressegespräch. In dem wenden sich Kristahn und sein Nachbar Erich Jakubczyk gegen die „unsinnige Hangbebauung“ und kritisieren die Kehrtwende des Stadtrats, die bei den Anwohnern am Wilhelmsbühl einen Eindruck von „Unglaubwürdigkeit“ vermittle.

Was die Kritiker nicht verstehen: Obwohl es nach ihren Informationen rund 25 Hektar freies Bauland gibt, dazu diverse „Lückengrundstücke“ in der Stadt, solle für ein privates Baugebiet der Flächennutzungsplan geändert und damit ein „Präzedenzfall“ geschaffen werden. Zudem zeige doch eine vom Investor in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie, dass die Erschließung im Hang problematisch sei. Dies werde aber „verschwiegen“, so Kristahn.

Steile Zufahrt für die Feuerwehr

Ein Knackpunkt sei die Straße, die in Teilen eine Steigung von 18 Prozent bekommen werde. Dies sei vor allem im Winter gefährlich: „Für gehbehinderte Menschen und bei Schnee und Frost stellt die hohe Neigung der Zufahrt eine Gefährdung dar“, heißt es in der Studie. Da findet sich übrigens auch der Hinweis, dass die Feuerwehr wenig begeistert sein dürfte über die steile Anfahrt.

Sorgen bereitet das geplante Wohngebiet den darunter wohnenden Anliegern auch die Frage der Entwässerung. Bei Starkregen laufe jetzt schon beim einen oder anderen der „Keller voll“, sagt Jakubczyk. Das werde sicher schlimmer, wenn eine Etage höher durch das Wohngebiet noch mehr Fläche versiegelt werde.

Eine „Schnittstelle zur Natur“

Kritisch sehen die Anwohner auch die Verkehrsproblematik. Wenn die Anwohner im oberen Bereich wegen Schnee und Eis ihre Abstellplätze nicht anfahren könnten, werde sicher im alten Wohngebiet geparkt. Hier gibt es laut Kristahn ohnehin wenige Parkflächen. Ungeklärt ist für ihn auch die Frage, wer für die Erneuerung ihrer Anliegerstraße verantwortlich wäre, wenn diese durch Baufahrzeuge beschädigt werde.

Dass viel Natur weichen muss, wenn die geplanten 18 Bauplätze kommen, betont Jakubczyk. Das geplante Baugelände neben und oberhalb seines Hauses, sei eine „Schnittstelle zur Natur“. Eidechsen, Vögel, Fledermäuse, Hasen und Fasane seien hier – noch – zuhause.

Was aus Sicht der Anlieger das private Projekt unnötig macht, sind Pläne der Stadt. Die will am Hammerstiel ein weiteres Wohngebiet ausweisen. Das soll 37 Bauplätze anbieten und könnte 2018 verwirklicht werden.

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