KITZINGEN

Am Tag der offenen Moschee: Gespräche bei türkischem Tee

Die Tage der offenen Moschee am 3. Oktober sind inzwischen Tradition. Auch in Kitzingen, wo 60 Besucher informiert wurden.
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Tag der offenen Moschee auch in Kitzingen: Die Moschee, den Koran und den Islam stellte Hamza Özkan vor, neben ihm kniet Imam Özkan Akkus am Pult. Foto: Foto: GERHARD BAUEr
Die Tage der offenen Moschee am 3. Oktober sind inzwischen Tradition. Auch in Kitzingen. Zum Auftakt der interreligiösen Kirchen-Shuttle-Tour durch den Landkreis Kitzingen öffnete auch die Neue Moschee in Etwashausen ihre Pforten und hieß Angehörige aller Glaubensrichtungen willkommen.

In Eigenleistung und mit Spenden

Der Vorsitzende des türkisch-islamischen Kulturvereins, Yüksel Sari, erklärte den knapp 60 Besuchern, wie es in Kitzingen von den Anfängen mit einem Gebetsraum im Gebäude der Polizeiinspektion schließlich seit 1991 zum Neubau einer Moschee kam, die 2007 auf drei Stockwerke erweitert wurde.

Etwa 200 Mitglieder hat der Verein, der sein Gotteshaus mit Spenden und Eigenleistungen und ohne Zuschüsse errichtete. Der Verein ist Mitglied bei DITIP, der staatlichen türkischen Organisation, der in Deutschland rund 900 Moscheen angehören, die betreut werden.

Im Gebetsraum, traditionell ohne Schuhe zu betreten, erwarteten Imam Özkan Akkus, Safiye Klein und Hamza Özkan die Besucher. Hamza Özkan, geboren in der Türkei und in Baden-Württemberg aufgewachsen, stellte die Räume, ihre Ausstattung und deren Bedeutung ausführlich vor und führte in die Grundlagen des Korans ein. Er arbeitet als Religionslehrer an Grund- und Mittelschulen.

Die Kanzel im Gebetsraum nutzt der Imam für die Predigt beim Mittagsgebet am Freitag; sein Thema kommt zentral aus Köln, dem Sitz von DITIP und beinhaltet Informationen und Aufklärung wie nach Anschlägen und größeren Ereignissen. Der Vortrag ist auch in deutscher Sprache verfügbar, wird aber wegen ungenügender Sprachkenntnisse in türkischer Sprache gehalten.

Koran als Handbuch

Inmitten des großen mit flauschigem Teppich ausgelegten Gebetsraum befindet sich die Gebetsnische, vor der der Imam als Vorbeter seine Gebete verrichtet und die Gläubigen anleitet, die hinter ihm knien. Die Gebetsnische ist gen Mekka ausgerichtet, dem Heiligen Zentrum des Islam. In Kitzingen ist diese Richtung etwa im Südosten zu suchen.

Der Tagesablauf eines Moslems wird von fünf Pflichtgebeten gestaltet. Dabei müsse sich jeder Gläubige, so Hamza Özkan, selbst einschätzen wie lange und intensiv er Allah im Gebet begegnen will. Der Koran sei als eine Art Handbuch des Lebens für den Gläubigen gedacht. Völlig unverständlich sei für ihn, wie Menschen im Namen Allahs, des Koran oder des Islam Verbrechen begehen und andere Menschen vernichten. Als Beispiel griff er den Begriff Dschihad auf, dessen Bedeutung als Heiliger Krieg weithin gefürchtet sei, der in Wirklichkeit aber „Anstrengung“ bedeute. Die Anstrengung nämlich, die es koste, am frühen Morgen aufzustehen, die rituelle Körperwaschung vorzunehmen, um noch vor Sonnenaufgang dem Schöpfer im Morgengebet gegenüber treten zu können.

Bei türkischem Tee und Gebäck saßen die Gäste lange im Gemeinschaftsraum und tauschten sich mit Hamza Özkan und Safiye Klein aus, für Imam Özkan Akkus übersetzte Burhan Samdan.

Beim interreligiösen Shuttle bis zum 7. November werden Glaubensorte von Religionen im Landkreis Kitzingen besucht. Der Judenfriedhof in Rödelsee ist am 10. Oktober das Ziel. Am 17. Oktober folgt ein Besuch im Volkacher Kloster der Franziskanerinnen. Anmeldung und alle Termine bei Sieglinde Schraut, Tel. (0 93 21) 81 82 oder (01 51) 51 84 73 01.

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