NORDHEIM/ZEIL

Alte Weinterassen als Markenzeichen des Abt-Degen-Weintals

Auf Entdeckungsreise mit Weinkönigin Christina Schneider zwischen Schweinfurt und Bamberg: Wo schon Kaiser Barbarossa die Güte des Weins gelobt hat.
Artikel drucken Artikel einbetten
Beeindruckt von den alten Weinterrassen im Abt-Degen-Weintal: Weinkönigin Christina Schneider aus Nordheim. Von oberen Ende der Winzertreppe bietet sich ein Panoramablick über den Main und den Steigerwald. Eine Bilderserie des Besuchs unter www.mainpost.de/kitzingen Foto: Foto: Norbert Hohler
+1 Bild
„Das Kloster war der einzige Ort, wo es für Abt Degen Versorgung und ein Dach über dem Kopf gab.“
Thomas Stadelmann (Zeil) über Alberich Degen, dessen Mutter als Hexe verbrannt worden war

Zugegeben: Nicht alles, was sich der Fränkische Weinbauverband bei der Einteilung seiner Anbauflächen in zwölf Bereiche ausgedacht hat, muss man logisch oder gar gut finden. Lebendig wird die Einteilung jedoch, wenn man sich mit Weinkönigin Christina Schneider auf Entdeckungsreise begibt: Besuch im Abt-Degen-Weintal, der ersten Station einer Serie in loser Folge.

Weinberge soweit das Auge reicht

Was schon bei der Anfahrt über die Maintal-Autobahn auffällt, sind die alten Weinterrassen, die extremen Steillagen. „Die sind unser Markenzeichen“, erklärt Thomas Stadelmann später bei der Tour in den Weinbergen. Zeils Bürgermeister ist erster Vorsitzender des Abt-Degen-Weintals und gerät beim Erzählen geradezu ins Schwärmen.

„Was wir hier haben, ist einmalig. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass es früher entlang des Mains nur Weinberge gegeben hat“. Das sei von Schweinfurt über Bamberg, Bayreuth und Kulmbach sogar weiter nach Fürth gegangen, Franken im Mittelalter das größte zusammenhängende Anbaugebiet Europas gewesen. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Totalrodungen wegen der Reblaus. Die heutige Struktur habe sich durch Neupflanzungen entwickelt, vor allem ab 1965. „Dabei sind die alten Terrassen sichtbar geblieben – auch dort, wo keine Weinberge mehr sind. Das macht den Charakter aus.“

Keine Chance mit dem Vollernter

So schön Steillagen und Winzertreppen entlang des Abt-Degen-Steigs auch sind: Die Arbeit im Weinberg ist aufwändiger als anderswo. „Keine Chance mit Vollernter, und selbst mit dem Schlepper ist viel Umsicht nötig“, erzählt Roger Nüßlein, der zweite Vorsitzende des Weintals. Steillagen bis 60 Prozent bearbeitet der Winzer, der im Herzen Zeils das an sein Weingut angrenzende frühere Zollhaus des Bischofs von Bamberg gekauft und bis 2010 zu einer Vinothek umgebaut hat.

In dem 800 Jahre alten Gewölbekeller haben die Bauern einst Wein, Früchte, Getreide, Fleisch für den Bischof abgeliefert. Der Kalkputz von damals blieb erhalten, heute gibt es im Keller Weinproben, bei denen per Film wieder etwas Besonderes gezeigt wird: Nüßlein baut seine Weine nicht selbst aus, sondern mit Kellermeister Christian Baumann in Repperndorf bei der Winzergemeinschaft Franken (GWF). „Für uns wird separat ausgebaut, gefüllt, etikettiert. So sind wir als ehemaliger Traubenlieferant weiter Genossen. Nur bei etwa 25 Familien gibt es dieses Modell.“

2018 wird 1000 Jahre Zeil gefeiert

Zurück in den Weinberg, wo Christina Schneider am Aussichtspunkt unterhalb des Zeiler Käppele den Weitblick genießt. Ihre Idee, dort einen „terroir-f“-Punkt einzurichten, gefällt dem Bürgermeister. „Vielleicht ließe sich das ohne große Eigenmittel sehr behutsam machen“. Schließlich ist Ebbe in der Stadtkasse, seit große Steuerzahler wie die Zuckerfabrik oder Küchenhersteller allmilmö ganz (oder fast ganz) weggebrochen sind.

Groß gefeiet wird im Juni 2018 „1000 Jahre Zeil“ dennoch. Und dann wird eine weitere erstaunliche Geschichte erzählt: Zeil war eine Hochburg der Hexenverfolgung, die Mutter von Abt Degen eines der Opfer. „Es mutet seltsam an, dass Alberich Degen ins Kloster gegangen ist, obwohl die Kirche für den Tod seiner Mutter verantwortlich war“, erzählt Stadelmann. „Aber ihr Prozess war so teuer, das die Familie danach ruiniert war. Das Kloster war der einzige Ort, wo es für Degen Versorgung und ein Dach über dem Kopf gab.“

Gäste mögen die urigen Heckenwirtschaften

Auf der Winzertreppe oberhalb des Ortsteils Ziegelanger lobt Christina Schneider jene Winzer, die in den Steillagen arbeiten. „Ich bewundere das, meinen allerhöchsten Respekt.“

Roger Nüßlein erzählt, dass sich vor allem Nebenerwerbswinzer die Plackerei antun. „Leute, die nicht auf die Uhr schauen, die es einfach gern machen. Und die oft in ihren Heckenwirtschaften den eigenen Wein verkaufen.“ Sogar Kaiser Barbarossa soll einst von dem Ergebnis angetan gewesen sein. „Der Wein geht den Schnabel runter wie Öl“, soll er ausgerufen haben: daher soll der Name der Lage Ölschnabel kommen.

Ziegelanger und Sand auf der anderen Mainseite sind bekannt für ihre urigen Heckenwirtschaften. „Das lockt viele Gäste, die wandern oder radeln“, sagt Thomas Stadelmann. Sie schätzen überdies die Verbindung zum Bier: „Die Kombination mit Oberfranken, wo sich Biergarten an Biergarten reiht, und uns wird oft als Grund angegeben, warum Gäste die Region mögen.“ Dazu passt, dass Christina Schneider neulich beim Bratwurstgipfel in Pegnitz eingeladen war. „Im nächsten Jahr gibt es dort erstmals auch Frankenwein. Denn nicht nur Bier passt zur Bratwurst, das kann man bei jedem Weinfest beobachten.“

Uralte Vorbehalte werden abgebaut

Ach ja: Seit es das Abt-Degen-Weintal gibt, passen auch Zeil und Sand besser zusammen. Die Winzer haben uralte Vorbehalte überwunden, ziehen für den Erfolg an einem Strang. Nicht umsonst gehören die beiden Weinfeste dort nach Volkach zu den größten Frankens. Wieder so eine Überraschung auf der ersten Weinreise – Fortsetzung folgt.

Das Abt-Degen-Weintal

Die „Interessengemeinschaft Fränkisches Weinland am Obermain“ wurde 1994 von sieben Kommunen (Ebelsbach, Eltmann, Sand, Zeil, Knetzgau, Königsberg, Haßfurt) gegründet, Vorsitzender war Christoph Winkler (Zeil).

2010 übernahm Bernhard Ruß (Sand), der Name wurde geändert in „Abt-De- gen-Weintal“. Die Hoffnung, mit dem neuen Namen bei der Vermarktung besser punkten zu können, hat sich erfüllt. Besonders beliebt ist der 1995 eröffnete Abt-Degen-Steig am Südhang der Haßberge mit alten Weinterrassen und Weinbergtreppen – mit herrlichem Blick über Main und Steigerwald.

Der Name geht auf Abt Alberich Degen, geboren in Zeil, zurück: Er hat mit den Zisterzienser-Mönchen im 17. Jahr- hundert maßgeblich zum Anbau und zur Verbreitung der Silvanerrebe in Franken beigetragen.

Momentan sind etwa 50 Betriebe (Win- zer, Gastronomen) Mitglieder, Vorsitzender ist Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann. Oberhaid tritt demnächst als achte Kommune bei. Der Fränkische Weinbauverband hat dem Abt-Degen-Weintal auch noch Schweinfurt, Schonungen, Viereth und Bamberg (zusammen 115 Hektar) zugeordnet. Internet: www.abt-degen-weintal.de

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.