DETTELBACH

Als Paul Breitner beim Elfmeter das Hirn ausschaltete

Fußballromantikern wird es nicht gefallen haben, als Paul Breitner am Montagabend von der „Ware Fußball“ und dem „Produkt FC Bayern“ sprach.
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Die Dettelbacher Maintalhalle war proppenvoll: Kein Wunder, zur Jahresveranstaltung hatte die VR Bank Kitzingen die Fußballlegende Paul Breitner eingeladen. Im Bild (von links) der Moderator des Abends und Reporter bei Sky-Sport News, Matze Bielek, Dr. Reiner Wirsching (Sportchirurg, ehemaliger Fußballprofi), die ZDF-Sportmoderatorin Anna Kraft, Gastgeber Peter Siegel (Vorstand VR-Bank Kitzingen) und Paul Breitner. Foto: Foto: Jan Speth

Fußballromantikern wird es nicht gefallen haben, als Paul Breitner am Montagabend von der „Ware Fußball“ und dem „Produkt FC Bayern“ sprach. Bei der Jahresveranstaltung der VR Bank Kitzingen in der gutbesuchten Dettelbacher Maintalhalle nahm Breitner kein Blatt vor den Mund.

Inhaltlich befasste sich der Ex-Nationalspieler vor den rund 800 Zuhörern mit der Entwicklung des Fußballs im Unterhaltungsgeschäft, den eigenen Stufen zum Erfolg und der großen Leidenschaft FC Bayern.

„Ich stehe heute nur hier, weil ich bei der WM 1974 den Elfmeter versenkt habe“, stellte der frühere Fußballprofi fest. Er habe den Strafstoß erst im Nachhinein richtig wahrgenommen: „Ich habe die volle Stärke eines Fußballers genutzt und beim Elfmeter einfach das Hirn ausgeschaltet.“

„Teamplayer sind Mittelmaß.“
Ex-Nationalspieler Paul Breitner

Wer geglaubt hatte, an diesem Abend etwas über Uli Hoeneß zu erfahren, der wurde enttäuscht. Für Paul Breitner war dieses Thema trotz Nachfrage von Moderator Matze Bielek ein Tabu.

Ausführlich ging er hingegen auf „den Konzern mit dem besten Kader der Welt“ ein: Die Bayern seien anderen Vereinen immer voraus, „die Marke FC Bayern expandiert nach China, in arabische Länder und Indonesien“ und sei deshalb „auf einer Stufe mit Volkswagen“.

„Die Bayern wollen keinen anderen Verein schwächen“, betonte Breitner. Die Transfers seien nötig, um immer besser zu werden als die Anderen. „Teamplayer sind Mittelmaß“, sagte der 64-Jährige gewohnt offen, „jeder gute Spieler spielt in erster Linie für sich selbst und dann erst für die Mannschaft“.

„Kollegialität als Einzelkämpfer“ zählte der jetzige Bayern-Chefscout als eine seiner Stufen auf dem Weg zum Erfolg auf. Die Entwicklung des Fußballs in Deutschland – vor allem mit dem Einzug in das Privatfernsehen – habe an Fahrt gewonnen: Weg vom „Bäh-Sport“ hin in „die Mitte des Unterhaltungsgeschäfts“, so Breitner. Der Bau des Olympiastadions in München als WM-Austragungsort und die Ära Franz Beckenbauer führten laut Breitner darüber hinaus dazu, dass „die Ware Fußball“ plötzlich interessant für Sponsoren wurde.

Einen Appell richtete Breitner an VR-Bank-Vorstand Peter Siegel, der auf die Entwicklung der Bank bis hin zum „Mobile-Banking“ einging: „Meine Generation will kein Mobile-Banking, behaltet die Zweigstellen mit den Bankberatern vor Ort“.

„Fußballer sind wie Popstars.“
Anna Kraft, Sportmoderatorin

Und schon ging es in die Talk-Runde mit einem bunten Themen-Mix, der sich neben Breitner die ZDF-Sportmoderatorin Anna Kraft (30) und der Sportchirurg Dr. Reiner Wirsching (53) stellten, der lange Zeit beim 1. FC Nürnberg spielte.

„Fußballer sind wie Popstars“ bilanzierte Anna Kraft im Hinblick auf die Wahrnehmung von Fußballprofis in der Medienlandschaft und darüber hinaus in den sozialen Netzwerken. Der völlige Wegfall der Privatsphäre sei „eine gefährliche Entwicklung“, stellte die Sportmoderatorin fest: „Oft gelangen über soziale Netzwerke auch kritische Dinge an die Öffentlichkeit.“

„Da kann ich nicht mehr mitreden“, merkte Paul Breitner an, der zuvor sein altes Handy gezückt hatte. „Das Schlimmste, was es gibt sind Selfies“, so der Bayern-Scout. Auf seine Meinung zum Wahlsonntag angesprochen sagte Breitner: „Ich hätte es extremer erwartet.“ Die AfD dürfe man nicht als Eintagsfliege unterschätzen und ihr Erstarken sei auch nicht nur auf die Flüchtlingskrise zurückzuführen. „Die Unzufriedenheit mit Politikern hat denen Tor und Türe geöffnet“.

„Viele Spieler sind in der Koordination schlechter ausgebildet.“ Im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr von Uli Hoeneß zum FC Bayern sprach Kraft vom „Herzstück des FC Bayern“. Ein Comeback würde auch der Medienlandschaft gut tun. Auch Sportarzt Wirsching befürwortete ein erneutes Engagement beim FCB. Keine Position bezog Breitner: „Ich sag nichts zu Uli Hoeneß“.

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