SEGNITZ

Als das Christkind die Geschenke wieder holte

Es liegt noch nicht so lange zurück, doch scheint es längst vergessen: Weihnachtsgeschenke für Kinder, die nach kurzer Zeit wieder eingesammelt wurden.
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Geschenke auf Zeit: Norbert Bischoff und Margarete Klein-Pfeuffer präsentieren die Puppen der Schwestern Morgenroth aus Tiefenstockheim, die nur zur Weihnachtszeit zum Spielen da waren. Foto: Foto: Robert Haass

Es liegt eigentlich noch gar nicht so lange zurück, doch scheint es längst vergessen: Weihnachtsgeschenke für Kinder, die nach kurzer Zeit wieder eingesammelt wurden und fast ein Jahr lang auf Dachböden, in Schränken oder Kellern lagerten, bis sie wieder auf dem Gabentisch landeten. Diesem Phänomen widmet das Segnitzer Museum Segeum ab dem 17. Januar eine eigene Ausstellung.

„Geschenke auf Zeit – was das Christkind nach Weihnachten wieder holte“ ist der Titel einer Ausstellung, die nicht nur Weihnachtsgeschenke aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zeigt, sondern auch ein Schlaglicht auf die Gesellschaft der Zeit selber wirft. Denn die Fülle der Geschenke zu Weihnachten, vor allem für Kinder – das gibt es noch gar nicht so lange.

Weihnachtsgeschenke, die gibt es wohl erst seit dem Biedermeier, also um 1830, mit dem Aufkommen des Großbürgertums, wie Margarete Klein-Pfeuffer und Norbert Bischoff, die Macher der Ausstellung, erzählen. Der Rest der Bevölkerung musste sich wohl mit einigen Nüssen und Äpfeln bescheiden. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte der „Brauch“ den Kindern zu Weihnachten Geschenke zu geben breitere Schichten.

Puppen, Puppenstuben, Kaufläden, Blechspielzeug, aber auch Gesellschaftsspiele, wie Dame oder Mühle waren beliebte Geschenke – aber nur auf Zeit. Was das Christkind am Weihnachtsabend brachte, nahm es kurze Zeit später wieder mit. Denn zum einen waren die Geschenke teuer, zum anderen gab es auch zu wenig Platz, um mit diesen Sachen den Alltag teilen zu können. Welches Kind hatte damals schon ein eigenes Kinderzimmer.

Die „Gute Stube“ wurde „zwischen den Jahren“ geheizt, die Familie kam da zusammen, es wurde geredet und gespielt. Denn Fernsehen und andere Unterhaltung gab's noch nicht. Und so war es wohl ganz selbstverständlich, dass die Geschenke wieder verschwanden und auf Dachböden, in Schränken und wo auch immer fast ein Jahr lang gelagert wurden. Um nächstes Weihnachten aufpoliert wieder unter dem Baum zu liegen. Die Puppe mit einem neuen Kleid, der Kaufladen hatte plötzlich eine Waage, die Verkaufsutensilien waren aufgefüllt.

Klein-Pfeuffer und Bischoff, beide um die 60 Jahre alt, haben in ihrer Kindheit dies erlebt. Also haben sie sich auf Spurensuche begeben, haben Verwandte und Bekannte gefragt und sind tatsächlich fündig geworden: Es gibt sie noch, die Geschenke auf Zeit, gehütet und bewahrt.

Und so kann die Ausstellung im Museum Segeum auch auf solche Geschenke zurückgreifen. Da gibt es etwa die drei großen Schildkrötpuppen aus Tiefenstockheim, die noch heute im Besitz der drei Schwestern Morgenroth sind – ein Hochzeitspaar und die Brautjungfer. Gezeigt werden auch ältere Stücke, etwa Porzellangliederpuppen.

Der Schwerpunkt liegt aber auf den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Auffällig dabei: Bubenspielzeug ist viel seltener. Was wohl auch daran liegt, dass die Mechanik der Schuco-Autos, der Eisenbahnen oder auch des Blechspielzeugs eher kaputt gegangen ist, als die Puppen, die Puppenstuben oder die Kaufläden.

Geöffnet ist die Ausstellung im Segnitzer Museum Segeum in der Alten Schule immer sonntags von 14 bis 17 Uhr vom 17. Januar bis zum 20 März 2016 und nach Vereinbarung.

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