KITZINGEN

Alles Kopfsache

Wie genug Bewegung und gesunde Ernährung zusammen passen können.
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Keine Sorge: Einen Handstand muss niemand können, der am Präventionskurs teilnehmen will, den Yvonne Müller und Angelika Krammer ab dem 26. September anbieten. Foto: Foto: Ralf Dieter

„Der Erfolg hat drei Buchstaben“, sagt Yvonne Müller und zählt sie auf: T-U-N. Mit anderen Worten: Es geht darum, den inneren Schweinehund zu überlisten, von der Couch hochzukommen, sich wieder mal zu bewegen und sich auch mal wieder ein gesundes Abendessen oder eine leckere Brotzeit zu machen. Yvonne Müller und Angelika Krammer wissen, wie das funktionieren kann. Ihr Wissen geben sie gerne weiter.

Seit zwei Jahren halten die Sport-Therapeutin und die Ökotrophologin gemeinsam den Präventionskurs der AOK mit dem Titel „Aktiv abnehmen Plus.“ Zwei Kurse finden pro Jahr statt, der nächste startet am Mittwoch, 26. September. Zwölf Teilnehmer können jeweils mitmachen. „Die Kurse sind immer ausgebucht“, sagt Angelika Krammer.

Die Gruppe ist in der Regel bunt gemischt. Meistens sind es Frauen, die sich anmelden. Die älteste Teilnehmerin bislang war 76 Jahre alt, die Jüngsten sind Anfang 20. Ein Problem? „Überhaupt nicht“, versichert Müller. „Die Gruppe findet sich immer schnell zusammen.“ Was die Teilnehmer verbindet: Sie haben in der Regel eine längere Leidenszeit hinter sich, haben Rückenschmerzen, Kniebeschwerden, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme. Sie bewegen sich zu wenig, ernähren sich zu oft ungesund, haben Übergewicht und bringen allerlei Gründe vor, warum sie bislang noch nicht die Kurve gekriegt haben. Die meisten hören sich so an: Zu viel Stress, einfach keine Zeit. Diese Ausreden hören die beiden Kursleiterinnen immer wieder. „Dabei mangelt es in den meisten Fällen an der Motivation“, weiß Yvonne Müller. „Und die meisten wissen das.“

Von Zwängen oder Vorschriften halten die beiden Kursleiterinnen nichts. Das Wort „individuell“ fällt im Gespräch mit ihnen häufig. „Jeder muss seinen eigenen Weg finden“, meint Yvonne Müller, die den sportlichen Bereich des Kurses abdeckt. „Unsere Körper sind auf Bewegung ausgelegt“, erinnert sie. In ihrem Alltag gehen viele Menschen dieser Notwendigkeit allerdings viel zu oft aus dem Weg. Ob Fernbedienung, Aufzug oder Handy: Das Leben wird vermeintlich vereinfacht. Anstatt die Treppe zu nehmen oder zum Telefon zu laufen, suchen sich viele Menschen den bequemeren Weg. „Durch die Benutzung des Handys spart sich ein Mensch pro Jahr durchschnittlich fünf Kilometer“, berichtet Müller.

5000 bis 6000 Schritte legen die Deutschen durchschnittlich pro Tag zurück. 10 000 sollten es mindestens sein. Ihre Empfehlung: Bewegung ganz bewusst in den Alltag einbauen – und sich ab und zu Zeit für bewusste Sporteinheiten einplanen. Jeder muss dabei seinen Weg und seinen Sport finden. „Bewegung muss Spaß machen“, sagt sie. Wer nicht gerne schwimmt, den sollte man beispielsweise auch nicht ins Schwimmbad schicken.

Ähnlich verläuft nach den Erfahrungen von Angelika Krammer das Denk- und Verhaltensmuster in Sachen Ernährung. Selbsttäuschung ist auch hier an der Tagesordnung. Fertigpizzen sind angeblich schneller fertig als gesundes Abendessen. „In der Zeit, die die Pizza im Ofen braucht, habe ich auch gesundes Gemüse geschnippelt“, stellt Angelika Krammer fest. Auch sie hält nichts von allgemeingültigen Richtlinien, setzt auf individuelle Ratschläge.

Zunächst klärt sie die Kursteilnehmer über die jeweiligen Inhaltsstoffe der Fertigprodukte auf. „Kaum einer weiß beispielsweise, dass in Tiefkühlpizzen Zucker steckt.“ Und dennoch greifen immer mehr Deutsche zu diesen und ähnlichen Angeboten – und essen tendenziell zu viel. „Das Nahrungsangebot ist einfach zu groß“, weiß sie. „Da schlägt der Körper halt auch zu.“

Verbote helfen da nicht weiter, hungern auch nicht. „Ein dauerhafter Verzicht funktioniert nicht“, sagt Krammer. Nach und nach müssten die Essgewohnheiten umgestellt werden. „Das ist für den Menschen so ziemlich das Schwierigste überhaupt“, weiß sie. Nur schrittweise komme man da voran, jeder müsse sein eigenes Tempo finden – und Zeit einplanen. „Um eine Gewohnheit tatsächlich zu verändern, braucht es 21 Wiederholungen“, sagt Krammer. Sie bietet im Rahmen des Kurses zwei Kochabende an und gibt den Teilnehmern jede Menge Rezeptvorschläge mit auf den Heimweg.

Yvonne Müller und Angelika Krammer freuen sich schon auf den neuen Kurs, auf das Miteinander. „Es entwickelt sich immer eine gute Dynamik in der Gruppe“, sagt Krammer. Mitunter treffen sich die Teilnehmer auch nach der Beendigung des Kurses, um miteinander zu kochen oder zu sporteln.

Mögliche Berührungsängste räumt sie aus dem Weg: „Niemand wird bei uns an den Pranger gestellt.“ Entscheidend sei es, auf den eigenen Körper zu hören, auf sich selbst zu achten. „Und nicht irgendwelchen Trends hinterherzulaufen.“

Wann: Der Kurs startet am Mittwoch, 26. September, und findet neun Mal jeweils mittwochs, von 18.30 Uhr bis 20 Uhr statt.

Wo: AOK-Geschäftsstelle, Paul-Eber-Straße 6 in Kitzingen.

Anmeldung: Tel: 0931/388-451, www.aok-gesundheitskurse.de oder bei den AOK-Geschäftsstellen. Versicherte anderer Krankenkassen können auch teilnehmen.

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