Sie hatten darum gebeten, dass in die vom Bischof unterschriebene Ruhestandsurkunde ihres Pfarrers vom vergangenen Jahr der sonst übliche, in dem Fall aber absichtlich weggelassene Textbaustein "mit Dank und Anerkennung" nachträglich eingefügt oder eine neue Urkunde ausgestellt wird. Geht nicht, sagte der Bischof und die Mädchen zogen ab.
Bei einer Tasse Kaffee vor dem Sonntagsgottesdienst im Pfarrhaus von St. Michael im Schweinfurter Musikerviertel soll ein Schlussstrich gezogen worden sein unter den Zwist zwischen Bischof Friedhelm Hofmann und Pfarrer Roland Breitenbach, der sich gelegentlich polemische Äußerungen leistete und kritische Kommentare geschrieben hatte. Die Bandbreite des Autors Breitenbach reicht dabei von der wöchentlichen Kolumne in einem Wochenblatt bis zu regelmäßigen Neuerscheinungen in Buchform.
"Wir haben nicht nachgekartet oder aufgerechnet", sagte Breitenbach später beim Frühschoppen im Pfarrheim, "sondern uns gegenseitig den Frieden erklärt". Und auf die Frage, ob man jetzt mit einem schreibenden Roland Breitenbach rechnen müsse, der sich zurückhält, nicht mehr so deutlich formuliert, die Kirche und ihre Oberen schont, sagte er: Kritik sei immer dann positiv, wenn sie auf Veränderung zu Gunsten der Menschen hin zielt. Genau das wolle das Evangelium und in dessen Geist und im Sinne des Apostels Paulus werde er weiter Kritik üben, sei es gelegen oder nicht.
Bisher nicht ausgesprochener Dank ging am Sonntag zum Abschluss des Gottesdienstes aus Anlass der bischöflichen Visitation in Schweinfurt in Fülle über Breitenbach nieder, in einer Kirche, die, so der Würzburger Oberhirte, voll war wie man es auch immer weniger erlebt. Als Bischof Friedhelm seinen Dank für Breitenbachs jahrzehntelange Arbeit in St. Michael mit weit über die Pfarrei hinaus bekannt gewordenen Projekten begründen wollte, musste er erst einmal das Ende des minutenlangen Beifalls der Gläubigen abwarten.
Er erwähnte dann Unstimmigkeiten, "die durch die Presse geisterten", aber jetzt bei der Visitation habe er erfahren, wie viel Gutes hier gewachsen sei: Der jährliche Ehe-TÜV, das Zusammenkommen der hier getrauten Paare, die Motorradfahrer-Gottesdienste mit tausenden von Maschinen und noch mehr Fahrern und Mitfahrern, Krankenhaus-Dienste und soziale Projekte. Der Bischof wünschte, dass die guten Impulse aus St. Michael weiter nach draußen getragen werden. Diese anerkennenden Worte über ihren Pfarrer hatte offensichtlich den Ministrantinnen Mut gemacht, das Thema Ruhestands-Urkunde noch einmal anzugehen.
Für Breitenbach ist die vom Bischof unterschriebene Urkunde "das miserabelste Arbeitszeugnis", das man sich vorstellen kann. Bei dem Text, der unter Verzicht auf "Dank und Anerkennung" auch im Amtsblatt der Diözese und im Pressedienst veröffentlicht worden war, könne man sich fragen, so Breitenbach damals, was er verbrochen habe. Die Beurteilung für einen Pfarrer, der in die Kollekte gegriffen oder Kinder missbraucht hast, könne nicht viel anders aussehen. "Dank kann man nicht einklagen", zitierte dagegen damals der Pressesprecher des Ordinariats den Generalvikar. Es habe auch vor Breitenbach schon Fälle gegeben, in denen die Ruhestandsurkunde die "Dank und Anerkennung"-Formel nicht enthalten habe.
In Gruppen der Pfarrei waren zum Bischofsbesuch unterschiedliche Protestaktionen angedacht, aber dann doch unterlassen worden, um ein Aufeinander-Zugehen von Bischof und dem aktiven Ruheständler Breitenbach nicht zu belasten. Bei einer Meditation im Gottesdienst hatte man allerdings eine "Spitze" untergebracht: Fragt eine Frau ihren Bischof: "Was soll ich tun?", sie werde als Mitarbeiterin in ihrem Konzern trotz Qualifikation und Berufserfahrung nicht ernst genommen, die Geschäftsleitung lehne eine Frau im Vorstand ab. Der Bischof, so der vorgetragene Meditationstext, lässt sich ausführlich auf die guten Argumente der Frau ein und sagt am Ende: "Das ist ja wohl nicht zeitgemäß. Lassen Sie sich nicht unterkriegen."
"Das ist gut", antwortete die Frau dem Bischof, "dann sollten wir uns jetzt mal über diesen Konzern weiter unterhalten". Wie sich das für einen Meditationstext gehört, hat der Bischof über das, was da vorgetragen wurde, nachgedacht, aber sich nicht konkret geäußert.