Kitzingen Er ist bekannt als „Fonsi“, als Moderator des Schlachthofs im Bayerischen Fernsehen, als preisgekrönter Kabarettist. Am 14. April kommt Christian Springer nach Kitzingen. Im Richthofen-Circle wird er sein Programm „Trotzdem“ zeigen. Ein Gespräch über die Möglichkeiten und Grenzen von Satire und über sein jahrelanges Hilfsprojekt für Syrien.

Frage: Welches Ziel verfolgen Sie, wenn Sie auf der Bühne stehen?

Zunächst einmal will ich die Leute gut unterhalten. Wenn es mir dann noch gelingt, Solidarität herzustellen und Mut zu machen, dann war es ein guter Abend.

Christian Springer: Verändert sich Ihr Programm immer wieder aufgrund der aktuellen Entwicklungen?

In diesen Wochen schon. Fasching, Starkbieranstich, GROKO: Da gibt es immer wieder neue Anreize. Aber in den Grundsätzen steht das Programm. Bei Bedarf kann es täglich verändert werden.

Die Altneihauser Feierwehrkappellen steht nach ihrem Auftritt bei Fastnacht in Franken in der Kritik, weil sie sexistische Witze über die französische Präsidentengattin Brigitte Macron gerissen hat. Gibt es Tabus im Kabarett?

Ich schätze die Altneihauser Feierwehrkapelle sehr, weil sie frech ist. Das darf im Fasching auch sein. Aber die „Unter-der-Gürtellinie“-Witze sind nicht mein Ding. Dennoch plädiere ich für Laissez faire und nicht für Verbote. Wir sollten die Kunst nicht beschränken. Andererseits: Für mich ist nicht alles erlaubt. Wer Tucholsky zitiert und sagt „Satire darf alles“, der vergisst, dass er dazu noch viel mehr gesagt hat.

Was?

Dass man beispielsweise über Nazis keine Witze machen kann und soll. Daran halte ich mich. Ich frage mich auch, warum man sich über körperliche Gebrechen von anderen Menschen oder über deren Aussehen lustig machen soll. Oder über das Privatleben von Politikern. Es gibt so viel anderes, wo man den Finger in die Wunde legen kann. Letztendlich ist es aber immer die Entscheidung des Künstlers und des Publikums.

Des Publikums?

Natürlich. Das Publikum darf viel. Applaudieren, aber auch buhen. Oder schweigen.

Ist Ihnen das auch schon passiert?

Immer wieder. Wenn eine Sequenz nicht genügend durchdacht ist, dann schlägt das Publikum brutal mit Schweigen zurück.

Klingt grauenhaft.

Es ist nicht schön, aber für den Beruf letztendlich wundervoll. Weil diese Erfahrungen einen weiterbringen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Kabarettisten und einem Witze-Erzähler?

Witze sind im Kabarett auch erlaubt. Wir sollten in diesen speziellen Zeiten aber auf der Hut sein, dass Kabarettabende nicht zu bloßen Witze-Abenden verkommen.

Warum spezielle Zeiten?

Ich weiß nicht, ob Merkel, Seehofer oder Schulz tatsächlich an irgend etwas Schuld sind. Die Geld- und Finanzpolitik hat die Macht übernommen. Wenn sich Menschen nicht mehr ein Dach über dem Kopf leisten können, dann besteht für mich Alarmstufe Rot. Wir müssen uns Sorgen machen.

Und Sie können die Menschen erreichen?

Ich kann sie in ihrer Emotionalität erreichen.

Kann Kabarett auch tatsächlich etwas verändern?

Das Kabarett hat eine lange Tradition. Ich habe bisher aber noch keine Stelle entdeckt, wo es die Welt verändert hat. Deshalb habe ich auch nicht meinen Beruf gewählt. Um Menschliches zu tun, muss man selber anpacken.

Erhalten Sie irgendwelche Rückmeldungen von Politikern?

Ich habe mal an Horst Seehofer einen Brandbrief geschrieben. Der ist 80 Seiten lang geworden. Da unterhält man sich schon darüber, hat man mir gesagt. Ich habe letztes Jahr 15 Minuten vor dem Europarat sprechen dürfen. Auch da gab es Rückmeldungen. Aber ich hatte und habe nicht die Hoffnung, dass sich politische Entscheidungen durch das Kabarett verändern würden. Selbst wenn die Politiker das wollten.

Warum nicht?

Weil alles viel komplizierter geworden ist. Den Politikern wird immer mehr die Macht genommen, tatsächlich etwas zu verändern. Umso mehr müssen sie sich aufblasen.

Reagiert das Publikum in München anders als das in Unterfranken?

Es gibt dieses Klischee, dass Franken eher reserviert sind. Das kann ich so nicht bestätigen. Ich fahre gerne dorthin.

Sie fahren auch gerne in den Libanon und das Krisengebiet rund um Syrien, aus ganz anderen Beweggründen. Seit wann gibt es Ihr Hilfsprojekt?

Seit 2011. Ich hätte nie gedacht, dass ich 2018 immer noch den Menschen in ihrem Elend helfen muss. Aber die internationale Hilfe ist viel zu schwach.

Wie oft sind sie in der Region?

In der Regel zweimal pro Monat. Ich bastel schon wieder an der nächsten Reise. Um Hotelkosten zu sparen, habe ich mittlerweile eine Wohnung in Beirut angemietet.

Sehen Sie eine politische Lösung für die Menschen?

Es gibt eine Vision. Aber ob die erreicht wird, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass auch die Syrer an ihrer Heimat hängen. Sie wollen zurück. Die Grundvoraussetzung dafür ist allerdings eine Einstellung aller Waffenhandlungen, sonst gibt es keine Überlebensmöglichkeit.

Was hat sich in den letzten Jahren im Alltag der Syrer verändert?

Manche Lebensmittel kosten jetzt tausend Mal so viel wie noch vor fünf Jahren. Es gibt weiterhin Folter und willkürliche Verhaftungen. Da könnte die internationale Gemeinschaft einschreiten. Ich würde gerne lesen, dass viel mehr Hilfsflüge Syrien erreichen.

Können Sie sich bei Ihren Reisen frei bewegen?

Ich war seit viereinhalb Jahren nicht mehr in Syrien. Die Projekte dort werden über Partner organisiert. Zum Glück hat sich der Libanon stabilisiert. Dort sind etwa eineinhalb Millionen Flüchtlinge aus Syrien untergekommen. Dort können wir uns frei bewegen.

Wer ist wir?

Ich habe drei feste Mitarbeiter in Beirut. Zusammen suchen wir uns vor Ort Partnerorganisationen, die Projekte betreuen.

Wie lange werden Sie Ihre Hilfe in der Krisenregion aufrecht erhalten?

So lange es nötig ist. Ich hoffe natürlich, dass der Krieg möglichst bald endet. Wenn nicht, mache ich weiter. Ich helfe wahnsinnig gerne.

Warum?

Man bekommt sehr viel zurück, wenn man anderen hilft. Das wird Ihnen jeder bestätigen. So gesehen wäre es ein großer Verlust, wenn das Hilfsprojekt plötzlich enden würde. Aber dann würde ich mir ein anderes soziales Betätigungsfeld suchen – vielleicht Franken, hahaha.

Neuer Kabarettspielort?

Das Hotel Cavallestro im Richthofen Circle könnte sich zu einem Schauplatz für Kabarett-Auftritte entwickeln. Inhaber Manfred Maier würde jedenfalls gerne häufiger bekannte Kabarettisten wie Christian Springer willkommen heißen. Etwa 120 Gäste passen in das ehemalige Offizierskasino. Das Ehepaar Maier hat das Hotel 2013 eröffnet und schon vor Jahren Versuche mit Live-Bands gestartet. Mit unterschiedlichem Erfolg. „Manchmal haben uns die Leute die Bude eingerannt, dann sind sie weggeblieben“, erinnert sich Manfred Maier. „Das ist gar nicht so leicht zu kalkulieren.“ Bei Christian Springer dürfte die Bude voll sein.

Karten können per Telefon 09325/9796200 oder mail@kulturgezeiten.com zum Preis von 21 Euro reserviert werden.