MÜNSTERSCHWARZACH

Akrobatik auf dem Pferderücken

Alexandra Faustmann erzählt, warum nichts über einen geduldigen Mann geht und warum ihr Voltigierverein neue Trainer sucht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Jüngsten in der Voltigierrunde: Team III mit Emma Mäckel, Emilia Pfister, Lina Eberlein, Romy Wittstadt, Alicia Cossen und Trainerin Julia Schlag. Foto: Foto: Alexandra Faustmann
+1 Bild

Manch ein Zuschauer gerät ins Staunen, wenn er beim Voltigieren zusieht. Wenn die Reiterin nicht mehr auf dem Rücken des Pferdes sitzt, sondern auf diesem steht oder dort oben akrobatische Übungen ausführt. Auch Alexandra Faustmann ist seit ihrer Kindheit von dem Pferdesport gefesselt. Sie voltigierte selbst, fand Gleichgesinnte und verspürte irgendwann den Drang, die Begeisterung fürs Voltigieren auch anderen nahezubringen. So kam es, dass ihre Teamkolleginnen und sie vor einigen Jahren einen eigenen Voltigierverein gründeten. „Wir sind die Voltis aus dem Landkreis Kitzingen“, heißt es auf der Homepage des Vereins PSV Galopp & Fun. Was dahinter steckt, verrät die Trainerin im Interview.

Frage: Euren Voltigierverein gibt es seit viereinhalb Jahren. Wer war damals der Strippenzieher?

Alexandra Faustmann: Meine Trainerkolleginnen Julia Schlag und Lara Steinhoff und ich hatten einen gemeinsamen Wunsch: Wir wollten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Voltigiersport so ermöglichen, dass dabei alle möglichst vielfältig gefördert werden und Spaß haben. Weil man sich in „Voltikreisen“ gegenseitig oft gut kennt und sich sehr gerne hilft, standen wir damals auch in Kontakt mit Sonja Galz, der Vorsitzenden des PSV Galopp & Fun in Leinach. Sie kannte unsere Bedürfnisse und hat eines Tages einfach gefragt, ob wir nicht Lust hätten,eine Außenstelle im Landkreis zu gründen. Wir haben kurz darüber nachgedacht und abgestimmt - und wir waren uns einig, dass wir das machen möchten. Es hat sich damals einmal mehr gezeigt, dass wir Voltis einfach Teamplayer sind.

Das Vorhaben hat sich schnell als echte Herausforderung entpuppt?

Faustmann: Tatsächlich! Wir mussten einiges tun, um unsere Außenstelle aufzubauen: ein Turnpferd selbst bauen, ein geeignetes Pferd finden, Sponsoren suchen, Mitglieder werben und vieles mehr. Das kostete uns ziemlich viel Zeit, Geld und Geduld. Wir gingen hauptsächlich erst mal privat in Vorleistung, um unsere Außenstelle zu finanzieren. Am Anfang haben wir dann erst mal nur in der Turnhalle trainiert, bis wir ein geeignetes Pferd gefunden hatten. Nach einem halben Jahr und unzähligen Terminen in ganz Bayern hatten wir unseren „Halifax“ aber endlich gefunden. Dann war aber wieder erst mal ordentlich Geduld gefragt, bis unser Halifax so weit ausgebildet war, um die Anforderungen des Voltigierens zu meistern.

Was unterscheidet Euch von Reiterhöfen, bei denen ja oftmals auch Voltigieren angeboten wird?

Faustmann: Wir sind ein reiner Voltigierverein, bei dem es gezielt um die Förderung von Kindern und Jugendlichen im Voltigieren geht – auch in Richtung Turniersport. Unser Halifax wird ausschließlich zweimal wöchentlich zum Voltigieren eingesetzt und hat sonst seinen festen Reiter, der ihm an den anderen Tagen Abwechslung durch Dressurreiten, Gelände oder Bodenarbeit bietet. All das ist wichtig, damit ein Voltigierpferd gut ausgebildet ist und somit im Voltigieren gut laufen kann. Ein besser ausgebildetes und auch ausgeglicheneres Pferd kommt auch den Voltigierern zu Gute. In einem Reitverein werden die Voltigierpferde oft auch für Reitunterricht von Anfängern genutzt.

Halifax ist Euer wichtigstes Teammitglied – und gleichzeitig der einzige Mann in Eurer Runde? Was zeichnet ihn denn aus?

Faustmann: Ohne ihn könnten wir unsere Leidenschaft nicht ausüben. Wir hegen und pflegen ihn deshalb, wo es nur geht. Als einziger Mann hat er uns Mädels meist so richtig im Griff (lacht). Halifax besitzt alle Eigenschaften eines guten Voltigierpferdes: einen gutmütigen, ruhigen und geduldigen Charakter, eine gute Galoppade, die richtige Größe, ein gutes Nervenkostüm und genügend Platz auf dem Rücken.

Ist Voltigieren der typische Weg zum Hobby Reiten? Oder sind Reiten und Voltigieren zwei Paar ganz unterschiedliche Stiefel?

Faustmann: Voltigieren ist eine gute Vorbereitung aufs Reiten. Bei uns können Kinder schon ab vier Jahren voltigieren und dabei die wichtigsten Dinge rund ums Pferd kennen lernen: Putzen, Führen, Versorgen der Pferde... Außerdem bietet Voltigieren eine vielseitige Bewegungserfahrung und fördert soziale Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen, Vertrauen, Gemeinschaftssinn und Selbstständigkeit. Die Kinder erlernen zum einen den verantwortungsbewussten Umgang mit dem Partner Pferd und zum anderen werden körperliche und motorische Fertigkeiten – vor allem Haltung, Rhythmus, Gleichgewicht und Konzentration - geschult.

Ihr seid aktuell vier Ausbilderinnen. Aber noch auf der Suche nach ehrenamtlichen Trainern. Was müssen die mitbringen, damit sie gut bei Euch reinpassen. Und was könnt Ihr ihnen im Gegenzug versprechen?

Faustmann: Eine unserer Trainerinnen ist gerade in Elternzeit, weil sie im Oktober entbunden hat. Wir suchen jemanden, der Spaß hat, sich mit Kindern und Pferden in seiner Freizeit zu beschäftigen. Toll wäre, wenn derjenige schon Erfahrungen im Turnen, Voltigieren oder mit Pferden hat - aber das ist keine Voraussetzung. Wichtig wäre auf jeden Fall, dass die Person mindestens 18 Jahre alt ist. Wir sind ein sehr harmonisches Team, das mit Leidenschaft für Gänsehautmomente sorgt und dabei Kinder- als auch Elternaugen zum Strahlen bringt. Auch in den „älteren“ Teams herrscht ein enger Zusammenhalt, so dass der Sport einfach unendlich viel Freude bereitet. Die Wertschätzung, die uns Trainern von unseren Mitgliedern entgegen gebracht wird, ist für uns das größte Lob!

Es gibt drei Teams. Wie unterscheiden die sich?

Faustmann: Team I ist das Team im Leistungssport der Klasse L, welches sich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammensetzt, die häufiger auf Turniere gehen. Team II besteht aus Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 18 Jahren und startet im Breitensport auf Turniere im Galopp und Schritt. Unser Team III besteht aus unseren Anfängern und sehr kleinen Voltigierern ab 4 Jahren. Hier geht es um das spielerische Erlernen des Voltigierens, der Pferdepflege sowie um Akrobatik und Spiele rund ums Pferd.

Wer jetzt neugierig ist, kann gerne mal zum Schnuppern kommen?

Faustmann: Bei uns kann man vier Mal schnuppern, ohne dabei in den Verein eintreten zu müssen. Wer Interesse hat, kann sich gerne an uns wenden. Wir suchen noch erfahrene Voltigierer für unser Team I und auch für die Kinder- und Jugendgruppe sind noch Plätze zu vergeben. Jeder, der Interesse hat, ist herzlich willkommen!

Auf einen Blick

Wo und was? Die Außenstelle des Voltigervereins PSV Galopp & Fun (Hauptsitz: Leinach) trainiert im Kleinlangheimer Ortsteil Haidt. Dort ist sie im Zucht- und Pensionsstall Kleinhans zu Hause. Es gibt dort eine kleine Bewegungshalle, einen Dressurplatz, einen Springplatz, einen Longierzirkel und genügend Auslauf für alle Pferde das ganze Jahr über.

Wer? Aktuell zählt der Verein 54 Mitglieder, davon 31 Aktive. Vorsitzende ist Sonja Galz. Vier Ausbilder trainieren insgesamt drei Teams.

Wann? Pferdetraining/Hallentraining ist immer mittwochs von 17 bis 19.30 Uhr (Team I) und freitags von 15 bis 17 Uhr (Team II und Team III). Neue Voltis sind jederzeit willkommen - und auch interessierte Ausbilder dringend gesucht!

Mehr Infos gibt?s unter Tel. 0176/80567454 (Alexandra Faustmann) oder im Internet unter www.galopp-fun-aussenstelle.jimdo.com



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren