Schwarzach am Main
Workshop

Akim Aker gibt Hip-Hop-Kurse für Anfänger

Mal was anderes: Amelie, Finn, Daria und Co. waren mit Begeisterung dabei, als Deutschrapper Akim Aker sie in ihrer Schule besuchte. Der Fantasie beim Reimen waren keine Grenzen gesetzt.
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Ausgelassen und doch hochkonzentriert: In der kleinen Rap-Werkstatt der Volksschule Schwarzacher Becken sind Akim Aker und die kleinen Künstler voll bei der Sache.  Fotos: Peter Pfannes
Ausgelassen und doch hochkonzentriert: In der kleinen Rap-Werkstatt der Volksschule Schwarzacher Becken sind Akim Aker und die kleinen Künstler voll bei der Sache. Fotos: Peter Pfannes
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"Mit Spinat kannst Du mich jagen, da hab´ ich lieber Spagetti im Magen", schreibt Amelie auf ein Blatt Papier. "Reimen macht so viel Spaß", sagt die neunjährige Schülerin und füllt den Bogen auf ihrem Tisch begeistert mit einem Buntstift aus. Amelie hat sich beim Schulfest an der Volksschule Schwarzacher Becken einen besonderen Workshop ausgesucht: "Deutscher Sprechgesang" lautet das Motto der außergewöhnlichen Unterrichtseinheit, die am Samstagvormittag mehrere Kinder in ihren Bann gezogen hat.

Ziemlich außergewöhnlich ist diesmal auch der "Lehrer" im Klassenzimmer. Mit Akim Aker leitet ein waschechter Rapper aus der Region den Kurs für die Mädchen und Buben - mit poppiger Musik, fetzigen Rhythmen und natürlich jeder Menge ausgefallener Reime. Streng muss der Hip-Hop-Musiker in den eineinhalb Stunden nicht sein.
Schließlich sind ja alle kleinen Teilnehmer ganz freiwillig gekommen und mit ganzem Herzen bei der Sache.
Trommeln, Schellen und andere Percussion-Instrumente liegen zur Einstimmung auf den Workshop bereit. Ein Keyboard mit Rhythmuseinheit, ein Kofferverstärker und eine hoch motivierte Lehrkraft lassen erst gar keine Berührungsängste aufkommen. Schon bei den ersten Rhythmusübungen ist das Eis geschmolzen. Jeder fühlt sich irgendwie als Bandmitglied einer neu gegründeten kleinen Hip-Hop-Crew.


Musik als Lebensgefühl

"Musik ist ein Lebensgefühl und begleitet uns das gesamte Leben", sagt der 29-jährige Akim Aker, der mit seiner früheren Band H-Coast und später als Solist schon mehrere Rap-CDs aufgenommen hat. Bei so vielen Texten ist Fantasie gefragt, worauf die Kinder schon gespannt sind. Die Instrumente werden erst einmal beiseitegelegt. Die Finger schnalzen in die Höhe, als Akim ein Wort an die Tafel schreibt und seine Schützlinge nach Reimmöglichkeiten fragt. Zum "Dach" gesellen sich schnell Lach, Fach, ach, Krach, Schach.


Sprechgesang mit Botschaft

Den Ideenreichtum der Kids muss der Rap-Dozent fast bremsen. Schnell ist die Tafel vollgeschrieben. Akim teilt einen Lückentext auf Papier aus. Jetzt kann jeder New-Rapper selbst seinen eigenen Song konzipieren. "Sport ist mein Lieblingsfach, bei andern bin ich auch nicht schwach", ist Jan von sich überzeugt. Der Zehnjährige schwärmt vom Hip-Hop: "Das höre ich zuhause ganz gerne". Auch Finn (9) und Daria (9) sind begeistert: "Wir finden das total lustig und die Reime sind voll cool". Auch Amelie muss nicht lange nachdenken. Für sie steht fest: "Aufstehen jeden Tag ist das, was ich gar nicht mag."

Während der Nachwuchs reimt, was das Zeug hält, nickt Holger Wildauer zufrieden mit dem Kopf. Der Vorsitzende des Elternbeirats hat bei der Ausarbeitung des Workshop-Programms mitgewirkt und Rapper Akim dafür begeistern können. "Wir wollen den Kindern ein breites kulturelles Angebot unterbreiten und neben den typischen Bastelgeschichten einmal etwas anderes machen", erklärt er. Die moderne Variante von Musik sei so ins Gespräch gekommen. "Den Kindern macht das Rappen wahnsinnig Spaß. Die sind alle voll dabei", zieht Wildauer noch während des Workshops eine erfreuliche Bilanz. "Sprechgesang lebt vom Rhythmus und von den Reimen", sieht er eine gute Kombination beim Hip-Hop. Wenn dann die Reime noch einen Sinn ergeben und quasi "eine Message transportieren", dann hört sich der Elternbeiratsvorsitzende auch zuhause einmal ganz gerne deutschen Sprechgesang an. Das Miteinander von Lehrer Akim und seinen "Schülern" läuft für Wildauer perfekt. "Die Kinder sind wie gebannt." Einen kleinen Unterschied bei den teilnehmenden Mädchen und den Buben hat er festgestellt. "Die Mädchen mussten erst auftauen, die Jungs waren gleich bei der Sache."


Falsches Bild vom Hip-Hop

Für Akim Aker läuft das Hip-Hop-Projekt mit den Schulkindern perfekt. Es ist das erste Mal, dass er zusammen mit kleinen Rappern einen Song bastelt. "Oft herrscht ein falsches Bild vom Hip-Hop in unserer Gesellschaft", setzt er auf saubere Texte aus dem Leben. Überlegen muss er seine Reime nicht lange, sie sprudeln praktisch aus ihm heraus. In seinen Songs geht es um den ganz normalen Wahnsinn in unserem Leben und um die Gefühle, die in der Liebe, im Beruf und im Alltag auftreten. Die Kinder haben schnell gemerkt, dass der Rapper ein "Mensch wie Du und Ich" ist.

Die Zeit im Workshop vergeht wie im Flug, sie reicht fast nicht aus. "Die Kids haben gelacht und waren konzentriert zugleich, besser kann es nicht laufen", zieht Akim ein positives Fazit. Gut gefallen hat es auch Amelie. Zuhause will sie mit ihrer kleinen Schwester Nina jetzt selber Reime basteln. Und Mama und Papa müssen dazu auf den Töpfen mit dem Kochlöffel trommeln.


Akim Aker

Der aus Obervolkach stammende Rapper arbeitet zurzeit an seiner 4. Hip-Hop-CD, die im kommenden Frühjahr erscheinen soll. Einen Vorgeschmack auf die neue CD des 29-Jährigen Vollblutmusikers gibt es im Internet auf www.youtube.com. Einfach AKKA Kommentieren, Verbreiten und liken in das "Suchen"-Feld eingeben und sich das Musikvideo anschauen.

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