DETTELBACH

Agieren statt demonstrieren

Die Realschulen in Unterfranken reagieren mit einem Umwelttag auf die "Fridays For Future-Bewegung". Aktionen reichen vom Müll aufsammeln bis hin zum Selbstversuch: Eine Woche Plastik frei leben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mucksmäuschenstill war es in der Aula, als das Video einer Rede von Greta Thunberg eingespielt wurde. Foto: Fotos: Ralf Dieter
+4 Bilder

So gut riecht es selten in einem Schulhaus. Und so ruhig ist es auch äußerst selten, wenn sich 400 Schüler in einer Aula drängen. Der Umwelttag an der Dettelbacher Realschule machte es möglich.

Matti Eichelmann ist nicht nur Schülersprecher in Dettelbach, er ist auch stellvertretender Schülersprecher in Unterfranken. In dieser Funktion hat er vor ein paar Wochen zusammen mit seinen Mitstreitern mit dem Ministerialbeauftragten Karl-Heinz Lambrecht zusammen gesessen und über die „Fridays For Future“-Bewegung gesprochen. Ergebnis: Ein Umwelttag sollte an allen unterfränkischen Realschulen durchgeführt werden. Am letzten Schultag vor den Osterferien beschäftigten sich Realschüler von Aschaffenburg bis Schweinfurt mit dem Themenkomplex Klimawandel und Naturschutz. In Dettelbach fingen die Vorbereitungen auf diesen Tag schon vor rund zwei Wochen an. In der letzten Schulstunde wurden die einzelnen Projekte in der Aula vorgestellt. Etwa 400 Schüler und ihre Lehrkräfte hatten sich versammelt.

Nicht nur Freitagvormittag

„Das ist etwas Besonderes“, meinte Schulleiter Stefan Wolbert bei der Begrüßung. Dass sich die ganze Schulfamilie zum Austausch über ein drängendes Thema treffe, habe er in seiner Schulzeit so noch nicht erlebt. „Es ist gut, dass sich die Jugend wehrt, dass sie um ihre Zukunft kämpft“, sagt er und appellierte an die Zuhörer, diesen Enthusiasmus nicht nur auf die Demonstrationen am Freitagvormittag zu begrenzen.

An Ideen für ein ressourcenschonendes Miteinander mangelte es den Dettelbacher Realschülern nicht. Die 10c hatte ab der zweiten Stunde fleißig „ökologisch vertretbare“ Cookies gebacken. Etwa 400 wurden im Schulhaus auf Spendenbasis verkauft. Fast 200 Euro sind zusammengekommen. „Mit dem Geld wollen wir einen Baum im Schulgarten pflanzen und den Rest an den Bund Naturschutz spenden“, kündigte eine Sprecherin an.

Von den fünften bis zu den zehnten Klassen waren alle Schüler in die Vorbereitungen für den Umwelttag involviert. „Wir wollen zeigen, dass wir wahrhaftig ein Interesse an der Diskussion haben“, erklärte Matti Eichelmann. „Wir wollen nicht nur demonstrieren, sondern auch etwas tun.“ Das dürfte ganz im Sinne von Greta Thunberg sein, die die Bewegung „Fridays For Future“ im August des letzten Jahres mit ihrem freitäglichen Schulstreik in Gang setzte. Bei der Einblendung einer rund zehnminütigen Rede Thunbergs war es in der Aula Mucksmäuschenstill.

Eine Woche plastikfrei

Aufmerksam lauschten die Kinder und Jugendlichen auch der Neuntklässlerin Pauline Zöller, die seit einer Woche einen Selbstversuch als Plastikfasterin durchführt. Grundsätzlich komme sie ganz gut zurecht, kaufe bevorzugt auf dem Markt ein und bringe ihre Waren im mitgebrachten Rucksack nach Hause, berichtete sie. Problematisch sei vor allem der plastikfreie Kauf von Hygieneartikeln wie Duschgel oder Zahnpasta. Von den Kosten für diese Produkte ganz zu schweigen. Zehn Euro habe sie für eine plastikfreie Zahnpasta ausgegeben. Mit selbst bemalten Plakaten kam die 5c auf die Bühne. Die Schüler riefen dazu auf, weniger Fleisch zu essen, Strom zu sparen und öfter zu Fuß zu gehen, anstatt das Auto zu benutzen. „Wir können alle etwas tun“, lautete der Aufruf an die Mitschüler. Bunte Stoffbeutel hatten die Schüler der 5a genäht – als ökologische Alternative zur Plastiktüte beim Einkauf. Die 7c will den alten Schulgarten neu bepflanzen und sucht dafür Mitstreiter. Der Bereich soll besonders insektenfreundlich angelegt werden.

Kein Verweis für Demonstranten

Die Projektgruppe Klimawandel hat eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die die Gründe für den Klimawandel aufzeigt und mögliche Lösungswege darstellt. Außerdem hatten einige Schüler in der Dettelbacher Flur Müll aufgesammelt und andere Figuren aus Karton hergestellt, die den Verpackungswahn kritisieren. Pünktlich um 13 Uhr verabschiedete Schulleiter Wolbert die Schüler mit einem Versprechen in die Osterferien. Er werde Schülern, die während der Unterrichtszeiten an den „Fridays For Future“-Demonstrationen teilnehmen wollen, keinen Verweis erteilen. Allerdings müssten sie den versäumten Unterricht in Form einer Nacharbeit an einem Nachmittag nachholen.

Für Matti Eichelmann und seine Mitstreiter ist der Kampf für den Klimawandel mit dem unterfränkischen Umwelttag noch längst nicht erledigt. „Es wird so lange weitergehen, bis Veränderungen tatsächlich eintreten“, kündigte er an. „Worte alleine helfen nicht.“

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren