Kitzingen

Aggressives Abwerben?

Die Golfclub-Präsidenten aus Kitzingen und Mainsondheim erheben schwere Vorwürfe: Werden gezielt Mitglieder abgeworben? Beide glauben nicht mehr an einen Zufall.
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Sie halten sich gegenseitig die Stange. Die Club-Präsidenten Peter Siegel (Mainsondheim) und Jürgen T. Knauf (Kitzingen) arbeiten eng zusammen. Auf die Kollegen in Würzburg und die IHK sind sie schlecht zu sprechen.

An einen Zufall glauben die beiden Präsidenten nicht mehr. Zu viel ist ihrer Meinung nach zusammen gekommen. Dabei wollen beide doch in Frieden leben. Miteinander und mit den anderen Golfclubs in der Region.

Jürgen T. Knauf ist seit 2016 Präsident des Kitzinger Golfclubs, Peter Siegel hat dieses Amt im letzten Jahr im Golfclub Mainsondheim übernommen. Die beiden haben sich seither öfters getroffen. Sie haben eine Zusammenarbeit beschlossen. Wer 200 Euro zusätzlich zu seinem Jahresbeitrag zahlt, der darf auf beiden Geländen spielen. „Wir wollen unseren Mitgliedern etwas bieten“, sagt Knauf. Etwa 70 Spieler nehmen das zusätzliche Angebot an, es gab auch schon gemeinsame Turniere, zuletzt wurde der Preis der Stadt und des Landkreises Kitzingen an zwei Tagen ausgespielt. Samstag in Kitzingen, Sonntag in Mainsondheim.

Steigende Mitgliederzahlen

„Miteinander statt Gegeneinander.“ Das ist auch das Motto von Peter Siegel. Und das scheint sich positiv auszuwirken. Von leicht steigenden Mitgliederzahlen spricht er. Aktuell hat der Golfclub Mainsondheim rund 640 Mitglieder, legt moderat zu. In Kitzingen ist die Zahl in den letzten beiden Jahren sogar von rund 600 auf etwa 750 gestiegen. Jürgen T. Knauf spricht erfreut von einer massiven Steigerung. Alles könnte so schön sein – wenn es da nicht ein Störfeuer aus Würzburg gäbe. So empfinden es zumindest Siegel und Knauf.

Über das Portal „mygolf“ sind Mitglieder des Mainsondheimer und des Kitzinger Clubs angeschrieben worden, ganz gezielt. Auch Peter Siegel hat so eine Mail bekommen. Wortlaut: „Der Golf Club Würzburg, einzige „Leading Golf Clubs of Germany“ - Golfanlage in Unterfranken, startet im August eine besondere „Nachbarschafts-Aktion“. Gäste der Nachbarclubs können an Wochentagen (Montag bis Freitag) insgesamt dreimal für nur 35 Euro (50 Prozent des Normalpreises) pro Runde spielen.“

„Wildern in der Region“.

Was Knauf und Siegel ärgert: Die Aktion zielt offensichtlich nur auf die Clubs in der näheren Umgebung ab. Von einem „Wildern in der Region“ spricht Siegel, von einem „aggressiven Abwerben“. Jürgen T. Knauf nickt. Schon hätten Mitglieder ihre Kündigung bei ihm eingereicht oder angekündigt. „Wir haben relativ viele Spieler aus dem Raum Würzburg“, erklärt Knauf. Die hätten berichtet, dass sie nach der Proberunde in Würzburg gleich einen Aufnahmevertrag in die Hand gedrückt bekamen. Einige haben unterschrieben. Siegels Vorwurf: Die Würzburger haben ganz bewusst nur die zehn Clubs in der Region angeschrieben, um ihr Angebot zu unterbreiten. Dass die Adressdaten von „mygolf“ einfach so weitergegeben wurden, ist ihm auch schleierhaft.

Auf Anfrage dieser Redaktion versichert der Geschäftsführer der Golfplatz Würzburg GmbH, Bernhard May: „Wir verwenden nur Adressen, die uns freiwillig überlassen werden.“ Über die Aktion sei über die eigene Website, den monatlichen Newsletter, über mygolf.de und über Facebook informiert worden. Die Rahmenbedingungen dieser Freundschaftsaktion seien bewusst so gewählt worden, damit die Mitglieder des Golf Clubs Würzburg auf ihrem Golfplatz auch im August und September normal spielen konnten.

Unternehmerisch legitim

Vom Vorwurf eines „aggressiven Abwerbens“ distanziert sich May. „Die Mitglieder der Nachbarclubs kommen freiwillig zu uns auf die Golfanlage, um unser Angebot wahrzunehmen und uns zu testen“, teilt er mit. „Zu diesem Besuch melden sich die Gäste sogar an.“ Es sei unternehmerisch legitim, Kunden, die ein Produkt „testen“ wollen, dann auch ein Angebot zu machen – zumal es kein überraschendes oder eben bis zum Besuch verstecktes Angebot sei.

Peter Siegel und Jürgen T. Knauf wittern einen Komplott. Anfang September erscheint das monatliche Magazin der IHK Würzburg-Schweinfurt mit dem Aufmacher „Golf in der Region“. Eigentlich eine feine Sache, für den Golfsport zu werben. Allerdings finden die beiden in dem Artikel ein paar Fehler, die kein Zufall sein könnten. Ausführlich beschrieben werden die Clubs in Würzburg, Geiselwind und Maria Bildhausen. Nur bei letzterem steht explizit der Vermerk, dass der Club Mitglied der „Golfregion Franken“ ist. 17 Clubs sind darin zusammengeschlossen, die jeweiligen Mitglieder profitieren auf all den beteiligten Anlagen ebenfalls von Sonderkonditionen. Die Kitzinger und Mainsondheimer sind bei dieser Aktion mit dabei, was nicht erwähnt wird. Bei der Kurzbeschreibung des Kitzinger Clubs stimmt die Zahl des Platzstandards nicht und die Bezeichnung eingetragener Verein (e.V) ist weggelassen. „Nur bei unserem Verein“, wundert sich Knauf. „Dabei predigen wir hier das Vereinsleben.“ Außerdem werde in dem Artikel nicht erwähnt, dass der Kitzinger Platz ganzjährig bespielbar ist. Das sei laut IHK-Bericht in Würzburg der Fall. „Was definitiv falsch ist“, so Knauf.

Am meisten verwundert die beiden Präsidenten der Termin der Veröffentlichung. Der fällt mit der Werbeaktion des Würzburger Golfclubs zeitlich zusammen. An einen Zufall können Knauf und Siegel dabei nicht mehr glauben. „Im September ist die Golf-Saison so gut wie vorbei“, sagt Knauf. „Da macht so ein Bericht eigentlich überhaupt keinen Sinn“.

„Der Bericht sollte helfen“.

Radu Ferendino ist wie vor den Kopf gestoßen, als er mit diesen Vorwürfen konfrontiert wird. Schon vor einem Jahr hat der Pressesprecher und Bereichsleiter Kommunikation der IHK den Auftrag für den Artikel erteilt. Da wurde die Jahresplanung für 2018 erstellt. Das Golf-Thema wurde schon damals für den September eingeplant. Aus Gründen der Ausgewogenheit hat er extra drei verschiedene Clubs aus verschiedenen Regionen in den Fokus nehmen lassen. „Der Bericht sollte allen Golfclubs in der Region helfen“, sagt er. Er sollte zeigen, wie viel Spaß das Golf spielen in Mainfranken machen kann. Die kleineren redaktionellen Fehler bedauert er. „Die sind ganz sicher nicht bewusst gemacht worden.“

Aus Spaß ist mittlerweile Ernst geworden. Zumindest bei Peter Siegel und Jürgen T. Knauf. Sie wollen ihre Zusammenarbeit auch im nächsten Jahr fortsetzen und eventuell ausbauen. Eine Zusammenarbeit mit dem Würzburger Golfclub ist derzeit ausgeschlossen. Bernhard May sieht das genau so: „Eine solche Kooperation ist für uns aktuell nicht denkbar.“



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