Kitzingen
Gesundheit

Ärzte haben die Grippe im Griff

Die Grippewelle rollt und sorgt für ausgelastete Arztpraxen im Landkreis Kitzingen. Doch nicht jeder Schnupfen ist gleich eine Influenza. Und wer richtig vorbeugt, kann den Viren entgehen.
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Dr. Stefanie Held hält eine Pipette in den Händen. Für einen Grippe-Schnelltest verwendet sie üblicherweise ein Wattestäbchen. Schon nach 20 Minuten weiß sie, ob Influenzaviren im Spiel sind. Foto: Carmen Schmitt
Dr. Stefanie Held hält eine Pipette in den Händen. Für einen Grippe-Schnelltest verwendet sie üblicherweise ein Wattestäbchen. Schon nach 20 Minuten weiß sie, ob Influenzaviren im Spiel sind. Foto: Carmen Schmitt
Eine Versichertenkarte nach der nächsten wird über die Tresen der Arzthelferinnen gereicht. Die Menschen drängen sich in den Wartezimmern. Schniefen, Husten und Telefonklingeln dröhnt in den Arztpraxen der Stadt. Sie ist angekommen - die Grippe.

Doch Grippe ist nicht gleich Grippe: "Wir müssen dringend zwischen der echten Grippe und dem grippalen Infekt, der klassischen Erkältung, unterscheiden", sagt Dr. Joachim Stenzel. Er ist Chefarzt der Inneren Abteilung in der Main-Klinik in Ochsenfurt. Gerade wenn es um die Impfung geht, herrscht aber Verwirrung bei den Menschen. Denn geimpfte Personen können trotz Spritze eine Erkältung bekommen und verwechseln das dann oft mit der "richtigen" Grippe. Dabei wirkt die Influenza viel extremer auf den Körper. Die echte Grippe kommt plötzlich und heftig, "schlagartig, innerhalb weniger Stunden", sagt die Oberärztin Dr. Stefanie Held aus der Klinik Kitzinger Land.



Schnelltest verrät Viren

Durch einen Schnelltest weiß sie nach etwa 20 Minuten, ob die Influenzaviren zugeschlagen haben. Doch Infizierte sollten nicht in Panik verfallen: "Die Influenza muss nicht immer schwer verlaufen und ins Krankenhaus muss man damit auch nicht." Dieses Jahr wurden in der Kitzinger Klinik bisher zwölf Grippe-Patienten behandelt. Erwischt hat es überwiegend ältere Menschen. "Doch wir bekommen nur die Spitze des Eisberges mit", sagt die Ärztin. Die meisten Fälle landen bei den Hausärzten.

So wie bei der Kitzinger Allgemeinmedizinerin Dr. Gabriele Willius. In ihrer Praxis explodieren die Patientenzahlen derzeit. "Wir spüren die so genannte Grippewelle momentan massiv", sagt die Ärztin. In diesem Jahr hat sie mit ihrem Team bisher schon rund 200 Patienten mit Influenza- und Erkältungsviren versorgt.

Auch in der Kitzinger Praxis bei Kollege Dr. Wolfgang Dietrich ist zurzeit Einiges los. Was ihm auffällt ist, dass mehr Patienten mit einer Erkältung als sonst kommen. "Die ist in diesem Jahr besonders hartnäckig", sagt der Arzt.

Die Erreger der Influenza und der Erkältung sind zwar unterschiedlich, die Diagnose trotzdem oft nicht eindeutig. "Wir nutzen unsere Erfahrungswerte", sagt Joachim Stenzel. Die Behandlung ist dann wieder ähnlich. "Wir gehen die Symptome an, nicht die Ursache", sagt Gabriele Willius. Und das mit viel Ruhe, schmerzlindernden und fiebersenkenden Medikamenten und Schleimlöser.


Richtig vorsorgen

Wer erst gar nicht krank werden will, der sollte vorsorgen - wie René Kinstle. Er ist Heimleiter beim Diakonischen Werk in Kitzingen und wird vorsichtig in dieser Jahreszeit: "Wir achten gerade jetzt noch mehr auf Hygiene als sonst schon", sagt der Heimleiter. "Wir desinfizieren sehr stark, bieten extra Obst an und lassen keine großen Veranstaltungen stattfinden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren."

Bisher seien die Bewohner noch weitgehend verschont geblieben. Geimpft werden sie von den Hausärzten. Die Senioren zählen zur Risikogruppe, denen die Impfung empfohlen wird. Auch Schwangere, Menschen in medizinischen Berufen oder mit viel Kontakt zu anderen und Personen mit chronischen Erkrankungen sind eher anfällig für Infektionen.

"Die echte Grippe ist tatsächlich lebensbedrohlich für die Risikogruppe", sagt Joachim Stenzel. Deshalb sei die Impfung gerade für diese Menschen so wichtig. Bis der Impfstoff wirkt, dauert es zehn bis 14 Tage. "Der Risikogruppe kann man trotzdem empfehlen, sich jetzt noch impfen zu lassen", sagt Stefanie Held. "Außerdem sollte man das jährlich tun, weil sich die Viren stetig verändern." Die richtige Zeit dafür ist im Oktober und November.

Nach Erfahrung des Robert Koch Instituts dauert die Grippesaison etwa drei Monate. Das Husten und Schniefen bleibt uns also aller Wahrscheinlichkeit nach noch ein wenig erhalten.
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