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Achtung: Hitzschlaggefahr

Zwei- und Vierbeiner verbindet in diesen heißen Tagen mehr, als man denkt: Alle schwitzen. Und alle brauchen tagsüber mehr Wasser und weniger Futter.
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König der Katzen vom Volk der Chiller: Merlin aus Castell zeigt seinen Besitzern, Familie Gegner, was angesagt ist: Extrem-Couching im Kühlen. Foto: Foto: N. GEGNER
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Tierbesitzer wie Moni Schneider oder Ursel Seidel aus Castell haben eins gemeinsam: „Die Tropenhitze stresst uns.“ Gassigehen haben sie auf die ganz frühen Morgenstunden und den späten Abend verlegt. Trotzdem sind Pudel Paul, Mischling Emmy sowie die Labrador-Rüden Milo und Cooper froh, wenn sie sich daheim wieder auf die kühlen Fliesen legen können. Viele Haus- und Hoftier-Besitzer fragen sich derzeit, wie man seine Schützlinge am besten durch die heiße Zeit bringt. Antworten haben Fachleute wie Tierärztin Sandy Thomann und das Kitzinger Veterinäramt.

Dessen Sprecherin Corinna Petzold, Pressebeauftragte des Landratsamtes, nennt die wichtigsten Helfer: Schatten, Wasser und Wasserduschen, Lüftungsanlagen und Ventilatoren. Letztere sind auch wirkungsvoll, wenn Tiere von Stechinsekten geplagt werden – bei moderatem Wind können sich Bremsen und Co. weniger gut am Fell festsetzen.

„Während der Mittagshitze auf jeden Fall Siesta wie im Süden!“ Diesem Motto kann Tierärztin Sandy Thomann derzeit viel abgewinnen. Genau wie feuchter Abkühlung: „Die allermeisten Tiere – mit Ausnahme von Katzen – mögen gerne Wasserduschen. Damit beseitigt man verklebten Schweiß im Fell und verhindert, dass Stechmücken die Tiere anfallen.“ Wer seinen Lieblingen mit dem Gartenschlauch Abkühlung verschaffen möchte, fange am besten an den Beinen an zu spritzen und arbeite sich langsam hoch, rät Sandy Thomann.

Kaninchen und Kleintiere kann man natürlich nicht mit einem dicken Schlauch abspritzen. Doch auch sie leiden: „Als Höhlenbewohner vertragen sie hohe Temperaturen schlecht. Sie brauchen schon ab 25 Grad leichte Kühlung, ab 30 Grad ist die Hitzschlaggefahr sehr groß.“ Dagegen wirken gutes Lüften morgens und abends und ansonsten „Schotten dicht machen“. Direkte Sonneneinstrahlung gilt es unbedingt zu vermeiden. „Bei Löwenkopfkaninchen und langhaarigen Artgenossen kann man eventuell das Fell ein bisschen kürzen.“ Sinnvoll sei es auch, kühle Kacheln ins Gehege zu legen. „In Außengehegen feuchtet man das Gras mit Wasser an und besprüht auch den Sand damit.“

Man könne zudem neben dem Gehege feuchte Tücher aufhängen; die Verdunstung sorge für Abkühlung. „Kaninchen lieben es, wenn man angefeuchtete Handtücher über einen Korb legt. Da können sie schön drunterkrabbeln.“ Allerdings sollte man das nur bei Tieren tun, die nicht grundsätzlich alles anknabbern: „Sonst ersetzt man das Hitzeproblem nur durch Verdauungsprobleme.“

Wo die Wohlfühltemperatur endet

Große Tiere wie Kühe und Pferde vertragen die Hitze mit am schlechtesten, weiß die Fachfrau. „Die Wohlfühltemperatur von Pferden reicht von -7 bis +25 Grad.“ Steigt die Außentemperatur dauerhaft auf Werte über 25 Grad, schwitzen die Rösser sehr stark und bekommen leicht Hitzestress: „Es drohen dann Durchfall, Koliken und sogar ein Hitzschlag.“

Deshalb reitet Sandy Thomann aktuell nicht oder nur ganz gemäßigt aus: „Auf keinen Fall wird während der Mittagshitze trainiert. Die Anstrengung wäre bei den herrschenden Temperaturen einfach zu groß für die Tiere.“ Um ihnen das Leben erträglicher zu machen, sollte man die Weidezeiten anpassen, also die Pferde bevorzugt ganz früh, abends oder sogar nachts auf die Weide lassen – insbesondere, wenn sie tagsüber keine Schattenplätze zur Verfügung haben. Ein Unterstand oder Bäume als Schattenspender, zur Not auch ein Sonnensegel, seien natürlich sinnvoll.

„Wichtig ist Luftzirkulation, auch im Stall. Allerdings darf man die Tiere nicht der direkten Zugluft aussetzen.“ Reiter sollten ihren Lieblingen Elek-trolyte zu geben: „Salz- und Minerallecksteine sind besonders im Sommer unverzichtbar.“

Für alle Tiere, egal ob groß oder klein, sollten die Besitzer „immer frisches Wasser, am besten zwischen 15 bis 20 Grad, bereitstellen“. Je größer der Bottich, desto länger bleibt das Wasser darin vergleichsweise kühl. „Jedes Tier muss bei tropischer Hitze deutlich mehr trinken – das ist wie bei uns Menschen auch.“ Zwei und Vierbeiner verbindet außerdem, dass alle weniger energiereiche Nahrung brauchen, denn in der Hitze bewegen sie sich weniger.

Apropos bewegen: „Hunde können sich beim Gassigehen durchaus die Pfoten verbrennen. Das ist für sie sehr schmerzhaft“, sagt Nina Niedermeier vom Team der Wiesentheider Tierarzt-Praxis Waag. „Sobald der Boden sich heiß anfühlt, wenn man ihn einige Sekunden mit dem Handrücken berührt, sollte man seinem Hund nicht zumuten, dort zu laufen.“ Die besten Freunde des Menschen können ihre Körpertemperatur fast nur durchs Hecheln regulieren. Das heißt, sie brauchen einen kühlen Liegeplatz. „Wenn es den im Haus nicht gibt, kann man spezielle Kühlmatten kaufen.“ Nicht sinnvoll sei es dagegen, dem Hund dauerhaft ein nasses Handtuch um den Körper zu wickeln. „Das kühlt nur im ersten Moment. Danach staut sich die Wärme und das Tier leidet richtig.“ Dabei will man ja genau das vermeiden.

Kreative Hilfe für Haustiere

Wenn Kaninchen Kalli, Meerschweinchen Marry oder Katerchen Sniff sichtbar unter der Hitze leiden, hier ein Tipp der Tierarztpraxis Dr. Sonja Waag in Wiesentheid, wie man seinen Tieren auf clevere Art die Möglichkeit zum Abkühen gibt: Man nehme einen flache Schale oder einen großen Blumenuntersetzer aus Plastik und drehe diesen um, so dass ein Hohlraum entsteht. Diesen Hohlraum fülle man mit Kühlakkus. Dann lege man einfach ein Handtuch oben auf die Schale – und schon hat man eine Art Kühlinsel, auf der es sich der kleine Liebling gern bequem machen wird.
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