Marktsteft

Zwischen Umweltstation und Zauneidechse

Visionär ging es in der Marktstefter Stadtratssitzung zu: Städteplaner Thomas Buchholz stellte Pläne für die Neugestaltung des Geländes am Main vor.
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Über eine mögliche Umweltstation im Bereich des alten Hafens will sich der Marktstefter Stadtrat in einer Sondersitzung am Montag Planungen vorlegen lassen.

Visionär ging es in der Marktstefter Stadtratssitzung zu: Städteplaner Thomas Buchholz stellte Pläne für die Neugestaltung des Geländes am Main vor. Schwerpunkt war die sogenannte Umweltstation, ein Bildungszentrum für nachhaltige Entwicklung. Untergebracht im bereits bestehenden Hafengebäude sehen die Planer hier vor allem die Idee der Nachhaltigkeit perfekt umgesetzt.

Platz ist genug in den alten Gemäuern, um neben der Station auch noch Gastronomie, eine Radlerherberge, die Tourist-Info und eine Kulturscheune unterzubringen. Das Hafengelände sei das „Herzstück“ der Mainaue, von da aus soll der Rest entwickelt werden, so erklärte es Architekt Buchholz.

Thomas Buchholz hat ein Konzept aus dem Jahr 2000 für das Gelände als Grundlage genommen und weiter ausgearbeitet. Neben der Umweltstation sollen dann etwa eine Spielplatz und Planschbereich für Kinder locken, außerdem eine Ruhezone. Für die Aktiven ist ein „Erlebnisweg Mainufer“ geplant, zudem könnte der Mainradweg direkt am Ufer entlang geführt werden. Viele Ideen, die aber auch viel Geld kosten. Mehr als vier Millionen Euro kommen laut erster grober Schätzung zusammen.

Schritt für Schritt

Der Städteplaner machte den Räten allerdings Mut: Über Zuschusstöpfe des Landkreises und des bayerischen Städtebauförderungsprogramms lässt sich der Großteil der Summe finanzieren. Bürgermeister Thomas Reichert hat eine klare Meinung dazu: „Momentan packen wir das nicht. Aber in den nächsten 15 bis 20 Jahren. Das ist ein Blick in die Zukunft.“ Wichtig ist für ihn zunächst das Projekt Umweltstation. Er ermutigt die Räte, zuversichtlich an die Sache heranzugehen. Denn die sind zum Teil unsicher, ob angesichts der Konkurrenz im Landkreis der Versuch einer Bewerbung überhaupt gemacht werden soll. Marktsteft sei klein, „können wir überhaupt mit Iphofen oder Rödelsee mithalten?“, fragte Bernhard Etzelmüller. Solche Vergleiche scheut der Bürgermeister nicht: „Unsere Chance ist gerade, dass wir so klein sind“, meinte er. Und: „Ich glaube fest an das Projekt und möchte, dass wir das alle tun.“

Noch ist vieles bei der Planung Zukunftsmusik. Was von all den Ideen umgesetzt und vor allem wann, muss noch diskutiert werden. Die Weichen für ein Gesamtkonzept, in dem auch die Umweltstation ihren Platz hat, sind jedenfalls gestellt.

Geld für Sanierungen

Kurz angeschnitten wurde das kommunale Förderprogramm der Stadt. Hier schlug der Planer vor, die Fördersumme für private Bauherren von bisher 7700 Euro auf 20 000 zu erhöhen. Damit soll ein größerer Anreiz für die Sanierung von Fassaden und Hofeinfahrten geschaffen werden. Einen Teil der Summe kann sich die Stadt von der Regierung erstatten lassen. Außerdem muss laut Planer der Umgang mit der Gestaltungssatzung besser geregelt werden. Grundsätzlich appelliert er an Bauherren, sich immer im Vorfeld an ihn zu wenden, um Missverständnisse gleich auszuschließen. Eine Entscheidung hierzu wurde noch nicht getroffen.

Eidechsen müssten umziehen

Auch der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet in der Marktbreiter Straße war Thema. Ausführlich beschäftigten sich die Räte mit den Belangen öffentlicher Träger. Im Wesentlichen hatte dies zwei Änderungen zur Folge: Wegen des Überschwemmungsgebietes werden ein Teil der Grundstücke aus dem Bebauungsplan wieder herausgenommen, bleiben aber im Flächennutzungsplan. So erspart sich die Stadt ein aufwendiges Sondergenehmigungsverfahren. Wer auf den fraglichen Grundstücken dennoch bauen will, muss sich dies jeweils per Einzelfallentscheidung mit entsprechenden Auflagen genehmigen lassen. Außerdem muss vor allem anderen noch eine neue Heimat für die Zauneidechsen gefunden werden, die im geplanten Gebiet siedeln.

Landschaftsarchitekt Martin Beil erläuterte den Räten die Vorgehensweise: Viermal muss die Fläche begangen werden, ohne dabei Brutzeiten zu stören. Im Frühjahr und im Herbst dürfen die Tiere umgesetzt werden und direkt danach das Gebiet durch den Abtrag von Oberboden „unbewohnbar“ gemacht werden, sonst siedeln sich die Eidechsen womöglich wieder an. Die Zeit drängt also, wenn im nächsten Jahr die ersten Bagger rollen sollen.



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