Fahr

Zwetschgenernte: Volle Bäume, kleine Preise

Schon seit dem 20. Juni ist Klaus Blendel jeden Tag unterwegs, um die Zwetschgen von den Ästen zu holen. Rund zehn Tage früher als sonst ging es los.
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Obstbauer Klaus Blendel prüft die Zwetschgen auf seinem Acker.
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Die Bäume hängen voll. Schon seit dem 20. Juni ist Klaus Blendel jeden Tag unterwegs, um die blauen Früchte von den Ästen zu holen. Rund zehn Tage früher als sonst ging es los, so wie fast alles in diesem Jahr früher geerntet wird. Doch die kühlere Luft der vergangenen Tage hat den Vorsprung etwas kleiner werden lassen.

Das ist Klaus Blendel, der bei Fahr auf gut zehn Hektar Zwetschgen, Kirschen und Äpfel anbaut, nur recht. „So früh werden wir unser Obst gar nicht los“, sagt der 53-Jährige. Viele seien noch mit den Erdbeeren beschäftigt und wollten von Zwetschgen nichts wissen. Besonders die frühen Sorten wie Ruth Gerstetter und Herman müssten aber schnell verarbeitet werden.

500 Betriebe

Entlang der Mainschleife bei Volkach wird ein Großteil der fränkischen Zwetschgen angebaut. „Und in ganz Franken werden auf rund 500 Betrieben fast 90 Prozent der bayerischen Zwetschgen angebaut“, weiß Thomas Riehl, Experte für Obstbau vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen. Das milde Klima lässt die Früchte gut gedeihen. Doch es wird immer wärmer und der Regen fehlt. In Fahr ist es besonders trocken. „Es kommt häufig vor, dass es im Umkreis von fünf Kilometern regnet, aber bei uns bleibt es trocken“, berichtet Blendel.

Sonnenbrand möglich

Auch die Sonne scheint immer häufiger und lässt die Zwetschgen schnell reifen. Doch nicht nur das. „Manche Früchte bekommen eine Art Sonnenbrand, besonders die, die ganz oben ungeschützt in der Baumkrone hängen“, erzählt Blendel. „Man könnte fast schon überlegen, ob man nicht Orangen oder Aprikosen anbaut“, sagt er im Scherz. Ein Kollege aus der Region habe es schon einmal mit Kiwis probiert. „Gewachsen sind sie zwar, aber einen Markt dafür gibt es hier einfach nicht“, so der Obstexperte.

Frühe Sorten litten

Deshalb bleibt es wohl vorerst bei den fränkischen Obstsorten. Die Ernte der Frühsorten Ruth Gerstetter und Herman sind bei Blendel bereits durch, auch mit Katinka ist er fast fertig. Besonders die frühen Sorten haben unter der Trockenheit gelitten, die Früchte sind sehr klein. „Viele Zwetschgen der Sorte Katinka haben leider nicht das Mindestmaß von 28 Millimeter erreicht“, erzählt Blendel. Die könne man dann nicht verkaufen, auch wenn die aromatische Katinka grundsätzlich zu den kleineren Früchte gehört.

Ideal für Kuchen

In den nächsten Tagen beginnt die Ernte von Tegera. Die Nebensorte überbrückt die Zeit bis zu Cacaks Schöne, der Hauptsorte im Anbaugebiet. Diese Zwetschgen sind groß, leicht zu ernten und einfach zu entsteinen – ideal also für alle Kuchenbäcker. Die sollten auch nicht mehr lange warten, bis sie loslegen. Denn Schluss mit der Ernte wird in diesem Jahr wohl schon Ende August sein, schätzt Blendel.

Keine Wünsche offen

Mengenmäßig lässt die Ernte in diesem Jahr keine Wünsche übrig. Durch das große Angebot sind jedoch die Preise im Keller. Zwischen 50 und 60 Cent bekommt Blendel aktuell für ein Kilo. Im letzten Jahr lag der Preis bei rund einem Euro. In vielen Gegenden gab es Frost, die Mainschleife blieb jedoch größtenteils verschont. „Da konnten wir natürlich bessere Preise erzielen als in diesem Jahr“, sagt Blendel.

Für die kommenden Wochen wünschen sich die Zwetschgenbauern kühleres Wetter. „Zumindest unter 30 Grad wäre gut, damit sich der Wachstumsvorsprung noch etwas verkleinert“, wünscht sich Blendel. Dann gäbe es vielleicht doch noch Hoffnung auf Zwetschgenkuchen im September.



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