Kitzingen

Zweifelhafte Beleidigung: Nazi-Fazi oder nasser Fuzzi?

Aus dem Gericht: Ein Hilfeempfänger beleidigt und nötigt einen Sachbearbeiter des Landratsamtes. Dieser wehrt sich dagegen und erstattet Anzeige.
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Ein Richter hält das Strafgesetzbuch (StGB) in der Hand. (Symbolbild) Foto: Oliver Berg/dpa

An dem Urteil wird der Mann zu knabbern haben. Das Amtsgericht in Kitzingen hat einen Sozialhilfeempfänger wegen Beleidigung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 1275 Euro (85 Tagessätze zu 15 Uhr) verurteilt. Der 51-Jährige hat den für seine Grundsicherung zuständigen Beamten am Landratsamt in Kitzingen zunächst am Telefon beleidigt und dann in einer E-Mail noch einmal nachgelegt.

"Sie haben eine Neigung, sich nicht so höflich auszudrücken, wie es sich gehört", stellte die Richterin in der Verhandlung fest. Sie bezog sich dabei auch auf das ziemlich üppige Vorstrafenregister des Mannes, der derzeit von knapp 400 Euro Grundsicherung lebt. Auslöser für den aktuellen Fall war ein defekter Wasserboiler in der auch vom Amt bezahlten Wohnung des Angeklagten. Als ihm sein Sachbearbeiter deutlich machte, dass das wohl eher Sache des Vermieters sei und nicht durch die Grundsicherung gedeckt wird, kam es in einem Telefonat zu einer ersten Beleidigung.

War es am Ende nur ein Hörfehler?

Wobei es schwierig wurde, aufzuklären, wie die sich genau angehört hat. In der Anklage stand etwas von "Nazi-Fazi", was der Angeklagte aber vehement bestritt. "Nasser Fuzzi" will er gesagt haben, von "Nazi" sei nie die Rede gewesen. Der damit gemeinte Beamte wollte als Zeuge nicht ausschließen, dass es am Ende doch der Fuzzi gewesen sein könnte und der Nazi ein Hörfehler war. "Der eine nuschelt, der andere hört schlecht" sagte das Gericht dazu. Der Nazi war nicht nachzuweisen, eine Beleidigung war der Fuzzi aber auch.

Bei der weiteren Beleidigung und der Nötigung war der Nachweis einfacher. Beides hatte das Gericht schriftlich, aus einer E-Mail, die der Mann dem Sachbearbeiter als Reaktion auf die Ablehnung der Reparatur geschickt hatte. Darin wurde der Beamte zunächst als "arrogant und menschenverachtend" bezeichnet. Dann kam die Empfehlung, sich auf den Kopf zu stellen, damit das Gehirn dahin rutschen könne, wo es hingehöre. Am Ende stand das, was ihm später als versuchte Nötigung ausgelegt wurde. Es war ein Hinweis, für den Fall, dass der Mann auf die Idee komme, die Grundsicherung zu kürzen: "Denken sie daran, dass man sich auch außerhalb des Gebäudes treffen kann."

Angeklagter steckt in der Privatinsolvenz

Das ließ sich der Sachbearbeiter nicht gefallen und zeigte den Mann an. Die Folge war ein Strafbefehl, gegen den der 51-Jährige Einspruch einlegte. Also traf man sich vor Gericht. Am Ende kam der Mann wegen der ungeklärten Nazi-Fazi- oder Nasser-Fuzzi-Frage  mit ein paar Tagessätzen weniger davon. An den 1275 Euro wird der auch noch in einer Privatinsolvenz steckende Mann dennoch schwer zu knabbern haben. Auch deshalb ließ er offen, ob er das Urteil annimmt, oder in Berufung oder Revision gehen wird.

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