Iphofen
Leichenfund

Familiendrama in Iphofen: Obduktion gibt Aufschluss über Todesursachen

In Iphofen im Kreis Kitzingen ist am Dienstagabend ein totes Ehepaar gefunden worden. Der Sohn der Opfer entdeckte die beiden Leichen.
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In Iphofen im Landkreis Kitzingen in Unterfranken wurden am Dienstagabend (14. Februar 2017) zwei Leichen entdeckt. Offenbar hat sich ein Familiendrama abgespielt. Foto: NEWS5 / Herse
In Iphofen im Landkreis Kitzingen in Unterfranken wurden am Dienstagabend (14. Februar 2017) zwei Leichen entdeckt. Offenbar hat sich ein Familiendrama abgespielt. Foto: NEWS5 / Herse
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In Unterfranken ist ein Ehepaar tot im eigenen Haus aufgefunden worden: In dem Einfamilienhaus in Iphofen (Landkreis Kitzingen) hat der volljährige Sohn am Dienstag gegen 19.20 Uhr die Leichen seiner Eltern entdeckt und die Polizei verständigt.

Die Spuren deuten darauf hin, dass es in dem Haus ausgerechnet am Valentinstag zu einem Gewaltverbrechen kam. Die Indizien deuten darauf hin, dass der 51 Jahre alte Ehemann erst seine Frau und dann sich selbst tötete. "Mutmaßlich handelt es sich um ein Familiendrama", sagte ein Polizeisprecher.


Obduktionsbericht: Todesursachen geklärt

Am Mittwoch wurden die beiden Leichen obduziert. Inzwischen steht fest, dass die Frau durch eine Stichverletzung ums Leben kam. Ihr Mann starb durch Strangulation. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurden die Leichname am Mittwoch in den Räumlichkeiten des Instituts für Rechtsmedizin in Würzburg obduziert. Nach den nun vorliegenden Obduktionsergebnissen war bei der Frau eine Stichverletzung todesursächlich. Der Mann verstarb durch Strangulation. Bei der mutmaßlichen Tatwaffe handelt es sich um ein Messer, welches am Tatort von den Kripobeamten sichergestellt worden war.

Gewaltverbrechen in Unterfranken: Sohn entdeckt die Leichen seiner Eltern

Nachbarn wurden am Dienstagabend erst durch ankommende Einsatzfahrzeuge von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei auf das Geschehen aufmerksam. In der Nacht zum Mittwoch wurde zunächst nur bestätigt, dass zwei Tote gefunden worden waren - nicht weit voneinander entfernt, aber an zwei unterschiedlichen Stellen im Haus. Die Polizei sperrte die Umgebung mit Trassierband ab. Spurensicherer in ihren weißen Overalls machten sich an die Arbeit. Später transportierte ein Bestatter die Leichen ab zur Rechtsmedizin nach Würzburg, wie es hieß. Dann begutachteten Kripobeamte den Tatort, die auf die Ermittlung von Tötungsdelikten spezialisiert sind.

Familiendrama in Iphofen: Polizei ermittelt wegen Tötungsdelikt

Bei den beiden Toten handelt es sich um einen dort wohnenden 51-Jährigen und seine 50-jährige Ehefrau. Dies bestätigten am Mittwochmorgen Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach und Pressesprecher Björn Schmitt vom Polizeipräsidium Unterfranken in einer gemeinsamen Presseerklärung: "Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts."

Iphofens Bürgermeister Josef Mend (Freie Wähler) sprach aus, was viele Iphöfer fühlten: Er sei "entsetzt und schockiert", erklärte er, als er von der Tat erfuhr. Die Polizei bestätigte am Mittwoch, dass bei der 50-jährigen Frau massive Verletzungen festgestellt wurden. Diese würden " auf Gewalteinwirkung hinweisen", sagte Polizeisprecher Schmitt. Ihr Ehemann wurde erhängt in einem Schuppen aufgefunden, der an das Wohnhaus angrenzt. Ob er seiner Frau die tödlichen Verletzungen zugefügt hatte, ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht dazu, ob eine Waffe gefunden wurde, mit der man der Frau die Verletzungen zugefügt haben könnte.

Totes Ehepaar im Landkreis Kitzingen: Hintergründe noch unklar

"Die Hintergründe, die zum Tod der beiden Menschen führten, sind Gegenstand weiterer Ermittlungen der Kripo in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft", hieß es lediglich.

Hanjo von Wietersheim, evangelischer Pfarrer von Iphofen und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung im Landkreis Kitzingen (PSNV), gehörte zu den sechs Notfallseelsorgern, die in Iphofen im Einsatz waren, um Betroffenen zu helfen. Ein Team-Mitglied musste beispielsweise mit der Polizei weiteren Verwandten die Todesnachricht überbringen. Dabei gehe es "vor Ort darum, das akute psychische Leid, aber auch das körperliche zu lindern." Man habe mit Angehörigen gesprochen, "wie es jetzt erst mal weitergehen könnte. Vor allem ist es aber unsere Aufgabe, das Leiden einfach mit auszuhalten."

Die Notfallseelsorger sind derzeit häufig gefragt: "Die Heftigkeit und Brutalität einiger Einsätze der vergangenen Monate ist bestürzend - etwa beim Axtattentat in Würzburg, beim erweiterten Suizid in Markt Einersheim und jetzt in Iphofen."

Der größte Anteil der Tötungsdelikte ist das Ergebnis von Beziehungskonflikten - und die Chance, sie aufzuklären, ist hoch. Laut Statistik des Bundeskriminalamtes klärten Kriminalisten 2015 (jüngere Zahlen sind nicht verfügbar) bundesweit 615 versuchte und vollendete Morde bei 649 neuen Fällen (94,8 Prozent).

In Unterfranken sank die Zahl der Straftaten gegen das Leben 2016 gegenüber dem Vorjahr von 59 auf 54 Fälle. Die Aufklärungsquote betrug 96,3 Prozent, darunter sind alle Fälle von Mord und Totschlag. Lediglich bei den fahrlässigen Tötungen sind noch zwei Fälle ungeklärt.

jgö/dvd/ak/Manfred Schweidler/Diana Fuchs

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