Marktsteft
Oldtimer

Zwar alt, dafür aber erprobt

"Schnauferl" aus dem vergangenen Jahrhundert trafen sich am Samstag zu einer Oldtimerausfahrt. Sehen und gesehen werden, hieß es da. Und dennoch war auch Können gefragt. Bei Geschicklichkeitsübungen gaben die Besitzer Vollgas.
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Sie haben schon zig Jahrzehnte auf dem Buckel, geben aber - den Besitzern sei Dank - dennoch noch eine gute Figur ab. Und von Ruhestand ist auch längst nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil. Bei der 14. ADAC-Kesselring-Oldtimer-Ausfahrt wurden die "Schnauferl" aus dem vergangenen Jahrhundert durchaus gefordert. Drei Prüfungen standen auf der Strecke an.

Pünktlich um 7 Uhr starteten am Samstag am Gelände der Firma Iglhaut in Marktbreit rund 130 Oldtimer - darunter ein Drittel Motorräder. Die 110 Kilometer lange Strecke führte von Marktbreit durch den Steigerwald nach Marktsteft, wo um 18 Uhr die Siegerehrung in der Mehrzweckhalle stattfand. Der Vorsitzende des federführenden AMC (Automobilclub Kitzingen), Walter Loschky, zeichnete dort feierlich die besten Fahrer des Tages aus.

Auf der Strecke mussten die Fahrer zeigen, was in ihnen und in ihrem Auto steckt. Zum Beispiel musste schon beim Start jeder Teilnehmer sein Fahrzeug in der vom Hersteller vorgeschriebenen Weise in Gang setzen und dann eine Strecke von 20 Metern innerhalb einer Minute mit eigener Kraft durchfahren. Bei Nichterfüllung einer von insgesamt sechs Aufgaben an verschiedenen Haltestationen gab es Strafpunkte. Auf dem Gelände des Schirmherrn, der Firma Kesselring in Marktsteft, galt es zum Beispiel mit korrektem Seitenabstand zu einem Messpunkt zu fahren.

Einer, der jedes Jahr mit Begeisterung dabei ist, war der Gnodstadter Winfried Heinkel mit seinem Heinkel "Kabinenroller" aus dem Jahr 1957.
"Von der Heinkel Kabine 150 wurden 6438 Stück gebaut, heute sind noch sieben in Flensburg gemeldet. Der Neupreis war umgerechnet 1406 Euro, heute ist das Fahrzeug schätzungsweise 16 000 Euro wert", erzählte der stolze Besitzer des hellblauen Zweisitzers. Der Einzylinder-Otto-Viertaktmotor mit 172 Kubikzentimetern Hubraum bringe 9,2 Pferdestärken und verbrauche drei bis vier Liter Benzin auf 100 Kilometer. "Heute sind nur noch zwei Passagiere zugelassen, damals durfte auch die kleine Rückbank besetzt werden", so Heinkel weiter.

13 Jahre lang restauriert


Eines der ältesten Autos diesmal war ein BMW-Cabrio-DIXI-DA 2, Baujahr 1930, gesteuert von Christoph Reible aus Randersacker. Der ehemalige TÜV-Mitarbeiter brachte sein ganzes Können in die Restaurierung seines Wagens ein. 13 Jahre hat diese gedauert. "Alles original restauriert, nur die Karosserie habe ich komplett aus Aluminium neu aufgebaut," erzählte Reible - nicht minder stolz als Heinkel. "Das war das erste Auto, das BMW nach dem Kauf der Dixi-Werke in Eisenach produzierte", erläuterte er weiter und wies noch auf ein interessantes Detail hin: Das schwarze abnehmbare Kunststoffdach stammt aus den 50er Jahren und war ursprünglich aus Leder gefertigt. Die Maschine des knallrot lackierten BMW Cabrio bringt 15 PS aus einem 748 Kubikzentimeter Vierzylinder-Reihenmotor.

Für Aufsehen sorgten auch wieder Straßenkreuzer aus den 50er Jahren, die teils direkt aus Amerika stammten, wie beispielsweise ein Chevrolet Bel Air, Baujahr 1956. Der stolze Besitzer des Grünen Bel Air reiste aus Nürnberg zur Ausfahrt an und erläuterte die Details seines Schmuckstücks: "Von diesem Modell wurden 42 000 Stück gebaut, 22 gingen nach Europa." Die 4,4 Liter Hubraum wollen allerdings auch mit rund 18 Litern Benzin gefüttert werden und zeugen von einer Zeit, als Benzin noch erschwinglich war. Aus derselben Zeit war auch das Deutsche Gegenstück des Chevrolet - ein schwarzer Opel Kapitän, der in der Sonne glänzte wie zu seiner Hochzeit vor über einem halben Jahrhundert.

Die Motorradfans kamen ebenfalls voll auf ihre Kosten: Die älteste Maschine war diesmal eine Ardi CC-Touren mit 500 Kubikzentimetern Hubraum, Baujahr 1927. Mit Geknatter rollten die NSU-, BWW- oder Adler-Motorräder über den Asphalt und erinnerten an eine Zeit, als man die Motorradausfahrten noch gemütlich ohne Hochgeschwindigkeitsrennkleidung genoss. Die meisten Piloten trugen ihr klassisches Lederzeug von anno dazumal, das frisch gewichst wie die Maschinen in der Stefter Mittagssonne glänzte.
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