Kitzingen

Zum Schulstart: Mehr ABC-Schützen im Landkreis Kitzingen

Im Interview erklärt Schulamtsleiter Kurt Krause, wie es um den Lehrerbedarf an Grund- und Mittelschulen bestellt ist. Und wie Schüler Alltagskompetenzen lernen.
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So langsam dürfen Schüler ihre Ranzen packen: Am 10. September startet das Schuljahr 2019/20. (Symbolbild) Foto: Armin Weigel, dpa
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"Wir sind auch heuer wieder zuversichtlich, dass am ersten Tag die Schule beginnt", zitiert Kurt Krause halb im Scherz einen alten Schulrat. Seit drei Jahren leitet der 63-Jährige das Schulamt in Kitzingen. Kurz bevor für die Schüler am 10. September das neue Schuljahr und damit wieder der Ernst des Lebens beginnt, berichtet er von wachsenden Grundschülerzahlen und Lehrern, denen es im Landkreis Kitzingen gut gefällt.

Frage: Für das Schuljahr 2019/20 konnten Eltern von Kindern, die zwischen 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, erstmals entscheiden, ob sie ihre Kinder in diesem oder erst kommendes Jahr einschulen. Wie hat sich dieser sogenannte Einschulungskorridor ausgewirkt?

Kurt Krause: Bisher hat der Schulleiter in letzter Instanz über die Aufnahme in die Schule entschieden. Jetzt entscheiden die Eltern. Dadurch hat sich die Rückstellungsquote bei uns für diese Altersgruppe mehr als verdoppelt.

Wohin geht der Trend bei den Schülerzahlen?

Krause: Bereinigt haben wir in Grund- und Mittelschulen einen Zugewinn von 20 bis 30 Schülern. In den Mittelschulen haben wir jetzt die schwachen Geburtsjahrgänge und in den Grundschulen stärkere Jahrgänge und entsprechend einen Zuwachs bei den Einschulungen, mit kleinen Unterschieden zischen den Schulstandorten. (Zahlen siehe Infobox)

Wie hat sich die Zahl der Lehrer im Vergleich zum vorherigen Schuljahr entwickelt? 

Krause: Das ist schwer zu sagen. Es sind um die 40 Lehrer, die gehen oder kommen, mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen. Das ist ähnlich wie in den Jahren zuvor.

Sind das alles ausgebildete Grund- oder Mittelschulpädagogen?

Krause: Ja, bis auf Ausnahme der Lehrer, die aus Sondermaßnahmen kommen. Das sind fertig ausgebildete Realschul- oder Gymnasiallehrer, die quasi umschulen. Das sind nicht viele: eine Lehrerstelle an einer Grundschule und zwei Stellen an Mittelschulen.

Hat sich die Zahl der Lehrer in der mobilen Reserve verändert? 

Krause: Im Prinzip nicht. Eine genaue Zahl kann man da schlecht sagen. Wir haben da zum Beispiel Schwangere, die plötzlich ausfallen, oder es kommt jemand aus Elternzeit zurück. 

In Zahlen ausgedrückt: Um wie viele Lehrer geht es da?

Krause: Das wird nach Stunden angegeben. Und das sind um die 500 für Mittelschul-, Grundschul- und Fachlehrer. Da sind welche dabei, die haben acht Wochenstunden, andere haben 28. Entsprechend müssen wir schauen, dass ich mit der mobilen Reserve die Lücken durch Ausfälle von Lehrern abdecke.

Hat sich die Zahl der Schulstandorte verändert?

Krause: Nein. Wir haben weiter acht Mittelschulen und 18 Grundschulen.

Deckt die Zahl, der Lehrer, die Sie haben, den Bedarf? 

Krause: Das ist immer relativ. Von dem, was wir an Lehrerstunden zugewiesen bekommen, sind wir gut versorgt. Wir haben den Vorteil, dass wir hier in Kitzingen sehr viele Bewerber haben.

Woran liegt das?

Krause: Scherzhaft gesagt am guten Wein. Aber ernsthaft: Kitzingen ist ein sehr angenehmer Landkreis. Die Menschen leben hier gerne. Es gibt Zuzug, mit vielen jungen Familien. Viele der jungen Lehrer stammen aus der Region.

Sie würden aber zusätzliche Lehrer trotzdem nehmen?

Krause: Natürlich. Aber die Frage dahinter ist letztendlich doch die: Wie viele Lehrer möchte eine Gesellschaft bezahlen? Daher gibt es Limits. Mehr Lehrer erhalten wir nicht zugewiesen. Wenn, wie in der Politik immer wieder gefordert, die Lehrerstellen aufgestockt würden, wären wir die Ersten die "Juhu" schreien.

Stichwort "jahrgangsgemischte Klassen": Wird daran festgehalten, obwohl es wieder mehr Schüler gibt?

Krause: Dieses Konzept ist nicht entstanden, um zu kleine Klassen zu kompensieren. Das ist ein pädagogisches Konzept. Was wir nicht wollten, ist, dass Schulen im Angebot ständig wechseln. Es ist auch kein Modell, um Lehrer einzusparen, manchmal erfordert es auch mehr Lehrerstunden. Das Modell der sogenannten Flexschulen hat das weitergeführt. Diese ermöglichen es Schülern, die ersten beiden Jahre in einem Jahr zu machen, oder in drei Jahren.

Weshalb werden Arbeitsgemeinschaften (AG) wie Schulgarten oder Theater an Grundschulen kaum noch angeboten?

Krause: Der Grund liegt darin, dass die Klassenstärken kleiner geworden sind. Die Schulen müssen so schauen, wie sie eine AG organisieren können.

An zu wenigen Lehrern liegt es also nicht?

Krause: Was ich immer wieder höre, ist, dass wir in Bayern mehr Lehrer haben als früher. Nur durch kleinere Klassen usw. wird dies wieder aufgehoben. Die Unterrichtssituation ist vielerorts schwieriger geworden, daher würden uns mehr Lehrer gut tun. In die Lehrerausbildung sollte weiter investiert werden.

Der Lehrplan fordert von Lehrern, den Schülern Alltagskompetenz, etwa in der Gesundheitsvorsorge und im Verbraucherverhalten, zu vermitteln – zusätzlich zum Stoff der Hauptfächer. Wie funktioniert dieser Spagat?

Krause: Die Schulen sollen ja immer das reparieren, was in der Gesellschaft als Defizit festgestellt wird. In den Schulen unterrichten Lehrer nach dem Lehrplan, und damit sind die geforderten Kompetenzen abgedeckt. Hervorzuheben sind hier die Mittelschulen, die in den praktischen Fächern sehr viel Alltagskompetenzen vermitteln. Und dann gibt es etwa noch die Schülerfirmen, die den Schülern in ihren Kompetenzen helfen, ebenso die Praktika in Betrieben.

Die Ausgangssituationen der Schüler werden immer unterschiedlicher. Wie fängt die Schule das auf? 

Krause: Es bleibt oft die Aufgabe der Lehrer, die Schüler über Differenzierungen zu unterstützen. Das zeichnet Grund- und Mittelschullehrer aus, dass sie Klassenlehrer und nicht nur für wenige bestimmte Fächer zuständig sind.

Braucht es hier nicht mehr Schulbegleiter?

Krause: Es ist die Sache der Eltern, einen Schulbegleiter zum Beispiel beim Bezirk zu beantragen, vor allem im inklusiven Bereich. Der ist dann dafür da, Defizite der Kinder zu kompensieren. Die Schulen beraten die Eltern dahingehend. Es haben sich bei mir noch keine Eltern beschwert, dass sie keinen Schulbegleiter bekommen haben.

Grund- und Mittelschulen: Zahlen & Fakten zum neuen Schuljahr
Schulanfänger: Erwartet werden 781 Erstklässler in 29 Klassen (Vorjahr: 723 in 28 Klassen).
Grundschulen im Landkreis Kitzingen: 2989 Schüler besuchen 145 Klassen (davon zwei Deutschklassen mit hoher Priorität zum Erlernen von Deutsch und zwölf Jahrgangsgemischte Klassen in sechs Flexiblen Grundschulen). Im Vorjahr waren es 2928 Schüler in 143 Klassen.
Mittelschulen im Landkreis Kitzingen: 1238 Schüler in 64 Klassen (darunter elf M-Klassen, die zur Mittleren Reife führen, davon fünf M 10, zwei Deutschklassen und eine Praxis-Klasse). Im Vorjahr waren es 1299 Schüler in 68 Klassen.
Die Schülerzahlen beruhen auf Angaben der Schulen vor Beginn der Sommerferien.
Schulen mit gebundenem Ganztagsangebot: Rudolf-von-Scherenberg-Grund- und Mittelschule Dettelbach, Grundschule und Mittelschule Kitzingen Siedlung, Dr.-Karlheinz-Spielmann-Mittelschule Iphofen und Nikolaus-Fey-Mittelschule Wiesentheid.
Schulen mit offenem Ganztagsangebot: Grund- und Mittelschule Buchbrunn, Drei-Franken-Grundschule Geiselwind, Grundschule Mainbernheim, Dr.-Karlheinz-Spielmann-Mittelschule Iphofen, Nikolaus-Fey-Grundschule Wiesentheid, Mittelschule Volkach und D.-Paul-Eber-Mittelschule Kitzingen.
Schulen mit Mittagsbetreuung: Rudolf-von-Scherenberg-Grundschule Dettelbach, Dr.-Karlheinz-Spielmann-Grundschule Iphofen, St.-Hedwig-Grundschule Kitzingen, Grundschule Kitzingen Siedlung, Grundschule Kleinlangheim, Grundschule Maindreieck Marktbreit, Mittelschule Marktbreit, Grundschule Hellmitzheimer Bucht Markt Einersheim und Grundschule Schwarzacher Becken Schwarzach.
Schulen mit inklusiven Profil: Grund- und Mittelschule Buchbrunn, St.-Hedwig-Grundschule Kitzingen und Grundschule Kitzingen Siedlung. Inklusive Beschulung ist aber auch an allen weiteren Schulen möglich, wenn Eltern dies wünschen. (Quelle: Schulamt Kitzingen.)
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