KITZINGEN

Zum Reinbeißen gut

150 kugelrunde, rote Nasen ziehen die Blicke auf sich. Erst recht, wenn sie durch Kitzingen laufen und sich immer wieder vor Lachen schütteln. Manch ein Einheimischer hat sich gestern über die seltsamen Besucher gewundert. Und dann einfach mitgekichert. Den beiden Reiseleitern sei Dank.
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Lustig und lecker: Mit Bernhard Ottinger und Martin Rassau schmeckt der Stadtrundgang hervorragend. Am Falterturm taten die beiden Reiseleiter ihre ganz eigene Version der Geschichte kund, wie der Falterturm zu seiner schiefen Haube kam. Foto: Foto: Diana Fuchs
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150 kugelrunde, rote Nasen ziehen die Blicke auf sich. Erst recht, wenn sie durch Kitzingen laufen und sich immer wieder vor Lachen schütteln. Manch ein Einheimischer hat sich gestern über die seltsamen Besucher gewundert. Und dann einfach mitgekichert. Den beiden Reiseleitern sei Dank.

Mit Martin Rassau („Waltraud und Mariechen“) und Bernhard Ottinger („Advent, Advent – ka Lichtla brennt“) betätigten sich fränkische Kult-Komödianten als Kitzinger Stadtführer. Wie sie dazu kamen? Die Veranstaltungsgesellschaft „Fastnacht in Franken“ des Fastnachtsverbandes bietet jedes Jahr eine dreitägige „Komödienfahrt“ an. Viele Menschen sind so heiß darauf, dass die Nachfrage die vorhandenen Plätze stets übersteigt, berichtet Organisatorin Susanne Kleym. 150 Gäste aus ganz Deutschland, darunter zahlreiche Fans der „Comödie Fürth“, starteten nun am Mittwochabend mit einer fränkischen Weinprobe im staatlichen Hofkeller Würzburg. Gestern war „die Entdeckung Kitzingens“ an der Reihe. Und in der Hauptstadt des deutschen Faschings – oder zumindest am Sitz des Deutschen Fastnacht-Museums – ist natürlich keine stinknormale Stadtführung angebracht.

Der Turm verneigt sich

Am Narreneck reckten alle die Hälse: Die schiefe Haube des Falterturms blieb nicht unentdeckt. „So ham viele von Ihnen gestern auch ausgeschaut, nach der Weinprobe“, spöttelte Bernhard Ottinger. Während die Faschingsfreunde sich frische Krapfen schmecken ließen, fügte Martin Rassau zu den zahlreichen Geschichten, die sich um die schräge Spitze ranken, eine neue Version hinzu: „Es war einmal eine besonders hübsche, wirklich jungfräuliche, äh, freundliche Braut. Vor ihr verneigte sich der Turm.“

Gruselschön interpretierte Rassau eine Legende, für deren Verbreitung US-Soldaten in früheren Jahrzehnten sorgten. Am so genannten Dracula-Grab im Alten Friedhof gebe es eine hängende Kugel, in der sich ein Herz befinde. „Fällt das Herz genau mitten auf das Grab, ersteht Dracula wieder auf!“ Ottingers Einwurf, den Dracula habe er heute Früh schon gesehen, konterte Rassau mit einem Seitenhieb auf seinen „Waltraud und Mariechen“-Kollegen: „Jetzt mach' den Heißmann nicht so nieder.“

Was der Affe nie tät

Gerade solche Frotzeleien und augenzwinkernden Witze sorgten für wahre Lachsalven in der Altstadt. Bernhard Ottinger („Wenn man g'storben ist, merkt mer's selber nit, aber die anderen. Genauso isses, wenn man blöd ist“) und Martin Rassau warfen sich verbal geschickt die Bälle zu. Und als Rassau sich im wahrsten Sinn des Wortes zum Affen machte, indem er das Wort Affinität als „etwas, das der Affe nie tät“ erklärte, hätte die Stimmung nicht besser sein können.

Bestens gelaunt lauschten die Gäste später auch dem Kitzinger Hofrat Walter Vierrether. Gemeinsam mit mehreren Hoheiten seines Hofstaats brachte er ihnen das historische Kellerspiel näher und ließ beim Empfang in der Rathaushalle die Kandel kreisen. Dann ging's weiter ins neue Deutsche Fastnacht-Museum.

„Das Rahmenprogramm ist auch heuer wieder super“, stellte Ingrid Croner fest. Die Neustädterin und ihr Mann Wolfgang sind schon zum fünften Mal bei der Tour des Fastnachtsverbandes dabei. „Das Niveau ist einfach super und die Gemeinschaft toll“, schwärmen die beiden Oberfranken. Besonders spannend fanden sie die Dracula-Story, „weil wir uns bei der Generalprobe der ,Fastnacht in Franken'-Sitzung nämlich als Dracula verkleiden“. Wer also am Freitagabend im Bayerischen Fernsehen zwei Blutsauger sieht, der weiß, dass sie kurz vorher noch mit kugelrunden, roten Nasen Kitzingen erkundet haben.

Fastnacht in Franken

Wer wissen möchte, was die Kitzinger Besucher bei der Aufzeichnung der beliebten „Fastnacht in Franken“-Sendung gestern Abend erlebt haben, der sollte heute Abend um 19 Uhr das Bayerische Fernsehen einschalten. Wiederholt wird die Show am Samstag, 7. Februar, ab 20.15 Uhr und am Faschingsdienstag, 17. Februar, ab 11.45 Uhr.

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