RÜDENHAUSEN

Zum 57. Mal in Frack und Zylinder

Natürlich war Kurt Schneider wieder mit Frack und Zylinder dabei, als am Dienstag, dem letzten Tag der Rüdenhäuser Kirchweih, die Bürgerwehr los zog. Zum sage und schreibe 57. Mal streifte er sich den Gehrock über, marschierte mit und gab seinen Schuss auf die Scheibe ab. Er ist damit der „Rekordhalter“, der später im Schlosshof eine Auszeichnung bekam.
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In Reih und Glied: Die Rüdenhäuser Bürgerwehr zum Abschluss der Kirchweih. Der Brauch des Bürgerauszugs geht vermutlich auf das Jahr 1619 zurück. Foto: Fotos: ANDREAS STÖCKINGER
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Natürlich war Kurt Schneider wieder mit Frack und Zylinder dabei, als am Dienstag, dem letzten Tag der Rüdenhäuser Kirchweih, die Bürgerwehr los zog. Zum sage und schreibe 57. Mal streifte er sich den Gehrock über, marschierte mit und gab seinen Schuss auf die Scheibe ab.

Er ist damit der „Rekordhalter“, der später im Schlosshof eine Auszeichnung bekam. Erstmals wurden Medaillen von Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen an die Männer verliehen, die mehr als 30-mal am Rüdenhäuser Feiertag mitmachten.

Diesmal meldete Bürgerhauptmann Leonhard Neubert 73 Bürger beim Fürstenpaar, die zum Bürgerauszug angetreten waren. Darunter eben der 75-jährige Kurt Schneider. „Als gebürtiger Rüdenhäuser gehört das doch dazu! Ich habe mal gesagt, ich höre mit 75 auf.

Aber jetzt – solange man gesund ist und laufen kann, gehe ich mit“, sagt er. Die die Teilnahme am Auszug der schwarz befrackten Männer macht ihm also nach wie vor Spaß.

Nur einmal verpasste er seit 1956 den Auszug; Mitte der 70er Jahre muss das gewesen sein, erinnert er sich. „Da wurde die Kirchweih verschoben und fand eine Woche früher statt. Wir hatten Urlaub gebucht“, weiß er noch.

Kurt Schneider bekam die Tradition vom Elternhaus vermittelt. Von seinem Vater übernahm er einst das Amt des Trägers der Gemeindefahne; 31 Jahre trug er sie an der Kirchweih. Auch heute ziehen häufig die Söhne, teilweise sogar die Enkel, eines manchen älteren Rüdenhäusers aus. Nicht nur dem Standesherren gefällt dieses Traditionsbewusstsein. Die Wahrung der Tradition mache die Bürger zu Vorbildern für die Jüngeren, hob er in seiner kurzen Ansprache im Schlosshof hervor.

Von Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen stammte auch der Vorschlag, eine kleine Auszeichnung an die Männer zu verleihen, die schon lange bei der Bürgerwehr mitmachen. Sein Bruder, Graf Manto, durchforstete die Schusslisten, auf denen alljährlich jeder eingetragen ist, der seinen Schuss abgab. Bis ins Jahr 1951 reichen sie zurück. Teilweise sei es schwierig gewesen, die Handschrift manchen Schreibers zu entziffern. „In einigen Fällen war es wie ein Kreuzworträtsel“, sagte Manto Castell-Rüdenhausen. Er löste es aber und legte nun ein Computer-Programm an.

Diesmal wurden geehrt: Richard Klein, Udo Laxa, Hermann Wägelein, Manto Graf zu Castell-Rüdenhausen, Georg Mahr, Wolfgang Paul, Wilhelm Pfeiffer, Karl-Heinz Rebitzer, Norbert Bergmann, Karl und Rupert Graf zu Castell-Rüdenhausen, Klaus Klein, Kristian Steinberger, Gerhard und Erich Ackermann, Otto Spangler, Günter Meinl und Harald Winter.

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