KITZINGEN

Zu strenge Regeln für den Schutz der Altstadt?

Auf deutliche Kritik stößt die inzwischen vierte Auflage der Gestaltungssatzung für die Kitzinger Altstadt. Das Papier, das die baulichen Möglichkeiten innerhalb des historisch gewachsenen Dreiecks regeln soll, sei zu eng gefasst und nicht mehr zeitgemäß, sagten am Donnerstagabend etliche Stadträte im Finanzausschuss. Die Schelte war hier zwar deutlich, eine Ablehnung gab's allerdings nicht. Schließlich entscheidet über das Regelwerk der Stadtrat am 4. November.
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Große Kreisstadt Kitzingen
Große Kreisstadt Kitzingen Foto: Regina Krömer

Auf deutliche Kritik stößt die inzwischen vierte Auflage der Gestaltungssatzung für die Kitzinger Altstadt. Das Papier, das die baulichen Möglichkeiten innerhalb des historisch gewachsenen Dreiecks regeln soll, sei zu eng gefasst und nicht mehr zeitgemäß, sagten am Donnerstagabend etliche Stadträte im Finanzausschuss. Die Schelte war hier zwar deutlich, eine Ablehnung gab's allerdings nicht. Schließlich entscheidet über das Regelwerk der Stadtrat am 4. November.

Die Satzung war offenbar eine schwere Geburt. So gab es vor zwei Jahren eine intensive Vorberatung eines Entwurfs, danach aber absolute Funkstille. „Es gab zwischenzeitlich andere Prioritäten“, erklärte dazu Bauamtschef Oliver Graumann. Eine Panne passierte in jüngster Zeit. Ein Schreiben der SPD, die als einzige Fraktion eine Möglichkeit zur Stellungnahme zur aktuellen Vorlage nutzte, versackte auf dem Amtsweg.

Aufregung und Kreuzfeuer

Richtig erbost reagierte SPD-Fraktionschefin Astrid Glos auf die Behandlung eines erneuten Schreibens, das unbeantwortet blieb. Glos „Aufregung“ über die Null-Reaktion aus dem Bauamt stieß zwar bei Graumann nicht eben auf Verständnis, aber neben einer Entschuldigung sagte er der SPD eine schriftliche Antwort zu. Die werde aber nichts an den Festlegungen der Satzung ändern.

Letztere aber geriet in der Sitzung kräftig ins Kreuzfeuer. Besonders heftig ging KIK-Fraktionsvorsitzender Klaus Christof das Regelwerk an. „Sehr restriktiv und rückwärts gewandt“ sei es verfasst. Zu rigide werde Bauherren vorgeschrieben, welchen Putz und welche Farben sie beim Auffrischen ihrer Häuser zu verwenden hätten. Das Schlimmste aber sei das Verbot jeglicher Solaranlagen in der Altstadt, so Christof.

Gerade beim Installieren solcher Anlagen in Altstadtbereichen seien in anderen Kommunen erhebliche „Fehlentwicklungen“ zu beobachten, betonte Graumann. Eine zum historischen Umfeld passende „Dachlandschaft gehört auch zum Altstadtbild“.

„Wir stellen uns ein Bein, wenn ein Investor was Modernes anbietet“, erklärte CSU-Fraktionschef Andreas Moser mit Blick auf die eng gefassten Bestimmungen der Satzung. Die lasse keinen Raum für zeitgemäße Entwicklungen, wie sie beispielsweise für die Nachnutzung des Bürgerbräuareals angedacht seien: „Wir dürfen uns den Weg in die Zukunft nicht verbauen.“

Ausnahmen möglich

Um eine „geordnete städtebauliche Entwicklung“ der Altstadt zu sichern, sei die Gestaltungssatzung ein Muss, sagte Graumann: „Sie soll aber nicht Bauherrn in ihrem Bemühen um eine Sanierung behindern.“ Bürgermeister Stefan Güntner erinnerte daran, dass das Regelwerk durchaus Ausnahmen zulasse: Beispielsweise, wenn das Wohl der Allgemeinheit berührt sei oder wenn es besondere Härten für den Bauherren gebe.

Ein Streitpunkt in der Sache ist auch die Frage, wer über die Ausnahmen von der Regel entscheidet. laut Bauamtschef Graumann ist das Bauamt Herr des Verfahrens. Das wiederum stieß bei Klaus Christof, der immer mehr Ratskompetenzen in die Verwaltung abwandern sieht, auf Widerspruch. Bei Ablehnung von Vorhaben in der Altstadt, die nach Meinung der Verwaltung mit der Satzung kollidieren, müsse künftig der Stadtrat entscheiden. Ob das so sein wird, könnte der Stadtrat am 4. November beschließen.

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