KITZINGEN

Zitterpartie mit Drei-Gänge-Menü

Für die einen war es ein ganz normaler Mittwoch, andere waren im Prüfungsstress: Zehn von insgesamt 197 Auszubildenden der Gastronomie und Hotellerie mussten den Praxisteil ihrer Abschlussprüfung bestehen: ein Drei-Gänge-Menü vor großem Publikum.
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Kritischer Blick: Die Prüfer bewerten den Geschmack, die Sauberkeit am Arbeitsplatz und die Dokumentation der Arbeitsschritte. Foto: Fotos (3) S. Lother

Für die einen war es ein ganz normaler Mittwoch, andere waren im Prüfungsstress: Zehn von insgesamt 197 Auszubildenden der Gastronomie und Hotellerie mussten den Praxisteil ihrer Abschlussprüfung bestehen: ein Drei-Gänge-Menü vor großem Publikum.

In der staatlichen Berufsschule Kitzingen-Ochsenfurt ist das Lehrrestaurant gut besucht. Man steht beieinander, hält ein wenig Konversation nach allen Seiten. Zwischendurch werden Sekt und verschiedene Säfte gereicht. Wenn nicht einige Tabletts verdächtig zittern würden, man würde glauben, auf einem ganz normalen Empfang zu sein: Einige Prüflinge sind offensichtlich angespannt.

Bevor das Menü serviert wird, spricht Marc Boreatti von der Industrie- und Handelskammer (IHK) einige Zahlen an, die für viele Ausbildungsberufe zutreffen: „Die Zahlen der Lehrlinge im Landkreis Kitzingen sind alarmierend. Insbesondere, was die Gastronomie betrifft: Im Vergleich zum Jahr 2009 haben wir bei den Auszubildenden circa 30 Prozent weniger.“

Garnelen und Gemüse

Doch dieser Tag ist dem Können der zehn Absolventen gewidmet, denn jetzt wird das Menü serviert. Jeder Gast am Tisch bekommt eine andere Suppe serviert. Vorgegeben war jedoch, dass Garnelen, Gemüse und Sahne verwendet werden müssen. Als der Letzte seinen Löffel ablegt, sind alle Schälchen am Tisch leer, scheinbar hat die Suppe geschmeckt. Souverän trägt Bedienung Sandra, wie ein kurzer Blick auf ihr Namensschild zeigt, das Geschirr ab. Dass ihr dabei ein Löffel in die Schürze fällt, hat der Prüfer hinter ihr hoffentlich nicht bemerkt.

Anschließend werden große Tabletts hereingetragen. Es duftet nach deftigem Wild. Der Hauptgang unterscheidet sich jetzt nur noch Tischweise. Nach und nach wird Kaninchenrücken, Kaninchenkeule und Polenta mit Gemüse kunstvoll auf dem Teller drapiert. Beachtlich, wie Sandra Gabel und Löffel als Servierzange benutzt. Viele an den Tischen sind vom Hauptgericht begeistert, es gab Stimmen wie: „Ich dachte immer Polenta schmeckt nach nix, das schmeckt ja großartig“.

Gelegentlich driftet das Tischgespräch wieder in Richtung Fachkräftemangel ab. Der Prüfungsausschuss-Vorsitzende und Kochprüfer Marcus Hilpert erzählt von der Kooperation der Berufsschule mit einigen Mittelschulen aus dem Landkreis. Die Schüler der 8. und 9. Klassen bekommen ein sechswöchiges Schnupperpraktikum in der Gastronomie angeboten. „Dort können sie sich im Cocktail-Mixen und im Umgang mit extrem scharfen Profimessern ausprobieren.“ Das sei ein vielversprechender Ansatz, um künftig mehr junge Menschen für die Ausbildungsberufe zu begeistern, so Hilpert.

Die Nachspeise unterscheidet sich jetzt wieder für jeden am Tisch. Cantaloupe-Melone und Aprikosen waren die Vorgabe, alles andere blieb der Kreativität der Kochlehrlinge überlassen. Die ließen sich nicht lumpen: Melonensorbet, Aprikosenkompott, fruchtiges Pannacotta, Melonenschaum – das Obst war in jeder nur erdenklichen Form vertreten.

Arbeitsort Dubai

Noch einen Espresso für jeden, dann haben es die zehn Azubis geschafft. Aber ganz über den Berg sind sie noch nicht, noch sind die Punkte des Praxistests nicht zusammengezählt, noch heißt es bangen.

Während der Auszählung stellen sich die Zehn den Gästen vor und berichten, wo sie nach bestandener Ausbildung arbeiten möchten. Einige bleiben ihren Ausbildungsbetrieben treu, andere zieht es aus der Region. Einer hat besonders Großes vor: Sven Matterstock wird nach Dubai in ein großes Hotel gehen: „Das ist ja das Tolle am Beruf, dass man rumkommen kann und flexibel ist,“ erklärt er.

Als der offizielle Teil vorüber ist, fangen die Azubis an aufzuräumen. Immer noch steht nicht fest, ob alle die Praxisprüfung bestanden haben. Als der Raum nahezu leer ist, kommt Prüfungs-Chef Marcus Hilpert um die Ecke. Er vergewissert sich, dass kein Prüfling mehr im Raum ist, dann reißt er demonstrativ die Arme hoch und flüstert ganz leise: „Grünes Licht. Alle haben die praktische Prüfung bestanden“. Ein krönender Abschluss für ein gelungenes Menü.

 

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