MÖNCHSONDHEIM

Zigaretten für die Polizei

Das Mönchsondheimer Paar Kerstin Hüllmandel und Albert Knaus ist seit April in einer Reisegruppe mit dem Wohnmobil nach China unterwegs. In loser Folge berichten sie von dem 28 000-Kilometer-Abenteuer:
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Irgendwie wird's schon gehen: Links ein Bus, rechts ein Kamel – Abenteuer Kasachstan. Foto: Foto: Knaus

Das Mönchsondheimer Paar Kerstin Hüllmandel und Albert Knaus ist seit April in einer Reisegruppe mit dem Wohnmobil nach China unterwegs. In loser Folge berichten sie von dem 28 000-Kilometer-Abenteuer:

Kasachstan bedeutet vor allem eines: viel, viel Wüste. Das Tagesziel ist 278 Kilometer entfernt. In Deutschland lässt sich diese Etappe leicht in vier bis fünf Stunden fahren. Die Gruppe hatte in Russland hier und da über schlechte Straßen geklagt – das relativiert sich jetzt.

In dem Reisebericht liest sich das so: „Was wir hier auf einer sogenannten Straße nach Atyrau vorfinden, sprengt sämtliche Vorstellungsmöglichkeiten. Wir reden nicht von Schlaglöchern, von Spurrillen, von Abbruchkanten, von herumliegenden Eisenteilen, wir reden von einer Art Weg, der für Kettenfahrzeuge sicher kein Problem darstellt. Nach einer halben Stunde haben wir vier Kilometer hinter uns!“

Dröhnende Ohren

Noch 274 Kilometer. Die Ohren dröhnen von dem Gerumpel. Alle Schrauben kämpfen um ihr Überleben. Konzentration ist gefragt: Ständig den Rückspiegel wegen der links und rechts überholenden Fahrzeuge im Auge behalten, gleichzeitig die riesigen Schlaglöcher umfahren oder im Kriechgang hineinfahren. Schauen, dass kein Gegenverkehr kommt. Um 15.50 Uhr sind 20 Kilometer geschafft. An einem Reisemobil ist die Frontscheibe oben links herausgesprungen.

Danach wird es „besser“. Die Gruppe kann 30 Kilometer pro Stunde fahren. Aus Sicherheitsgründen bleibt man zusammen. Das Thermometer steigt auf angenehme 33 Grad. Viele Kamel- und riesige Pferdeherden begleiten den Tross. Wie die wohl an Wasser kommen? Und an Futter? Wo es doch scheinbar nichts außer Sand und Disteln gibt.

Auf guten Straßen geht es mit 80 dahin. Bis in die Stadt Dossor. Dann plötzlich: Aus dem Nichts tauchen drei Polizeiautos auf und keilen die Mönchsondheimer ein. Sechs Polizisten steigen aus: Sie haben ein Verkehrsschilderbuch und zeigen auf das Stoppschildbild.

Dem Paar schwant Böses. An einer großen, übersichtlichen T-Kreuzung stand ein Stoppschild. Etwa zehn Meter vor der nicht vorhandenen Halte- oder Sichtlinie. Anhalten um etwas zu sehen, muss man lnach dem Stoppschild. Aber stoppen „am“ Stoppschild. So will es das Gesetz.

Die Polizisten verlangen erst 200 Dollar, geben sich dann aber mit einer Stange Zigaretten zufrieden.

Es geht weiter durch eine schier unendliche Wüste. Usbekistan entgegen. Irgendwoher taucht die Info auf, dass Kasachstan bei der Korruption lediglich die Vorstufe zu Usbekistan ist. . .

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