KITZINGEN

Zerstörtes Klo führt in den Knast

Der Anfall von Zerstörungswut in einem öffentlichen Klo in Kitzingen hätte für einen 53-Jährigen glimpflich ausgehen können - wäre da nicht sein Pöbeln am Amtsgericht gewesen und fünf Vorstrafen.
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justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)
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„Das tut so weh.“ Dieser Dauerspruch des 53-jährigen Angeklagten hätte im Kitzinger Amtsgericht auch als Echo hallen können. Der mehrfach vorbestrafte Mann, der wegen eines Anfalls von Zerstörungswut angeklagt war, zeigte sich trotz klarer Zeugenaussagen uneinsichtig, nervte mit wehleidig-aggressivem Dazwischenreden und brüllte sogar der Staatsanwältin in die Parade. Die Quittung: zehn Monate Gefängnis. Ohne Bewährung.

Zur Vorgeschichte: Zwei Rentner sitzen an einem Julitag in Kitzingen mit ihren Frauen auf einer Bank, als sie dumpfe Schläge von der nahen öffentlichen Toilette her hören. Die Männer vermuten, dass jemand im Klo eingeschlossen ist und eilen zu Hilfe. Als sie die Treppe hochlaufen, hören sie noch zwei Schläge – „als wenn jemand eine Wand durchschlägt“, sagt einer als Zeuge.

Kaum sind sie vor Ort, kommt der Angeklagte mit einer Schultertasche aus der hintersten Toilette. Auf die Frage, was passiert sei, habe der 53-Jährige gesagt: „Ich habe nichts gemacht.“ Weil die Antwort die Männer stutzig macht, hält einer den Angeklagten fest, während der andere den Tatort inspiziert und in der gemauerten Zwischenwand zur nächsten Toilette ein „faustgroßes“ Loch entdeckt.

Die Rentner wollen die Polizei holen, der 53-Jährige will weg. Weil das nicht klappt, bittet er darum, seine Tasche ins Auto bringen zu dürfen. Der Rentner, der ihn am Weggehen hindert, lässt sich überreden. Die Tasche verschwindet im Wagen: „Danach war er richtig erleichtert“, so der Zeuge. Kein Wunder: Als die Polizei das Gefährt durchsucht, findet sie einen Meißel in der Tasche, einen Hammer unter dem Sitz.

Die Beweislage ist klar, selbst für den Verteidiger: „Ich glaube nicht, das hier einer lügt.“ Nur der Angeklagte sieht's anders, spricht von einem unbekannten Klo-Nachbarn, der alles angerichtet habe und in Sekundenschnelle entwischt sei. Pech bloß: Auf der Klobrille des angeblichen Täters liegen die Bröckchen von der zerstörten Trennwand.

Das kaputte Klo ist nicht das Hauptproblem des 53-Jährigen. Schwerer wiegen seine fünf Vorstrafen, die von Urkundenfälschung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchtem Betrug, Umgang mit explosiven Stoffen bis hin zu sexuellem Missbrauch von Kindern reichen. Letzteres brachte ihm eine Freiheitsstrafe zur Bewährung ein.

„Ich glaube nicht, dass hier einer lügt.“
Verteidiger zur Qualität der Zeugen

Da hakt die Staatsanwältin – nach einem lautstarken Duell mit dem Angeklagten – ein. Nach zwei Verurteilungen während der Bewährungszeit und keinerlei Aussicht auf eine positive Lebensprognose sah sie keinen Grund zur Milde: „Irgendwann ist das Maß voll“. Ihr Antrag: ein Jahr ohne Bewährung.

Kein Widerspruch vom Verteidiger. Sein Mandant, der einen Freispruch wünsche, habe wohl „Probleme mit seiner Steuerungsfähigkeit“. Der 53-Jährige sieht sich „total falsch dargestellt“, kann aber in seinem wirren Schlusswort nicht erklären, was denn nicht stimmt. Überfordert von der Unbelehrbarkeit des Frührentners zeigt sich der Richter. Normalerweise finde er bei jedem Angeklagten irgendeinen Pluspunkt, „heute stehe ich blank da.“ Weil der Tatnachweis „eindeutig“ sei und es für Milde keinen Grund gebe, verurteilte er den 53-Jährigen zu zehn Monaten ohne Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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