KITZINGEN

Zehn Jahre Rosenkrieg und drei Verurteilungen

Durch ist der 56-Jährige mit dem Thema noch nicht. Obwohl die Scheidung nun schon zehn Jahre her ist, wuchs bisher kein Gras über die Sache. Der Angeklagte wirkt emotional so, als sei die Trennung gestern passiert. Er ereifert sich und möchte am liebsten allen davon erzählen, dass er sich als Opfer sieht.
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Symbolbild Foto: Uli Deck

Durch ist der 56-Jährige mit dem Thema noch nicht. Obwohl die Scheidung nun schon zehn Jahre her ist, wuchs bisher kein Gras über die Sache. Der Angeklagte wirkt emotional so, als sei die Trennung gestern passiert. Er ereifert sich und möchte am liebsten allen davon erzählen, dass er sich als Opfer sieht.

Ein zehnjähriger Rosenkrieg mit vielen Prozessen – das hat Spuren hinterlassen. Die Aktenberge zeugen von einem Drama. Zermürbende Kleinkriege. Anwaltsschreiben über Anwaltsschreiben. Das Gezerre ums Geld. Beim Güterrechtsstreit gab es über all die Jahre keine Lösung.

„Das ist mehr als ehrenrührig.“
Strafrichter Bernhard Böhm über die Anschuldigungen

Was genau alles schief ging und warum so erbittert gerungen wurde – vor dem Kitzinger Strafrichter werden die Gründe nur angedeutet. Weil es nicht um den Rosenkrieg geht, sondern darum, dass der Angeklagte im Klein-Klein-Kampf gerne mal die Nerven verliert und neben sich steht.

Dieses Neben-sich-Stehen äußert sich in Beleidigungen und übler Nachrede. Eingeschossen hat er sich vor allem auf die gegnerischen Anwälte. Die er wohl als seine natürlichen Feinde ansieht und an denen er sich regelmäßig abarbeitet.

Deshalb fing sich der 56-Jährige auch schon zwei Geldstrafen ein. 2012 musste er 1600 Euro (40 Tagessätze zu je 40 Euro) zahlen. Ein Jahr später waren es 2400 Euro (60 Tagessätze zu je 40 Euro).

Die beiden Vorstrafen ließen den selbstständigen Kaufmann indes nicht zur Vernunft kommen. Das zeigte sich im Herbst vergangenen Jahres deutlich, als der Mann in einem Schreiben an das Kitzinger Amtsgericht den Anwälten unterstellte, sie hätten „berufsmäßig Sparbücher gefälscht“. Zwar war der Kanzlei bei einer Datumsangabe in einem Schriftsatz ein Datumsfehler unterlaufen – mehr aber auch nicht. Von Fälschung zu reden war starker Tobak – weshalb sich der Mann nun einer weiteren Verleumdungsklage gegenüber sah.

So richtig einsehen will er seinen Fehler wieder nicht. Nur mit Zureden seines Verteidigers kommt ihm am Ende doch eine „rausgequetschte“ Entschuldigung über die Lippen, wie es die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ausdrückte.

Für die laut Strafrichter Bernhard Böhm „mehr als ehrenrührigen“ Anschuldigungen muss der 56-Jährige nun wieder zahlen, diesmal sind es 900 Euro (30 Tagessätze zu je 30 Euro). Es könnte zumindest gerichtlich der Schlussakt in dem Jahrzehnt-Rosenkrieg gewesen sein: Seit einem halben Jahr scheint immerhin Waffenruhe zu herrschen.

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