KITZINGEN

Zehn Jahre Frech-Fromm-Fränkisch im Weihnachtsprogramm

Anrührende, lustige und skurrile Geschichten und Gedichte rund um Weihnachten: Das ist seit zehn Jahren das Erfolgsrezept des Vorleseabends „Frech-Fromm-Fränkisch“.
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Zum zehnten Mal gab es in der Kitzinger Rathaushalle den Vorleseabend Frech-Fromm-Fränkisch. Im Bild von links: Walter Vierrether, Gerda Mengler, Karin Böhm und Ralph Hartner. Foto: Foto: Willi Paulus

Anrührende, lustige und skurrile Geschichten und Gedichte rund um Weihnachten, in Hochdeutsch und in Fränkischer Mundart: Das ist seit zehn Jahren das Erfolgsrezept des Vorleseabends „Frech-Fromm-Fränkisch“ in der Kitzinger Rathaushalle. Karin Böhm startete 2008 das Experiment im Rathauskeller mit wenigen Zuhörern und legte damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte.

Längst ist man in die Rathaushalle umgezogen, um den Ansturm der Besucher bewältigen zu können. Das Quartett Karin Böhm, Gerda Mengler, Walter Vierrether und Ralph Hartner bot auch diesmal wieder ein vielfältiges, originelles Programm, das mit seiner reizvollen und ganz eigenen Mischung die Zuhörer begeisterte. Virtuos war die musikalische Begleitung durch das Quartett „Hemos SaX Bar“. Hemo Waag, Christine Gumann, Eva Schneider und Erich Zink, die zum zweiten Mal mit von der Partie waren, verstärkten die adventliche Stimmung.

Vom Weihnachtslied verfolgt

Karin Böhm machte den Einstieg mit den Betrachtungen eines Winterspaziergangs am Main. Wie sehr das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zum Albtraum werden kann, schilderte Gerda Mengler. Die Batterie der Musikkarte ließ sich nicht abstellen und „Stille Nacht, Heilige Nacht“ verfolgte ein Paar über den Winter, Ostern und Pfingsten hinweg. Aber ausgerechnet am nächsten Weihnachtsabend, als man die Karte den Gästen als Weihnachtswunder vorstellen wollte, hatte die Batterie ihren Geist aufgegeben.

Nachdenklich stimmte das „Märchen vom Auszug aller Ausländer aus Deutschland“, das Ralph Hartner vortrug. Nach einer Hassaktion auf Ausländer beschloss alles ausländische auszuziehen: Die Weihnachtsgänse flogen nach Polen zurück,die Unterhaltungselektronik nach Japan und Amerika,die ausländischen Autos fuhren in ihre Länder zurück, die Südfrüchte gingen wieder nach Afrika. Es gab kein Essen mehr beim Italiener, Griechen, Türken oder Vietnamesen. Und „Stille Nacht, Heilige Nacht“ durfte nur noch mit Sondergenehmigung gesungen werden, stammt es doch aus Tirol.

Verhunzte Weihnachtsgeschichte

Von einer „Sensation in Bethlehem“ berichtete Walter Vierrether. In einer Schulaufführung der Herbergssuche gab der Bub, der den abweisenden Wirt spielte, dem Stück eine unverhoffte Wendung: Er gab Maria und Josef freudig ein Herbergslager. Der Kaplan war erst entsetzt, das die ursprüngliche Weihnachtsgeschichte so verhunzt wurde, konnte sich dann aber den Argumenten des Buben nicht verschließen.

Auch ein schräger Zeitungsartikel über einen Einsatz von Polizei und Sozialamt, die ein Paar namens Maria und Josef mit einem Kind aufgriffen, kam zur Sprache. Die Maria behauptete, noch Jungfrau zu sein und das Kind sei von Gott. Jetzt wird auch noch ihre Zurechnungsfähigkeit untersucht.

Der Erlös des Vorleseabends geht als Spende an einen zehnjährigen, krebskranken Jungen.

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