Kitzingen

Zart, unaufdringlich und festlich

Vom Komponisten Camille Saint-Saëns kennt man vor allem den Karneval der Tiere. Mit gerade einmal 23 Jahren schrieb der Franzose jedoch im Jahre 1858 auch ein eigenes Weihnachtsoratorium. Das in Deutschland wenig bekannte Werk führte Kantor Martin Blaufelder mit der Paul-Eber-Kantorei und dem Kammerorchester Ansbach am Sonntag auf.
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Gelungen: Beifall nach dem Konzertabend für den Dirigenten Martin Blaufelder (von links) und die Solisten des Abends, Rüdiger Krehbiel (Bass), Christian Heidecker (Tenor), Barbara Buffy (Alt), Nicole Winterstein (Mezzosopran) und Franziska Bobe (Sopran).

Vom Komponisten Camille Saint-Saëns kennt man vor allem den Karneval der Tiere. Mit gerade einmal 23 Jahren schrieb der Franzose jedoch im Jahre 1858 auch ein eigenes Weihnachtsoratorium. Das in Deutschland wenig bekannte Werk führte Kantor Martin Blaufelder mit der Paul-Eber-Kantorei und dem Kammerorchester Ansbach am Sonntag auf.

Es war ein Konzert der eher leiseren, unaufdringlicheren Sorte. So kommt Saint-Saëns in seinem Oratorium ohne große stimmgewaltige Chöre oder lange Arien aus. Die rund 45 Minuten sind eine stete Zwiesprache zwischen den fünf Solisten, dem Chor und dem Orchester. Selbiges ist eher dezent im Hintergrund und spielt mehr die vielfältigen Klangfarben, als gewaltige Harmoniegebirge aus. Statt auf die sonst üblichen Bläser setzt das Werk etwa auf die Harfe als reizvollen Engelsklang.

Gerade in diesem filigranen Gefüge ist es nötig, dass sich keiner der Akteure in den Vordergrund drängt. Blaufelder gelang es am Dirigentenpult gut, die für Menschen unfassbare, für Gott aber selbstverständliche Menschwerdung Christi in Szene zu setzen: In Form eines gleichmäßigen Flusses mit wechselnden Rollen.

So etwa beim Wechselspiel zwischen Chor und dem wirklich hervorragenden Tenor Christian Heidecker in der Bekenntnis-Arie „domine ego credidi“ oder beim Trio zusammen mit der ebenfalls überwältigenden Sopranistin Franziska Bobe und Bariton Rüdiger Krehbiel, begleitet nur von den zarten Arpeggii der Harfe. Auch Mezzosopranistin Nicole Winterstein stand ihren Kollegen nicht nach. Besonders schön im hin und her wogenden Solistenquintett „Steh auf Tochter Zion“, auf das der Chor als kraftvolle Antwort ein Alleluja setzt. Der Schluss und zugleich Höhepunkt des Werkes – so ist Weihnachten.

Dem Oratorium voraus setzte Blaufelder einige einstimmende weihnachtliche Stücke. So begann das Konzert mit einer schlesischen Volksweise, einem amerikanischen Weihnachtslied und Rutters bekanntem Christmas Lullaby. Hierbei verstärkte der Jugendchor der Stadtkirche die Kantorei. Alle drei Werke hatte der Kantor selbst für die Chöre und das Kammerorchester arrangiert. Die Ansbacher bewiesen bei Antonio Corellis „Concerto per la fatto di natale“ eindrucksvoll ihre Virtuosität. Ob in den schnellen Läufen oder in klangvollen gesanglichen Passagen: einfach Klasse!

Zur Recht erhielten die Künstler in der gut besuchten Stadtkirche lange anhaltenden Applaus. Mit dem auf Deutsch gesungenen Rutterschen Lullaby als Zugabe gingen die Besucher beschwingt und weihnachtlich beseelt nach Hause.



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