Willanzheim

Wolberts 80. Geburtstag: Große Liebe zu seiner Heimat

Karl-Heinz Wolbert feierte an Heiligabend seinen 80. Geburtstag. Der Kreisheimatpfleger hat große Spuren hinterlassen.
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Die Chronik des Tiefenstockheimer Chors führt Karl-Heinz Wolbert noch immer. Foto: Gerhard Krämer
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"Vormittags Geburtstag, dann Heiligabend", sagt Karl-Heinz Wolbert und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Ob es wohl heuer am 24. Dezember auch so war? Da feierte der Kreisheimatpfleger seinen 80. Geburtstag. Seines Wissens nach gibt es in Willanzheim aber noch weitere zwei Leute, die genau an diesem Tag Geburtstag haben. Aber 80 wurde nur er und der Saal im Gasthaus Hirschen war am Vormittag voller Gäste, die sich es trotz Heiligabend nicht nehmen ließen, ihm zu gratulieren.

Die Vielzahl der Gratulanten belegt, Karl-Heinz Wolbert hat Spuren hinterlassen. Große Spuren. Seine vielen Verdienste um das Gemeinwohl haben im vergangenen Jahr in der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes eine besondere Auszeichnung erfahren.

"Die fränkische Heimat mit ihrer Kultur und dem Brauchtum liegen ihm sehr am Herzen", fasst seine Frau Ilse Wolbert beim Empfang zusammen. Herzensangelegenheiten sind es auch für ihn. Die Kreisheimatpflege zum Beispiel. Dieses Amt ist für ihn kultureller Auftrag. Er kümmert sich um die Aufgabengebiete Brauchtum, Trachten, Volkslied, Chorgesang und Mundart und um alles, was da noch mit hineinspielt. Gerade hat er seinen Jahresbericht dazu fertiggestellt - wie alle Jahre seit 1987.

Großes Anliegen sind ihm dabei die Kreisheimattage. "Das ist eine ganz wertvolle Sache", schwärmt er. Deswegen bemühe man sich, diese Tage auch in kleine Ortschaften zu bringen. Große Freude bereiten ihm die Mundartabende, Vorträge und Lesungen. Er freut sich schon auf die nächsten Veranstaltungen dieser Art, von denen schon einige im Kalender des nächsten Jahres stehen.

In Miltenberg aufgewachsen, beginnt Wolbert 1961 das Studium der Pädagogik und Psychologie in Würzburg. Seine erste Stelle führt ihn nach Hörblach, 1965 wird er Lehrer und Schulleiter an der einklassigen evangelischen Volksschule in Herrnsheim, wenig später auch an der katholischen Volksschule in Tiefenstockheim. 1982 wird er Leiter der Volksschule in Willanzheim. 1988 folgt die Ernennung zum Rektor und der Wechsel als solcher an die Volksschule Marktbreit, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2003 bleibt. Das Leben als Pädagoge gibt er nicht ganz auf, als er Deutschunterricht für Asylanten aus Syrien und Afghanistan sowie für einen Pfarrer aus Indien gibt.

Seit fünf Jahrzehnten engagiert er sich aber auch für die Musik. 1968 gründet er den gemischten Chor in Tiefenstockheim mit, dessen Chronik er heute noch führt. Sieben dicke Bände sind es mittlerweile. Alles notiert er darin akribisch. Sein musisches Wirken würde mehrere Kapitel füllen. Chorfachberater des Fränkischen Sängerbundes darf er sich nennen und Mitbegründer und Chorleiter der Frankobarden. Für diese war es selbstverständlich, obwohl eigentlich schon nicht mehr existent, zu Ehren Wolberts beim Geburtstagsempfang aufzutreten - ebenso am frühen Nachmittag der Männerchor des Sportvereins und der Musikverein.

Kreisheimatpfleger, Lehrer, Musiker - Politiker der Freien Wähler fehlt noch: 1990 bis 2008 Mitglied des Kreistages und im Gemeinderat der Marktgemeinde Willanzheim, zwölf Jahre davon als Bürgermeister-Stellvertreter. Des Weiteren sind dem 80-Jährigen viele weitere Dinge auf gesellschaftspolitischer oder kirchlicher Ebene wichtig. Vertreter beim Kreisjugendring, Jurymitglied beim Jugendwettbewerb des Landkreises, Mitglied in der Vertreterversammlung der örtlichen Raiffeisenbank, Vorsitzender der Erwachsenenbildung der Pfarrei Willanzheim, Lektor, Kantor, Kommunionhelfer, Ehrenmitglied des Dekanatsrates - die Liste dessen, was Karl-Heinz Wolpert gemacht hat, ließe sich noch fortsetzen. "Des Leben wär' nur halb so köstli, hätt mer net unner Pöstli", meint Wolbert zu dieser Vielfalt. Und so ganz nebenbei ist er auch noch Künstler. Federzeichnungen sind seine Leidenschaft. Viele grafische Arbeiten in Festschriften, Chorprogrammen oder Plakaten tragen seine Handschrift.

Auch wenn sein ältester Sohn Stefan Wolbert beim Empfang scherzhaft sagt, dass man sich bei seinem Vater einen Termin geben lassen müsste, die Familie ist dem Jubilar wichtig. Seine Frau Ilse, seine vier Kinder und seine fünf Enkel. Denn auch er muss einmal abschalten. Und das kann er mit seiner Frau in Bad Hindelang im Allgäu, wo er sehr gerne hinfährt.

Beim offiziellen Geburtstagsempfang schüttelt Wolbert gerne die vielen Hände, freut sich über Umarmungen und viele gute, von Herzen kommenden Glückwünsche von Freunden, Weggefährten und Vereinsvertretern.  Landrätin Tamara Bischof gratuliert Wolbert zu seinem "jugendlichen 80. Geburtstag", lobt ihn als hervorragenden Lehrer. Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert würdigt Wolbert als Menschen, der seine vielen Talente gerne an andere weitergibt. Pfarrer i.R. August Popp dankt Wolbert für sein kirchliches Engagement.

Von seinen Kindern erhält Karl-Heinz Wolbert ein Porträtbild, das aus zig einzelnen Bildern der Familie besteht, Das schönste Geschenk dürfte ihm aber seine Frau Ilse mit ihrer Liebeserklärung gemacht haben: "Du bist mei goldigsch Karlsche."

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