Wie mit einem Wohnwagen sind die Hühner vom Bioland-Hof Hager-Plate in Hüttenheim unterwegs: Das Dach überm Kopf folgt ihnen regelmäßig alle vier Wochen von Weide zu Weide. Soweit der Plan, für den Hans Plate den fahrbaren Hühnerstall angeschafft hat.

Seit Sonntag wohnen 400 Hühner und Hähne gemeinsam auf den 60 Quadratmetern im Innern. Beide Geschlechter werden später an der Fleischtheke als „Hähnchen“ verkauft. Luft schnappen und nach Würmern scharren können sie jeden Tag: Insgesamt 1800 Quadratmeter saftiges Grün liegen vor ihrer Haustür.

Zwei große Badehandtücher Wiesenfläche müssen jedem Hähnchen zur Verfügung stehen – soweit eine Auflage von Bioland, Verband ökologischer Lebensmittelerzeuger.

Der mobile Hühnerstall ist keine ganz neue Erfindung, zurzeit aber das einzige Exemplar im Landkreis. Ursprünglich in Südfrankreich und Großbritannien entwickelt, erhielt das Hühnermobil 2003 vom Bundeslandwirtschaftsministerium den Förderpreis Ökologischer Landbau.

Schon zwei Jahre zuvor, 2001, startet die Geflügelzucht Kitzingen in der Freilandhaltung das Versuchsprojekt mit dem rollenden Stall. Inzwischen ist der Test ausgelaufen. Rückblickendes Fazit von Leiter Klaus Damme: „Die Krux an der Sache ist, dass bei jedem Versetzen Futter, Wasser und Strom noch weiter zu den Tieren gebracht werden müssen. Man heizt ja ab Dezember gegen den Winter an.“ Die mobilen Ställe stammten aus Regionen in Europa, wo die Winter gemäßigt sind. Manche Bauern nutzten den Stall darum auch nur „in der Vegetationsphase“ zwischen April und November, so Dammes Erfahrung.

Hans Plate hat neben der umweltfreundlichen Holzfarbe auch Gasheizstrahler besorgt, mit denen er die kalten Monate überbrücken will. Die Erfahrungen aus dem vorhandenen Feststall mit Wintergarten haben ihm aber ohnehin gezeigt: Bis zu Temperaturen von einem Grad Plus fühlten sich die Hühner wohl. „Die Eigenwärme der Tiere verhindert, dass das Trinkwasser gefriert.“

Zusätzlich macht der 49-Jährige nach einem Thermometersturz die Luken im Stallmobil dicht, damit die wenige Wärme nicht entweicht. Mit Impfungen, wohltuenden Kräutern im Futter sowie etwas Brottrunk im Trinkwasser für eine ausgeglichene Darmflora bleiben die Hühner von Plate und seiner Frau Annegret Hager gesund. Ganz ohne Antibiotika.

Jetzt, während des heiß-schwülen Wetters im Juni stehen die kleinen Tore nach allen Seiten offen. Eine leichte Brise weht durch das Labyrinth aus Sitzleitern. Etwas zögerlich hüpfen die 35 Tage alten Hähnchen der Rasse „ISA 757“ nach draußen. Mindestens ein Drittel ihrer Lebenszeit müssen die Bio-Hennen unter freiem Himmel verbringen. Spätestens ab 9 Uhr öffnet Plate die Tore. Bis etwa 22 Uhr nutzen die Tiere ihre Freiheit. „Mittags dagegen ist Siesta“, sagt der engagierte Grüne. Dann wird der Stall freiwillig nicht verlassen.

Etwa zwei Monate leben die Hähnchen, zumindest die weiblichen. Die Hähne werden schon nach gut der Hälfte der Zeit geschlachtet. Sie setzen sonst zu viel Fleisch an und lassen sich kaum mehr verkaufen. Je Schlachtung – „Durchgang“ heißt die im Mastjargon – tötet Hans Plate alle vier Wochen rund 400 Tiere. Das macht er in einem gemieteten Schlachtraum in Iphofen. Dass alles den ökologischen Ansprüchen entspricht, verbürgt er persönlich. Zusätzlich kommt einmal im Jahr ein Kontrolleur.

Ökologische Landwirtschaft – noch nicht lange hat sich das Konzept durchgesetzt. 1998 beginnt der studierte Agrarwissenschaftler, den konventionellen Hof seines Schwiegervaters Rudolf Hager auf biologisch umzustellen. Damals ist er seiner Zeit voraus, sagt er heute. Diverse Lebensmittelskandale folgen. Der Anspruch der Kunden steigt. Heute seien die Verbraucher so weit, dass sich auch die Investition von 12 000 Euro in den fahrbaren Hühnerstall langfristig auszahlen dürfte, meint Plate.

Neun Euro zahlen die Kunden pro Hähnchen. Werner Düring, Chefkoch im Hotel „Zehntkeller“ in Iphofen, kann das bestätigen: „Nur Bio reicht heute nicht mehr – die Gäste fragen, woher das Fleisch kommt.“ Seine nächste Bestellung bei Bauer Plate ist schon aufgegeben.