Volkach

Wo in Volkach in Zukunft noch gebaut werden kann

Innenentwicklung statt neuer Baugebiete: Volkachs Stadtrat will lieber Lücken schließen als nach außen zu wachsen. Für das neue Weinhotel gibt's einen Sonderbereich.
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Das Weinhotel Römmert im Osten Volkachs ist seit 1. September in Betrieb. Im Flächennutzungsplan wird die Hotelnutzung als Sonderbereich eingetragen. Foto: Barbara Herrmann

Vor dem Problem stehen viele Gemeinden: Im Altort verfallen Gebäude, während der Ort sich immer weiter ausdehnt. Was also tun? Keine neuen Baugebiete mehr ausweisen und damit womöglich bauwillige Familien verprellen? Volkach versucht nun, diesem Dilemma mit einem Bauentwicklungsrahmen zu begegnen. Diesen Grundsatzbeschluss diskutierte der Stadtrat bei seiner Sitzung am Montagabend ausführlich.

Darüber abgestimmt wird erst beim nächsten Mal, doch die Richtung wurde schon deutlich: Die Stadt setzt nicht auf Wachstum, sondern möchte Lücken schließen, Ränder abrunden und leerstehende Häuser wiederbeleben. Und vor allem möchte sie dabei das Heft in der Hand behalten. Neue Bauplätze werden nur erschlossen, wenn sie vorher der Stadt gehören. Diese belegt sie dann mit einem Baugebot. Sonst könnte sich der Fehler wiederholen, dass Grundstücke jahrzehntelang brach liegen und als Geldanlage missbraucht werden.

"Eine Ausnahme vom Grundsatzbeschluss sollte möglich sein."
Stadtrat Robert Amling (FW)

Deren Eigentümer zum Hausbau zu zwingen, sei quasi unmöglich, führte Bürgermeister Peter Kornell (Freie Wähler) aus. "Seit den 80er-Jahren gab's keinen einzigen Fall, in dem so etwas durchgesetzt wurde." Angesichts der aktuellen Zinslage sei es ja nachvollziehbar, dass die Leute lieber das Land behalten, als das Geld auf der Bank liegen zu haben. Volkswirtschaftlich sei es aber ein Problem, wenn die Bauplätze "für die Enkel noch nicht geborener Kinder aufgehoben werden".

Wie streng also möchte die Stadt Volkach sein bei ihrem Bauentwicklungsrahmen? Werden die aktuellen Baugebiete die letzten sein? Die Diskussion war eröffnet. Robert Amling (FW) bremste ein wenig: "Es muss auch die Möglichkeit geben, Problemfälle zu klären. Eine Ausnahme vom Grundsatzbeschluss sollte möglich sein." Dieter Söllner (SPD) nannte die Richtung, die man einschlage, okay. "Wir haben aber zehn Ortsteile mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Wir müssen dafür sorgen, dass auch in den Ortsteilen noch gebaut werden kann."

"Wir müssen dafür sorgen, dass auch in den Ortsteilen noch gebaut werden kann."
Stadtrat Dieter Söllner (SPD)

Herbert Römmelt (FW) schlug vor, den zwei Punkten "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" und "Neue Baugrundstücke im Außenbereich nur, wenn die Flächen in das Eigentum der Stadt Volkach kommen" einen dritten hinzuzufügen. "Ausnahmen von Punkt 1 und 2 können mit städtebaulichen Verträgen geregelt werden", lautete seine Idee. So könne man Ränder oder den Grenzbereich von bebauten Grundstücken weiterhin nutzen.

Der von Kornell als "Öffnungsklausel" bezeichnete Vorschlag Römmelts schien den Stadträten zu gefallen. Wobei Dörfer, die weiter weg von Volkach liegen, in Zukunft wohl eher ein Problem mit Leerstand als mit zu großem Andrang bekommen werden. Beschließen will der Stadtrat den Bauentwicklungsrahmen in der kommenden Sitzung am 30. September. Bis dahin hofft Bürgermeister Kornell, dass sich die Bürger melden und mitdebattieren.

Situation der bauwilligen Nachbarn ist schwierig

Mit keinem Wort erwähnt wurden bei der ganzen Diskussion übrigens die bauwilligen Nachbarn des neuen Weinhotels, das am 1. September eröffnet wurde. Auf Nachfrage erklärte Kornell am Dienstag, dass deren Vorhaben, im Außenbereich bauen zu wollen, rechtlich komplex sei. Aber man suche nach einer Lösung. Mit dem Hotelbau könne man deren Anliegen nicht vergleichen.

Für das Weinhotel läuft die fünfte Änderung des Flächennutzungsplanes, in den das Sondergebiet "Hotel bei den Erlachhöfen" noch eingetragen werden muss. Wie Planerin Gudrun Rentsch von arc.grün  in der Stadtratssitzung erläuterte, gehe es erst einmal nur um diesen Bereich von 1,13 Hektar, auf dem das Hotel steht. Die Änderung geht nun an die Träger öffentlicher Belange, die dazu Stellung nehmen. Den gesamten Flächennutzungsplan – für 60 Quadratkilometer – anzupassen, nannte Kornell eine der großen Aufgaben für den nächsten Stadtrat. "Sich damit auseinanderzusetzen, ist nicht vergnügungssteuerpflichtig."

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