Kitzingen

Wo der Esel auf die Fledermaus trifft

Ein kurioses, aber nützliches Projekt im Weinlandkreis: Mit dem Kot von heimischen Fledermäusen werden zukünftig am Eselsberg etwa 80 Ar Schwarzriesling ökologisch gedüngt. Von jeder verkauften Weinflasche geht ein Teil der Einnahmen an ein Artenhilfsprojekt für Fledermäuse in Kitzingen. Mit dem Geld werden in Kirchendächern neue Unterkünfte für die Tiere geschaffen.
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Das Graue Langohr. Für diese Fledermäuse sind die Kästen in der Weinlage Eselsberg gedacht. Foto: Foto: Söder
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Ein kurioses, aber nützliches Projekt im Weinlandkreis: Mit dem Kot von heimischen Fledermäusen werden zukünftig am Eselsberg etwa 80 Ar Schwarzriesling ökologisch gedüngt. Von jeder verkauften Weinflasche geht ein Teil der Einnahmen an ein Artenhilfsprojekt für Fledermäuse in Kitzingen. Mit dem Geld werden in Kirchendächern neue Unterkünfte für die Tiere geschaffen.

Ein Bild von einer verfallenen Weinberghütte im sozialen Netzwerk Facebook brachte den Stein ins Rollen: Der 33-jährige Winzer Michael Völker aus Kitzingen vom gleichnamigen Weingut hatte es hochgeladen. Christian Söder, ehrenamtlicher Fachberater für Fledermausschutz, entdeckte es und kam beim Anblick der potenziellen Fledermaus-Unterkunft auf die Idee: Warum nicht auch Wein mit dem Guano – wie der Kot auch genannt wird – düngen? Das Projekt Fledermauswein entstand.

„Die Idee, Fledermauskot als natürlichen Dünger zu nutzen ist nicht neu“, sagte Söder beim Pressetermin. Einige Pfarrer haben früh erkannt, dass die Hinterlassenschaften der Tiere im Kirchturm der perfekte Nährstoff für den Garten sind.

„In Aub wird der Guano beim Pfarrfest abgepackt als Tomatendünger verkauft“, berichtete der leidenschaftliche Fledermausfreund. Seit etwa sechs Jahren ist Söder für die nachtaktiven Tiere unterwegs und arbeitet dabei unter anderem mit dem Landschaftspflegeverband zusammen.

Von Anfang an begeistert

Sofort begeistert von dem Einfall zeigte sich Michael Völker, der zusammen mit seiner Frau Melanie Drese das Kitzinger Weingut in der elften Generation führt. Zumal Vater Bernhard Völker bereits das Gut 1997 auf ökologischen Weinbau umgestellt hatte. Gedüngt wird mit dem Fledermauskot zunächst eine Fläche Schwarzriesling in der Weinlage Eselsberg. Pro Pflanze wird „etwa eine Handvoll“ davon nötig sein, schätzt der Jungwinzer. Geschmacklich hat der Dünger keine Auswirkung auf den Wein, da sich der Guano vollständig auflöst.

Abgefüllt wird der Schwarzriesling in Flaschen mit markanten Fledermaus-Etiketten. Vertrieben unter der Marke „2 Naturkinder“ soll der Fledermauswein dann nicht mehr kosten als jeder andere ökologisch angebaute Wein, verspricht Völker. Über den Ertrag kann der Winzer aber keine Auskunft erteilen: Der Weinberg wurde zuvor konventionell bewirtschaftet, mit der Umstellung auf Bio-Weinbau sei das Ergebnis schwer einschätzbar.

Tiere in Wohnungsnot

Am Wochenende wurden im Weinberg mit einigen Helfern acht Fledermauskästen aufgestellt. Hier können heimische Tiere wie das Große Mausohr oder das Graue Langohr Unterschlupf finden. Ziel des Fledermausweins ist es, im Rahmen eines Artenhilfsprojekts in Stadt und Landkreis Kitzingen weitere Nistmöglichkeiten zu schaffen. Die Tiere leiden nämlich unter Wohnungsnot. Unterstützung gibt es vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) Unterfranken.

Fledermausexperte Christian Söder kann bereits einige Kirchendächer aufzählen, auf denen die Fledermäuse eine offizielle Landeerlaubnis haben: So wurden bei den beiden Kitzinger Stadtkirchen und bei einigen Pfarrkirchen im Landkreis spezielle Fledermausöffnungen geschaffen. Bisher waren die Verantwortlichen immer kooperativ. Mit dem Fledermauswein will Söder das Problem der Fledermäuse wieder etwas mehr ins öffentliche Bewusstsein rufen.

Ähnliche Projekte gab es schon im angloamerikanischen Raum, in Deutschland ist das Konzept jedoch bisher einmalig. „Eine Weinstadt wie unser Kitzingen braucht einen Fledermauswein“ schlussfolgerten die Initiatoren. Auf der Facebook-Seite „Fledermäuse in Kitzingen“ werden neue Unterkünfte dokumentiert.

 



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