BIEBELRIED

Wo das steinerne Herz schlägt

„Das steinerne Herz Mainfrankens“ hat drei Kammern: Biebelried, Kaltensondheim und Westheim. Wer dort seinen Schlag spüren will, kann das erstmals am 21. September tun. Da geht der 91. Europäische Kulturweg unter dem Steinernen-Herz-Motto an den Start, der Biebelried und seine Ortsteile auf einer 18 Kilometer langen Tour verbindet. Die Radrundfahrt, die markante Punkte in den Orten und der Landschaft berührt, startet um 11.30 Uhr am Hotel Leicht in Biebelried.
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Gruppenbild mit Dame: Die Macher des 91. Kulturwegs, der Biebelried mit seinen Ortsteilen Kaltensondheim und Westheim – hier das dortige Rathaus – verbindet: (hinten von links) Reiner Väth (Amt für ländliche Entwicklung), Renate Zirndt (ehemalige Bürgermeisterin), Hotelier Georg Leicht (AG Kulturweg, Biebelried), Gerrit Himmelsbach (Projektleiter Europäische Kulturwege), Hermspeter Kosch (AG Kulturweg, Westheim); (vorne von links) Bürgermeister Roland Hoh und Michael Meyer (AG Kulturweg, Kaltensondheim). Foto: Foto: Harald Meyer

„Das steinerne Herz Mainfrankens“ hat drei Kammern: Biebelried, Kaltensondheim und Westheim. Wer dort seinen Schlag spüren will, kann das erstmals am 21. September tun. Da geht der 91. Europäische Kulturweg unter dem Steinernen-Herz-Motto an den Start, der Biebelried und seine Ortsteile auf einer 18 Kilometer langen Tour verbindet. Die Radrundfahrt, die markante Punkte in den Orten und der Landschaft berührt, startet um 11.30 Uhr am Hotel Leicht in Biebelried.

Steinernes Herz? Die Frage beantwortet sich beim Blick in die drei Dörfer. Was sie verbindet, sind große Steinbauten, die wohlhabende Landwirte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert errichteten. Sie sind das Wiedererkennungselement auf der Tour, ebenso Wegzeichen mit gelbem EU-Schiff auf blauem Grund.

Das führt die Wanderer oder Radler zu sieben Tafeln, die die Schätze des Kulturwegs beschreiben. Die nicht jeder sieht: „Nebenschauplätze werden sichtbar gemacht“, sagt Gerrit Himmelsbach, Leiter des Projekts Europäische Kulturwege, bei einem Pressetermin im Westheimer Rathaus. Er hat die Bürger motiviert, spannende und sehenswerte Teile ihrer Heimat einzubringen.

Los geht's am Premierentag an der „Wiege der blauen Zipfel“, wo in Biebelried am Hotel Leicht die laut Himmelsbach 1969 hier kreierte fränkische Spezialität auf die Radler wartet. Das Hotel, das als Wirtshaus schon 1469 urkundlich erwähnt wird, ist wie das fast 750 Jahre alte Johanniterkastell einer der Hingucker im Ort. Ein weiterer ist die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, wo über den Altären zwei Werke aus der Schule Tilman Riemenschneiders stehen.

„Mit den Bürgern vor Ort entstehen diese Wege.“
Gerrit Himmelsbach, Projektleiter Kulturwege

Durch die weite Kulturlandschaft führt die Runde nach Kaltensondheim. Hier erwartet den Besucher eine der wenigen Simultankirchen, in der beide Kirchen Ökumene am gleichen Ort leben. Das Besondere des Gotteshauses St. Andreas ist das Altarensemble im böhmischen Stil. Direkt gegenüber steht ein Weihnachtsbildstock aus dem Barock.

Zum Kulturgut gehört auch der Mittelwald, den der Weg kurz nach Kaltensondheim streift. Der Forst, der heutzutage vor allem Brennholz liefert, geht auf alte Rechtsprivilegien zurück. Die gibt's noch heute. 30 Rechtler dürfen hier – nach Vorgabe des Försters – Holz einschlagen.

Einer der interessantesten Punkte der Tour ist die Lindelbacher Höh'. Hier zeigt eine Tafel den Panoramablick, der bei Top-Wetter auf Besucher wartet. Hier finden sich auch Informationen über einen seltenen Vogel, der in der Agrarlandschaft als Sommergast lebt – der Ortolan.

Kulturelle Lichtblicke besitzt auch Westheim. Ein Besuch lohnt sich im Friedhof, der in seinem Parkgelände außergewöhnliche Grabsteine besitzt. Dort könnte auch das Grabmal des Freiherrn von Trockau eine neue Heimat finden, das bisher – da auf Privatboden – nicht zu besichtigen ist. Eine Verlegung werde vom Landesamt für Denkmalpflege „positiv“ beurteilt, sagte Biebelrieds ehemalige Bürgermeisterin Renate Zirndt.

Nach einem letzten Blick auf die neogotische Kirche mit ihrem mosaikartig gedeckten Dach, einem Abstecher zum renovierten Rathaus und dem Abradeln der Bauernhäuser mit ihren Steinfassaden geht's zurück zum Ausgangspunkt Biebelried.

Wer das hinter sich bringt, hat den einzigen Kulturweg im Landkreis Kitzingen unter die Reifen gebracht. Und dabei erahnt, wieviel Gedanken sich die Macher der Rundtour gemacht haben. Im März 2012 ging die Planung los, nach dem Prinzip: „Mit den Bürgern vor Ort entstehen diese Wege“ (Himmelsbach). Bis zu 30 Leute aus den Ortsteilen hätten an rund 15 Treffen der AG Kulturweg teilgenommen, sagte Zirndt.

Die Rundfahrt ist auch mit Leihrädern (auch E-Bikes) möglich: Reservierung unter Tel. (01 60) 92 14 96 26.

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