Die Eichelschweine haben Gesellschaft bekommen. Größer, mit Hörnern auf dem Kopf und reine Grasfresser – eine kleine Herde Rinder, Gelbvieh, tummelt sich unter den weit auseinander stehenden, großkronigen Eichen im Wald bei Hellmitzheim.

Am Mittwochnachmittag wurde eines der Tiere an die künftigen „Nutzer“, Mitglieder der Slow Food Gruppe Franken, symbolisch übergeben. In gut zwei Jahren, dann steht das Rind knapp drei Jahre auf der Weide, heißt es zwar auch für dieses Tier: Ab zum Schlachter. Doch bis dahin gab es ein Leben fast in Freiheit.

Rückblick: Was da vor zehn Jahren einer staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurde, hat sich mittlerweile in Iphofen etabliert: Die Waldweide von Schweinen zur Herbstzeit, wenn Eicheln von den Bäumen fallen und von wühlenden Schweinen eifrig gefressen werden. Eine Hüteform, die längst vergessen schien und von Projektleiter Hans-Hinrich Huss damals wiederbelebt wurde.

Dem Wald war die bis in die 1930er Jahre hier übliche Form der Tierhaltung noch anzusehen: Großkronige, weit auseinander stehende mächtige Eichen prägen das Bild und erinnern fast ein wenig an einen Park. Im Herbst wurden auch damals schon die Schweine in den Wald getrieben – die Landwirte sparten sich das Futter und auch die Fleischqualität sollte dadurch verbessert werden, was sich jetzt bestätigte.

Schweine sind umgezogen

Heute sind die Schweine in ein anderes Waldstück umgezogen. Was vor zehn Jahren mit 19 Tieren begann hat sich nun auf knapp 300 erweitert. 2010 wurde Iphofen mit seinem Mittelwald in das EU-Förderprogramm Life+ aufgenommen. Mit Fördermitteln soll die biologische Vielfalt dieser Waldnutzung erhalten und ausgebaut werden. Dazu passte natürlich die Hutehaltung sehr gut – und konnte ausgeweitet werden.

Denn früher wurden nicht nur Schweine im Herbst, sondern auch andere Haustiere, darunter Rinder, zur Weide in die Wälder und die angrenzenden Wiesen getrieben. Das Projekt mit dem Schweinen konnte also um Rinder erweitert werden. Vor einem Jahren startete das Projekt mit vier trächtigen Kühen, die in einem Stall in Hellmitzheim ihre Kälber zur Welt brachten und seit dem Mai 2011 auf der Weide im Wald sind. „Wir wollten eine Rasse, die hier ursprünglich ist“, sagte Huss, deshalb fiel die Wahl auf Gelbvieh.

Zudem ist die Rasse in ihrem Bestand in Deutschland gefährdet, es gibt bundesweit gerade mal 4000 Tiere. Natürlich sind die Tiere nicht ungeschützt der Witterung ausgesetzt: ein Unterstand für 15 Rinder mit Heulager wurde dafür auf der Hutung gebaut. Ein Bulle kam zur Herde und seit dem Frühjahr gibt es vier weitere Kälber.

Ideale Voraussetzungen für die Slow-Food-Mitglieder

Vor Seiten der Stadt Iphofen wird demnächst die an die Hutung grenzende Wiese „umgebaut“: Auch hier soll ein Hutewald entstehen. Dazu werden im Abstand von 20 Metern Eichen gepflanzt. Ideale Voraussetzungen für die Mitglieder von Slow Food, einer Vereinigung von Menschen, „die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten“.

Um das zu erreichen, „fördern sie eine verantwortliche Landwirtschaft und Fischerei, eine artgerechte Viehzucht, das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt“.

In der „Arche des Geschmacks“ wollen weltweit regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen bewahrt werden. „Wir wollen hier auch das Gelbvieh mit aufnehmen“, sagte Gerd Sych, der die fränkische Gruppe von Slow Food leitet.

Die Rinder leben auf der Weide doppelt so lang

Insgesamt zehn Personen haben sich zusammen gefunden und sich quasi Anteile von einem der Rinder in Hellmitzheim gekauft. Dieses Rind wurde am Mittwochnachmittag offiziell einigen „Teilhabern“ übergeben. Die kommenden knapp drei Jahre kann es nun zusammen mit seinen Artgenossen hier leben. Das ist ungefähr das doppelte an Zeit, die ein Rind normalerweise bis zur Schlachtung lebt.

Es erfüllt damit die Voraussetzungen von Slow Food: Tiere, die artgerecht gehalten werden und ohne Mastzusätze aufwachsen können.