MÖNCHSONDHEIM

Wo Frauen spinnen und Küken piepen

Zum 37. Mal feierte das Heimatkunde-Museum am Sonntag sein Fest, und doch gibt es immer wieder etwas Neues – diesmal die Spinnstube im Kleinbauernanwesen Hahn.
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Hier wird fleißig am Rad gedreht: Besucher des 37. Kirchenburgfestes sahen in der Spinnstube, wie Zwirn aufgespult wird. Foto: Fotos: Timo Lechner
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Der Witz geht immer. „Meine Frau spinnt hier“, sagte ein Mann zur Dame an der Kasse des Kirchenburgmuseums. Die guckte erst ungläubig, verstand aber schnell, dass es sich bei der Gattin wohl um eine der Frauen in der Spinnstube handelt, und ließ ihn rein. Zum 37. Mal feierte das Heimatkunde-Museum am Sonntag sein Fest, und doch gibt es immer wieder etwas Neues – diesmal die Spinnstube im Kleinbauernanwesen Hahn. Dort drehen die Frauen am Spinnrad, fädeln fein den Zwirn auf und haben bei aller Konzentration dabei jede Menge Spaß beim Ratschen – sehr zur Freude der Gäste, die immer wieder hereinschauen.

Alte Berufe erleben, Handwerk von anno dazumal, zuschauen, mitmachen – das ist das Erfolgsrezept des Kirchenburgtags, der dienstältesten Veranstaltung im Museum. Und zu diesem Rezept gehörten auch nicht beeinflussbare Faktoren: Es darf nicht zu heiß sein, so wie im vergangenen Jahr, als in Kitzingen mit 40,3 Grad der Temperaturrekord seit 1891 gemessen wurde und es in „Sundi“ nicht minder heiß war und viele Besucher daher ausblieben. Knapp halb so hoch war am Sonntag das Thermometer geklettert, also ideal für einen Besuch der vielen Aktionsplätze.

Märchen und Nägel

Unter anderem wurden mittelalterliche Kleider, Rüstungen und Waffen im Innenhof des Gasthauses gezeigt. Dabei ließen sich die Darsteller auch mal unter den Rock schauen – zumindest soweit es für den Zweck der Vorführung nötig war. Vor allem die Kinder hatten ihren Spaß auf der Bühne. Dort wurde diesmal nicht getanzt oder musiziert, sondern am Barren geklettert.

Zimmermänner hatten einen Rundbogen mit Sparren aufgebaut, an dem es sich nach Herzenslust entlang hangeln ließ. Nebenan konnten sich die kleinen Handwerker in einer der Königsdisziplinen beweisen: Nägel einschlagen. Und bei der – ebenfalls in diesem Jahr neuen – Märchenerzählerin hörten auch die Großen gern zu.

Dicke Hornhaut

„Klöppeln ist spitze“ ist der Wahlspruch von Lore Elflein-Gerstner, die sich mit anderen Handarbeits-Damen aus dem Schweinfurter Raum im Rathaus gemütlich gemacht hatte. „In zweierlei Hinsicht stimmt der Spruch“, sagt die Klöpplerin. „Man arbeitet mit Spitzen, und die Arbeit ist an sich einfach spitze.“ Kunstvolle Gewebe werkeln die Frauen in mühevoller Kleinarbeit. Und noch eine „Spitze“ gibt es, fügt eine Kollegin hinzu: Die der Nadeln, ohne die kommt man bei dieser Handwerkskunst nicht aus. Dicke Hornhaut an den Fingern zeugen von der Bekanntschaft mit dieser Sorte Spitzen.

Ganz andere Handwerkskünste dagegen am Schäferkarren. Dort wurde Kupfer geklopft und Pfeile und Bogen wurden gebaut. Und im Streichelzoo piepten frisch geschlüpfte Küken unter der Wärmeglocke. Zum Zurückziehen ideal: Der lauschige und wilde Kräutergarten, in dem die Gäste Ruhe finden und dabei einiges zur Verwendung klassischer Kräuter lernen konnten.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder vom Kirchenburgfest unter www.mainpost.de

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