GEISELWIND

Willkommen im Führerhaus-Wohnzimmer

Die Autobahnabfahrt Geiselwind war verstopft, Blechlawinen zierten die Steigerwaldhänge rund um den Rasthof Strohofer, Grillduft überzog die Peripherie und Hupkonzerte waren immer wieder zu hören. Dieser Mix empfing die Besucher beim Trucker- & Country Festival über Pfingsten.
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Typisch Truckerfest: Gemütliche Atmosphäre inmitten der riesigen Lkw. Foto: FotS (4): HARTMUT HESS

Die Autobahnabfahrt Geiselwind war verstopft, Blechlawinen zierten die Steigerwaldhänge rund um den Rasthof Strohofer, Grillduft überzog die Peripherie und Hupkonzerte waren immer wieder zu hören. Dieser Mix empfing die Besucher beim Trucker- & Country Festival über Pfingsten. Dort feierten die Trucker ein friedliches und attraktives Fest über vier Tage hinweg und gewährten Einblicke in ihre Führerhäuser, die viele besser hüten als ihr Wohnzimmer.

„Bitte Schuhe ausziehen“, stand auf einem Schild am Führerhaus-Aufstieg eines Brummis und der Vorhang deutete auf die gute Stube im Airbrush-verzierten Führerhaus hin. Die zu Zehntausenden gekommenen Besucher sahen auch eine Premiere: Einen bunt bemalten Sattelschlepper der Firma Wolf Transporte aus Eggolsheim (Landkreis Forchheim), den die Wahrzeichen des Eventzentrum Strohofer zieren.

US-amerikanische Freightliner und Promotion-Trucks zogen die Blicke auf sich – und an den Ständen gab es Schnäppchen und außergewöhnliche Dinge zu kaufen. Eine neue Leder-Fransenjacke für die Frau oder einen Hut für den Asphalt-Cowboy, die Trucker- und Countrymusik-Familie deckte sich ein, um stilecht unterwegs zu sein.

Die vier Tage genoss auch der Haßfurter Uwe Nitsch, der für Flagge Transporte aus Rüdenhausen fährt und seit 2008 in Geiselwind Stammgast ist. „Stressfrei mit Kollegen unterhalten, alte Freunde treffen und Anregungen holen“: deswegen gefiel es den 55-Jährigen über Pfingsten in Geiselwind.

„Ich wollte nie etwas anderes als Fernfahrer werden“, verriet Steffen Angermüller aus Coburg, der seit einem Jahr für die Marktbreiter Spedition Friedlein fährt. Der 26-Jährige lernte seinen Chef vergangenes Jahr beim Truckerfest kennen und da die Chemie mit den Kollegen sofort stimmte, heuerte Steffen Angermüller in Marktbreit an. Bei Friedlein fährt er internationale Touren und hat schon 18 Länder angesteuert bis hinauf nach Schottland. „Sonst hat man nur über Internet oder Facebook Kontakt. Hier kann ich endlich wieder mal mit den Kollegen sprechen.“ Das gefällt ihm an der Massenfete im Steigerwald.

Die Kapitäne der Landstraße sind ein gemütliches Volk und machten es sich gerade in Geiselwind auf den Lkw häuslich. Die Ladebrücke fungierte tagsüber als Mini-Kneipe und nachts als Schlafstätte. Rund um die Auflieger wurde gegrillt und dazu kam Countrymusik aus den Boxen. Abends gastierten Stars der Countrymusik-Szene im Multifunktionszentrum – und besonders einer elektrisiert Jahr für Jahr die Massen: Gunter Gabriel. Der Hamburger gilt als „einer von uns“ bei den Fernfahrern. Er sang ihnen am Sonntag ein weiteres Mal aus den Herzen. „Wir denken aber auch an die jüngeren Fahrer“, erklärte Ruth Strohofer zur Neuerung, dass es heuer erstmals auch einen Schlagerabend gab. „Die Qualität der Trucks hat zugenommen“, sagte die Gastgeberin und auch in der Menge zieht es die Brummilenker noch stärker „zum Toni“ nach Geiselwind. Heuer gab es erstmals Platzreservierungen, um die Nachfrage bewältigen zu können. Der Randersackerer Peter Schädel fühlte sich bei den Truckern wohl, auch wenn er keine Sattelschlepper vorzieht, sondern US-Cars. Er unternahm mit seinem Hot-Rod-Boliden einen Pfingstausflug und empfand den Trip als Aufwärmen für die Street-Mag-Days, die im Juni bei Strohofer über die Bühne gehen.

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