Drei große Einkaufsmärkte sind bereits vor Ort, ein vierter wird im Sommer fertig. Auch mit Kindergärten, Schulen und Krippenplätzen ist Wiesentheid gut ausgerüstet - nicht zuletzt, seit am Mittelschulstandort die Hauptschulen aus der nächsten Umgebung zusammengezogen wurden. Nun kommt der nächste Coup: Am Donnerstagabend stimmten die Gemeinderäte geschlossen für den Bau eines großen Ärztehauses. Die Gemeinde will so ihre Stellung als Unterzentrum weiter ausbauen.


Ärzte ergriffen Initiative



Die Initiative ging von ein paar Hausärzten aus. "Sie sind auf mich zugekommen, mit der Bitte, die Möglichkeit für eine Großpraxis zu schaffen", informierte Knaier. Daraus entwickelte sich der ehrgeizige Plan für ein zweigeschossiges Haus mit einer Gesamtnutzfläche von über 2000 Quadratmetern und 34 Parkplätzen. Im Erdgeschoss sollen eine Apotheke und ein Bistro einziehen, in die beiden Stockwerke zunächst die Allgemeinärzte. Der Orthopäde, der derzeit tageweise im benachbarten Schuhhaus zu Gast ist, könnte ebenfalls Räume in dem neuen Gebäude bekommen. Platz wäre dann noch für mehrere Fachärzte oder andere Praxen wie Phyiostherapie und Logopädie. "Viele Bürger bemängeln, dass es in Wiesentheid keine Fachärzte gibt - mit diesem Projekt könnten wir dieses Manko beheben," hofft Knaier.

Für Hausärztesprecher Harry Biemüller aus Kitzingen sind solche Zentren zwar durchaus die Zukunft der Hausärzte. "Wenn der Bürgermeister aber glaubt, dadurch Fachärzte anlocken zu können, macht er sich wahrscheinlich falsche Hoffnungen." Denn auch bei diesen sei die Tendenz abzulesen, sich innerhalb einer Fachrichtung zusammenzuschließen, um Ressourcen zu sparen. "Für einen einzelnen Frauen-, Augen- oder HNO-Arzt ist es allein schon wegen der geringen Patientenzahl uninteressant, sich dort niederzulassen." Zumal er seine Praxis dann allein stemmen müsste und nicht von den ansässigen Allgemeinärzten profitieren würde - außer vielleicht beim Personal.


Synergien für Hausärzte sinnvoll



Für die Allgemeinärzte mache es wiederum Sinn, sich zusammenzutun. "So kann man den Betrieb der Praxis durchgehend aufrecht erhalten - auch während Fortbildungen oder in der Urlaubszeit." Patienten hätten eine zentrale Anlaufstelle und Synergieeffekte entstünden zudem durch die gemeinsame Nutzung der teuren Geräte. "Auf lange Sicht werden Einzelpraxen auf der Strecke bleiben."

Diese Entwicklung bedauert Knaier zwar - ebenso wie das Aussterben kleiner Tante-Emma-Läden und der fußläufigen Volksschule in jedem Ort - aber es sei eben der Lauf der Zeit. "Wir wollen dafür sorgen, dass es in Wiesentheid auch in Zukunft Ärzte gibt und wir als Einkaufs-, Wohn- und Arbeitsort noch attraktiver werden." Die Gemeinderäte äußerten sich in der Sitzung zudem auch alle zuversichtlich, was das Interesse von Fachärzten angeht.


Kommune wird profitieren



Harry Biemüller glaubt durchaus, dass die Kommune von diesem Projekt profitieren würde - ohne negative Auswirkungen auf die umliegenden Orte zu befürchten: Prichsenstadt hat gerade in die Sanierung seiner Gemeinschaftspraxis investiert, der Rüdenhäuser Kollege hat die Praxis kürzlich erst übernommen und auch der Großlangheimer Hausarzt wird seinen Standort seiner Ansicht nach nicht aufgeben. "Und Geiselwind ist zu weit weg."

Wiesentheid strebt ein Ärztezentrum übrigens schon länger an: In der Korbacher Straße gibt es neben dem Schuhhaus Zechmeister ein großes Areal, das seit über zehn Jahren für diese Nutzung vorgesehen ist. "Schon unter Bürgermeister Hahn wurde es zu diesem Zweck an einen Investor verkauft", erklärt Knaier. Nachdem dessen Bemühungen keinen Erfolg hatten, kaufte die Gemeinde das Grundstück wieder zurück, nur um es nun erneut weiterzuveräußern. Wiesentheid will die Großpraxis nicht selbst bauen. Die Ärzte haben sich als Träger die Preißner GmbH ausgesucht, die unter anderem schon das Seniorenheim und das Betreute Wohnen in Wiesentheid realisierte. Der Bauherr hat nun einen Plan erstellen lassen. Baubeginn ist laut Knaier im März, ab 2013 könnte er die Räume an die Ärzte vermieten