MÜNSTERSCHWARZACH

Wieder ein Highlight mehr im Ort

Seit 27 Jahren konzipiert und gestaltet Matthias Kutsch Ausstellungen in ganz Deutschland, von Rosenheim bis St. Peter-Ording. „So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Die Freude an der Arbeit der letzten Jahre ist dem Erlanger Gestalter und Dozent an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin deutlich anzusehen.
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Beeindruckende Bilder und einfache Textpassagen machen das neue Informationszentrum aus.
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Im Dezember 2012 gingen die Vorbereitungen los. Kutsch machte sich mit einer Arbeitsgruppe aus Benediktinermönchen an die Arbeit. Die Zielstellung umriss Abt Michael bei der gestrigen Eröffnung des neuen Informationszentrums im Kloster Münsterschwarzach mit zwei Worten: gelebte Gastfreundschaft. „In jedem Gast empfangen wir Christus“, erklärt Abt Michael das Verständnis der Mönche. Rund um das Torhaus, den Eingangsbereich zum Klosterkomplex, ist das Thema Gastfreundschaft sichtbar umgesetzt worden: Im Laden, im Bistro, in der Bücherei und jetzt im neuen Informationszentrum. Künftig soll es auch auf dem Kirchplatz deutlich werden.

Die Zahl der Gäste wächst kontinuierlich. Etwa 1000 Menschen schreiten Tag für Tag durch das Torhaus (inklusive der Schüler des nahen Egbert-Gymnasiums). Etwa 10 000 Menschen übernachten Jahr für Jahr im Gästehaus der Abtei, etwa 100 000 Touristen zählt der Markt Schwarzach pro Jahr. Beeindruckende Zahlen. „Natürlich kommen die meisten Gäste wegen des Klosters“, bestätigt Bürgermeister Volker Schmitt, der mit weiteren Zahlen die Bedeutung des Tourismus für Schwarzach verdeutlicht: Von 40 000 Übernachtungen in 2009 stieg die Zahl auf rund 56 000 in 2014. Die meisten Touristen erwarten heutzutage spannend aufbereitete Informationen. Und die bekommen sie seit gestern in den Räumen präsentiert, in denen früher die Gold- und Silberschmiedearbeiten ausgestellt waren.

„Der Weg der Benediktiner“. Diesen Titel trägt die Ausstellung in zwei Räumen. Auf seinem Weg durch die Ausstellung bekommt der Gast auf übersichtliche und prägnante Art und Weise Fragen des Klosterlebens beantwortet: Wie werde ich Mönch? Warum wähle ich so ein Leben? Und was machen Mönche den ganzen lieben langen Tag? „Wir haben die einzelnen Stationen extra einfach und interaktiv gehalten“, erklärt Matthias Kutsch. Die Besucher können sich auf Chorstühlen niederlassen und per Kopfhörer dem Klang der Choräle lauschen. Sie können aber auch einzelnen Mönchen zuhören, die erläutern, warum sie sich für das Klosterleben entschieden haben. Private Einblicke gibt es auch in der Abteilung„Aus dem Nähkästchen plaudern“. Hier zeigt sich, dass Mönche nicht nur beten und arbeiten, sondern auch Hobbys pflegen: Vom Klettern übers Malen bis hin zum „Uhrologen“, dem Uhrensammler. Ganz nebenbei wird erzählt, was ein Mönch „drunter“ trägt und ob er Taschengeld erhält.

Eine Woche lang hat Matthias Kutsch im Kloster gelebt, sich auf den besonderen Lebensrhythmus eingelassen. Das Miteinander hat ihm besonders imponiert. „So stelle ich mir Arbeiten vor“, sagt er. Die Arbeitsgruppe hat gemeinsam nach Lösungen gesucht, die meisten Materialien sind in den klostereigenen Betrieben bearbeitet worden: Tünchner, Spengler, Goldschmied, Drucker, Schreiner, Metallverarbeiter, Mitarbeiter im Verlag und Baubüro: All diese Abteilungen haben zum Gelingen des neuen Informationszentrums beigetragen.

„Wir sind sehr stolz auf das Kloster Münsterschwarzach“, bekannte Landrätin Tamara Bischof. Dies sei nicht nur ein Ort der Ruhe und der Einkehr, sondern auch ein Ort der Offenheit. Das neue Informationszentrum belege das eindrücklich. Oder, wie es Bürgermeister Volker Schmitt ausdrückte: „Wir haben wieder ein Highlight mehr im Ort.“

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