IPHOFEN

Wie sieht der Steigerwald in Zukunft aus?

Der 23. September wird vielen im Gedächtnis bleiben. Sturm Fabienne richtete erheblichen Schaden an. Um die 40000 Festmeter Holz soll Fabienne im Landkreis gefällt haben.
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Der vergangene 23. September wird vielen im Gedächtnis bleiben. Vor allem etlichen Waldbesitzern. Denn denen hat der Sturm Fabienne erheblichen Schaden beschert. Um die 40000 Festmeter Holz soll Fabienne im Landkreis gefällt haben. Als Orkan habe die Staatsregierung Fabienne leider nicht anerkannt, bedauerte der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Kitzingen, Iphofens Bürgermeister Josef Mend.

Bei der Mitgliederversammlung machte man sich aber nicht nur über die Vermarktung des vielen Holzes Gedanken, denn der Preis für Fichte und Kiefer ist wegen des Überangebots stark gefallen, sondern auch über den Wald in der Zukunft.

Schädlinge

Über den Spessart gezogen, sei Fabienne „bei uns voll rein gefahren“, schilderte der hauptamtliche Geschäftsführer Dieter Rammensee die Ereignisse. Rund 8000 Festmeter Holz seien mit dem Harvester bereits aufgearbeitet worden. Eigentlich seien die Bäume gut verwurzelt gewesen, meinte Rammensee. Aber die fehlende Feuchtigkeit im Boden habe wohl dessen Bindigkeit genommen, lautet die Vermutung des Geschäftsführers.

Die Trockenheit des Sommers ist es auch, die Klaus Behr, Leiter des Forstamtes Kitzingen, Sorge bereitet. „Es müsste bald und viel regnen“, hofft er. Auf Grund des Klimawandels nähmen extreme Witterungsereignisse zu. Hinzu komme die Belastung durch Waldschädlinge wie Borkenkäfer oder Schwammspinner, aber auch neuerdings durch Pilze an Esche und Ahorn. Zum Glück hätten die Eichen die Trockenheit gut überstanden. Doch: „Wenn sich die Trockenperioden häufen, stoßen wir an unsere Grenzen“, sagte Behr.

Wärmer als im Durchschnitt

Seine Kollegin, Forstreferendarin Amrei Riske, ging näher auf die Situation der Forstwirtschaft im Landkreis ein. Hier sei es nämlich im Durchschnitt um vier Grad wärmer als im übrigen Bayern gewesen und es sei noch nie so trocken wie in 2018 gewesen. Im Steigerwald seien aber erst Anfang August Bäume wie die Buche in eine kritische Situation gekommen. Sie bestätigte, dass die Eiche wesentlich klimastabiler sei.

Mit der Trockenheit sei auch ein Pilz bei Kiefern in Erscheinung getreten, ging Riske auf das Diplodia-Triebsterben ein. Zudem würden vitale Kiefern durch Misteln in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Wärme gebe es stärkeren Befall durch den Kiefern-Prachtkäfer. Zunehmend gefährdet seien die Laubbäume durch den Schwammspinner. Was im nächsten Jahr zu tun sei, würden die Untersuchungsergebnisse aus diesem Jahr zeigen.

Pilz macht Probleme

Bei der Esche sorge ein Schlauchpilz mit dem Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen für ein Triebsterben, neuerdings trete, ebenfalls durch einen Pilz verursacht, beim Ahorn, vornehmlich beim Berg-Ahorn, die Rußrindenkrankheit auf.

Laut Behr fielen so Ahorn und Esche für den Waldumbau aus. Neben der Eiche seien zum Beispiel Winterlinde, Wildkirsche, Elsbeere oder Speierling Laubbäume, auf die man in Zukunft setzen könnte. Ob man die Fichte im Steigerwald dauerhaft halten könnte, hinterfragte Josef Mend.

Belastung durch Verbiss

Riske informierte die Waldbesitzer noch über das Vegetationsgutachten zur aktuellen Situation der Waldverjüngung. Denn die Verbissbelastung seit 2015 durch das Wild habe zugenommen. Deswegen reagierte man auch mit Unverständnis auf eine Petition des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) im Kreis Kitzingen, der eine Naturverjüngung nicht alleine durch den Rehwildabschuss geregelt haben möchte.

Der BJV fordert einen Strategiewechsel beim Waldumbau und möchte auf Grund des Klimawandels auch eine Pflanzung nicht autochthoner trockenresistenter Baumarten auf Verjüngungsflächen. „Ein Eukalyptus wird bei uns nicht wachsen“, kommentierte der gewählte Geschäftsführer und Iphofens Stadtförster Rainer Fell diese Forderung. Zudem lägen nur für Douglasie und Roteiche als fremdländische Bäume gesicherte Erkenntnisse vor.

Nicht zu verwirklichen

Er fragte auch, wie die vom BJV geforderte Pflicht zur Zäunung, Pflege und Bewässerung der Neukulturen funktionieren solle. Auch Wildruhezonen seien in der kleinteiligen Landschaft nicht zu verwirklichen. Einstimmig lehnten die rund 80 erschienen Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft eine Unterstützung dieser Petition ab.

Geändert wurde auch die Satzung wegen der Erweiterung des Geschäftsgebietes wegen Flächen von Mitglieder. Der örtliche Geschäftsbereich der FBG erstreckt sich über den Landkreis Kitzingen, das Gemeindegebiet Markt Ebrach, das Stadtgebiet Scheinfeld und neu über das Gemeindegebiet von Ebelsbach und das Gemeindegebiet von Oberschwarzach. Den von Ruth Holfelder vorgestellten Haushaltsplan genehmigte die Mitgliederversammlung einstimmig.

Forstbetriebsgemeinschaft

Mitgliederzahl: 603 (Waldbesitzer im Landkreis: rund 3100). Mitgliedsfläche: 12416,4 Hektar (Waldfläche insgesamt: 18000 Hektar). Darunter: Städte und Gemeinden: 5614 Hektar, Kirchenwälder: 455 Hektar, Körperschaften: 1426 Hektar.

Waldpflegefläche: 2053 Hektar. Laubholz-Submission 2018: Holzmenge Lagerplatz Iphofen: 324,55 Festmeter, Einzelstämme: 282 Stück (2017: 339), Erlös: 149.095 Euro netto (2017: 171.626 ).

Baumarten: Eiche 244 Stück (293,13 Festmeter/Durchschnittserlös 491 Euro), Esche 22 Stück (19,56/173), Kirsche 1 Stück (0,82/305), Elsbeere 1 Stück (0,37/265), Nussbaum 4 Stück (2,24/339).

Holzvermarktung 2017/2018: Holzmenge: 19328,34 Festmeter (2016/2017: 18746,33).

Umsatz: 1.486.409 Euro (1.474,986). Eiche (2154 Festmeter/Durchschnittspreis: 173 Euro), Buche (690/67), Esche (97/99,5), Fichte (3906/75), Kiefer (10.781/60).

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