ESCHERNDORF

Wie man ein Floß grundlegend renoviert

Die beiden Escherndorfer Flöße sind nach einer umfangreichen Erneuerung wieder auf dem Altmain unterwegs. Mit Dixi-Klo und unter strengen Auflagen.
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Vom alten Floß blieb nur noch ein Gerippe übrig. Das gesamte alte Holz musste entfernt werden. Foto: Foto: Michael Sauer
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Als am 1. Mai sich die ersten Gäste am Floßanleger am Altmain bei Astheim (Lkr. Kitzingen) einfanden, gab es zuerst einmal eine zünftige Floßtaufe für die Flöße „Nordheim“ und „Escherndorf“. Sie warteten nach einem kompletten Umbau festlich geschmückt auf die Passagiere, um diese in einer gemütlichen Fahrt nach Gerlachshausen zu bringen.

Keiner der Gäste ahnte, was die Floßeigner Michael Sauer und Wolfgang Barthel die letzten Monate leisteten, um pünktlich zum Saisonstart wieder Gäste begrüßen zu können. „Alles was Holz ist, wurde an den Flößen ausgewechselt; ein kompletter Umbau stand an“, so Michael Sauer. „Die Leute denken immer, dass man da was zusammenzimmert und los geht's. Die sehen nicht, was da alles dahintersteckt.“

Windwerte des Altmains berechnen

Sauer erzählt, dass die Flöße im Winterlager im Dettelbacher Hafen richtiggehend auseinandergelegt wurden. Die Baumaßnahmen wurden immer im Wasser durchgeführt. „Da auch der Altmain als Bundeswasserstraße gilt, unterliegen wir den strengen Vorschriften des Bundesschifffahrtsamtes.“ Die Auflagen sind vielfältig: Als erstes muss eine genaue statische Berechnung durchgeführt werden, bei der auch die Windwerte des Altmains mit einzuberechnen sind. Ebenso müssen die Widerstände eingeplant werden, die es auf dem Floß geben kann, so zum Beispiel bei Grundberührung oder Strömungsänderungen.

„Nach langem Suchen haben wir in Mainz einen Ingenieur gefunden, der mich bei der Planfertigung unterstützte, die Konstruktion bestätigte und zum Schluss die sachverständige Grundabnahme machte. Wenn wir auf der Isar unser Floß betreiben würden, hätten wir den ganzen Aufstand nicht“, meint Barthel. „Die dortigen Flößer haben es wesentlich einfacher, weil die eben dort keine Bundeswasserstraße haben, sondern auf einem ganz normalen Fluss fahren.“

22 Meter lange Stämme aus dem Spessart

Auch das Bestellen der Baumaterialien war laut Sauer schwierig. Hier fand er bei einem Forstunternehmen im Spessart den richtigen Ansprechpartner, der die 22 Meter langen Hauptstämme mit einem Tieflader nach Dettelbach brachte. „Die Holzkonstruktion stammt von mir, ich habe alles durchgerechnet“ so Sauer stolz. Über ein Holzwerk in Wipfeld bekam er dann die Bohlen für den Überbau geliefert.

„Das Entfernen des Altholzes war gefährlich, weil es durch die Feuchtigkeit sehr glitschig war“, fügt der Besitzer hinzu. „Hier und da ist schon mal einer ins Wasser gerutscht“, sagt Sauer schmunzelnd.

Als alles fertig war, kam dann noch die große technische Abnahme durch das Schifffahrtsamt. Erst dann konnte man starten. Doch auch dazu mussten weitere strenge Auflagen beachtet werden. Als erstes musste der Steuermann ein besonderes Schiffspatent haben, da man sich ja auf einer Bundeswasserstraße bewegt „und nicht auf der Isar“ schiebt Wolfgang Barthel nach.

Vom Floß pinkeln ist verboten

Auch der Naturschutz fordert Auflagen: So darf im Mai auf dem Floß keine Musik und ab Juni nur Musik ohne Blechblasinstrumente gespielt werden. Dies sind die Brutzeiten seltener Wasservögel, die nicht gestört werden dürfen. Auch ins Wasser zu springen ist verboten und der Gang zur Toilette darf ebenso nicht an den Rand des Floßes führen. „Hierzu hat jedes Floß eine Dixitoilette“ beruhigt Barthel.

Gesteuert wird das Floß von einem Floßführer und drei Floßhelfern. Jeweils zwei bedienen das vordere und hintere Holzruder und steuern damit mit Muskelkraft das Floß. Einer der Floßführer ist Bernhard Huth. Routiniert gibt er an seine Helfer Kommandos und hält das Floß in der Strömung. „Wenn richtig schönes Wetter ist, kann man fast über das Wasser laufen, so dicht fahren die Kanus auf dem Altmain.“ Er fügt hinzu: „Vorfahrt hat immer das Floß, weil wir durch das Treiben manövrierbehindert sind.“

Huth hat das Floß sicher an die Landungsstelle bei Gerlachshausen gebracht. Nachdem alle Gäste ausgestiegen sind, fährt er das Floß mit Motorkraft wieder mainaufwärts, zur Ankerstelle bei Escherndorf. „Und selbst dafür haben wir eine Ausnahmegenehmigung durch das Amt gebraucht,“sagt er.

Das Floß in Zahlen

20 Tonnen Leergewicht hat das Floß. Es ist 22 x 7,5 Meter groß und hat Platz für 75 Personen. Für den Notfall und die Rückfahrt ist ein 135 PS starker Dieselmotor angebaut. In Unterfranken ist diese Form der Form Floßfahrt einmalig.

Die Floßzeiten beginnen im Mai und enden im Oktober. Durch ein mobiles Verdeck ist man relativ witterungsunabhängig. Fällt trotz aller Vorsichtsmaßnahme jemand ins Wasser, ist das nicht so schlimm: Der Altmain ist im Durchschnitt maximal einen Meter tief .

Der Grundpreis für die etwa 3,5 Stunden dauernde Fahrt ist für Erwachsene 33 Euro und für Kinder bis 14 Jahre 17 Euro.

Weitere Infos zur Floßfahrt gibt es im Internet unter www.flosserlebnis.de

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