Würzburg
Kunstmarkt

Wie man den Wert der Kunst erkennen kann

Wie kann ein Bild Millionen kosten? Dieser Frage gehen Museologen und Kunsthistoriker bei einer Veranstaltung mit dem Kunstsachverständigen Martin Pracher nach.
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Kunstsachverständiger Martin Pracher erklärt, was ein Bild wertvoll macht.  Fotos: Pat Christ
Kunstsachverständiger Martin Pracher erklärt, was ein Bild wertvoll macht. Fotos: Pat Christ
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Der Preis für ein Gemälde kann sich auf mehrere Millionen Euro belaufen. Mirós "Blauer Stern" etwa wechselte im vergangenen Jahr für knapp 37 Millionen Dollar den Besitzer. Pollocks "Number 4" brachte wenige Monate später bei einer Auktion über 40 Millionen Dollar ein. Was macht Kunstwerke so unvorstellbar teuer? Wie bemisst sich ihr Wert? Dies erfuhren Würzburger Studierende der Kunstgeschichte und der Museologie bei einem Praxistag im Würzburger Martin-von-Wagner-Museum.
Dass ein Kunstwerk bei einer Auktion Millionen von Euro oder Dollar erlöst, kommt selten vor im Alltag eines Auktionators, erklärte Daniel Cremene, der in einem Stuttgarter Auktionshaus tätig ist. Zwischen 3000 und 20 000 Euro, in dieser Preisspanne befinden sich die meisten Bilder und Objekte, die von ihm und seinen Kollegen versteigert werden. Wobei genau in dieser Preisspanne das Kaufinteresse aktuell bröckelt - was am wegbrechenden Mittelstand liegt: "Spitzenstücke können hingegen momentan extrem hohe Preise erzielen." Angesichts der Finanzkrise sei eine regelrechte Flucht in Kunstinvestitionen zu beobachten.
Ob ein Bild aus der Epoche des Naturalismus oder der Romantik stammt, ob es modern ist oder barock, unter anderem das ist ausschlaggebend für den Preis. "Darüber hinaus kommt es vor allem darauf an, ob es selten ist", erläuterte der Würzburger Kunstsachverständige Dr. Martin Pracher.
Wesentlich ist daneben selbstverständlich die Gestaltung. Ist das Bild routiniert gemalt? Oder wird an Farbe, Form, Linie oder Raum erkennbar, dass sich der Künstler lediglich versucht hat? War er auf der Höhe seiner Schaffenskraft oder eher im Anfangsstadium seiner Karriere? Auch dies sind Kriterien, nach denen Kunstsachverständige vorgehen. Meist tun sie dies, wie auch Martin Pracher, für Versicherungen, die den Wert beschädigter Kunstwerke ermitteln müssen.

Auch das Material spielt eine Rolle

Ob ein Kunstobjekt aus Stahl, Holz, Stein, Glas oder Plastik gefertigt ist, spielt bei der Bewertung ebenso eine Rolle wie sein Zustand. "Hier hat ein Geschmackswandel stattgefunden", erläuterte Cremene. Früher bevorzugten Kunstsammler optisch wiederhergestellte Werke. So war es ihnen lieber, wenn eine fehlende Fassung neu bemalt worden ist: "Heute hingegen dürfen Stücke fehlen." Denn es wird mehr Wert darauf gelegt, dass das Kunstwerk authentisch ist. Allerdings müssen sich die Beschädigungen laut Pracher in Grenzen halten: "Bei einer Schädigung von 45 Prozent kann man von einem Totalschaden ausgehen."
Angehende Museologen und Kunsthistoriker hautnah mit späteren Tätigkeitsfeldern in Berührung zu bringen, das ist laut dem Museologieprofessor Guido Fackler der Sinn solch aufwendig organisierter Tagesseminare. "Wir wollen die berufsbezogene Ausbildung stärken und dabei neue Wege gehen", erläutert er. Die Lehrsammlung der Universität Würzburg, für alle Interessierten im Martin-von-Wagner-Museum in der Würzburger Residenz zugänglich, sei hierfür ideal. Wobei es bei der Auseinandersetzung mit den dort vorhandenen Werken eben nicht mehr allein um ästhetische, sondern auch um Fragen der Wertermittlung und der Konservierung gehen soll.

Das Publikum gibt den Ausschlag

Ultimative Kriterien zur Ermittlung des Werts eines Kunstwerks gibt es letztlich nicht, lernten die Studierenden beim Seminar mit Pracher und Cremene. Das Publikum selbst ist eine wankelmütige Größe, die am Ende den Ausschlag gibt.
Auktionäre sind darum gefordert, aufzuspüren, was gerade "in" ist. Cremene: "Manche Kunstwerke sind einfach nicht mehr begehrt, bei anderen ist die Begehrlichkeit noch gar nicht geweckt." Wie gut Auktionen laufen, hängt heute weiter auch davon ab, wie der Katalog gestaltet ist. Moderne Auktionskataloge unterscheiden sich praktisch nicht mehr von Kunstkatalogen renommierter Museen. Ähnliches gilt für die heute hochprofessionelle Präsentation der Kunstwerke im Vorfeld einer Auktion.
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