Vermutlich Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Haus Nummer 85 in Hellmitzheim errichtet. Es hatte eine gute Stube im ersten Stock und war mit dem Kuhstall zusammengebaut, so dass die Tiere, die aus ihren massigen Körpern Wärme abstrahlten, das Haus und dessen Bewohner wärmen konnten. Eine angebaute Scheune verlieh dem langgestreckten Gebäude, dessen Giebel zur Straße schaute, ein dominantes Aussehen im Ortsbild. Irgendwann kam ein Zwerchgiebel hinzu, damit die Großfamilie der Hausherren samt Gesinde und die Vorräte und Arbeitsräume untergebracht werden konnten.

Das schöne Fachwerkhaus prägte jahrhundertelang das Erscheinungsbild des Ortes. Bis zum 11. April 1945. Dieser Tag wurde zu einem schweren Schicksalstag für die Gemeinden Hellmitzheim und Nenzenheim. Die Kriegsereignisse im April 1945 in seinem Heimatort Hellmitzheim und in der Umgebung schildert Christian Schmidt in seiner Facharbeit. Die Daten hat er aus dem Buch "Hellmitzheimer Geschichte und Geschichten" zusammengetragen. Tiefflieger griffen die Orte mit Phosphor- und Sprengbomben an. Hellmitzheim wurde zu 70 Prozent zerbombt und auch in Nenzenheim waren über die Hälfte der Gebäude zerstört. Dornheim traf es noch schlimmer. "Es war eines der am stärksten zerstörten Dörfer in Bayern. Das ist der Öffentlichkeit gar nicht so bekannt, dass die Dörfer in der Hellmitzheimer Bucht so ein Angriffsziel der Kriegsgegner waren", sagt Harald Heinritz, der als Vorsitzender des Vereins "Bürgerhaus Hellmitzheim e. V." eine besondere Beziehung zu dem alten denkmalgeschützten Haus in der Mönchsondheimer Straße 8 hat.


Von Bombensplittern getroffen



Am 11. April 1945 wurde der straßenabgewandte Gebäudeteil des Hauses von Bombensplittern getroffen. Sie schlugen ins Dach ein. Der Rest des Hauses trotzte der Bombardierung. Welch ein Glücksfall in all dem Elend. Denn im Obergeschoss ist die Originalausstattung aus der deutschen Renaissance noch fast vollständig vorhanden. Der gewachsene Gipssteinboden im Erdgeschoss und der aus dem massiven Stein geschlagene Gewölbekeller sind ebenfalls noch erhalten.

Trotz dieser Besonderheiten wollte der Besitzer, der zwischenzeitlich ein neues Wohnhaus neben das alte gebaut hatte, das altehrwürdige Gebäude abreißen lassen. Weil der Iphöfer Stadtrat dagegen war, bekamen die Hellmitzheimer Gelegenheit zu überlegen, was mit dem Haus geschehen sollte.

Wie es dann weiterging, ist auch auf der Homepage www.hellmitzheim.de nachzulesen. Zwischenzeitlich bekundete sogar die Leitung des Freilandmuseums in Bad Windsheim Interesse daran, das historische Gebäude auf das Museumsgelände zu holen. Den Keller hätte man dann aber aufgeben müssen. Nach einiger Diskussion beschlossen die Hellmitzheimer, das Bauernhaus an Ort und Stelle zu erhalten.

Es musste viel getan werden. Deswegen gründete sich im April 1988 der "Förderverein zum Erhalt eines denkmalgeschützten Bauernhauses". Die Stadt Iphofen wurde 1990 der Hausherr und übernahm - trotz hoher Zuschüsse - den größten Teil der Renovierungskosten. Bei der umfassenden Sanierung wurde zuerst die Statik der Wände und des Dachstuhls gesichert. Das Fachwerk wurde auf sehenswerte Weise und behutsam aufpoliert. Der frühere Kuhstall hat sich in einen Versammlungsraum gewandelt, der nur noch mit viel Fantasie an die ehemalige landwirtschaftliche Nutzung erinnert.


Viele Vereine unter einem Dach



Im April 1995 war die Renovierung abgeschlossen. Seitdem dient das historische Gebäude als "Bürgerhaus" mehreren Hellmitzheimer Vereinen als Ort der Zusammenkunft. Das Haus ist von der Evangelischen Landjugend, dem Posaunenchor, der Soldatenkameradschaft, der Dorfmusikanten und als offener Jugendtreff gut belegt. Auch die Musikschule Iphofen hat hier ihre Bleibe. Der ehemalige Stall kann für private Feste verwendet werden. Und in der guten Stube im ersten Stock werden hin und wieder Trauungen abgehalten.

Zu den Vereinsmitgliedern gehört inzwischen auch der Landkreis Kitzingen. Harald Heinritz wurde 2008 zum Vorsitzenden gewählt. Er hat oft mit seinem Großvater, Jahrgang 1925, über den Krieg gesprochen. "Unser kleiner Ort wurde am 11. April zu fast 70 Prozent zerstört. Das selbst solch kleine Orte im Landkreis derartige Kriegseinwirkungen abbekamen, ist in weiten Teilen der Bevölkerung in unserer Region nicht bekannt", sagt Heinritz. Damit im Ort daran gedacht wird, läuten jedes Jahr am 11. April mittags in Hellmitzheim die Kirchenglocken. Zum Gedenken an die Zerstörung des Dorfes wurde 2005 unter der Federführung des Bürgerhausvereins ein Mahnmal vor der Kirche errichtet.