Mönchsondheim

Wie die Zisterzienser die Landschaft prägten

Die zisterziensischen Klosterlandschaften stehen unter dem Titel "Vielfalt in der Einheit" im Brennpunkt einer Ausstellung zum europäischen Kulturerbejahr in der Kirchenburg Mönchsondheim.
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Vor den Schautafeln des Klosters Ebrach tauschten sich die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer, Weinbauverbandspräsident Artur Steinmann und Museumsleiter Reinhard Hüßner über den klösterlichen Weinbau aus. Foto: Gerhard Bauer
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Die zisterziensischen Klosterlandschaften stehen unter dem Titel "Vielfalt in der Einheit" im Brennpunkt einer Ausstellung zum europäischen Kulturerbejahr in der Kirchenburg Mönchsondheim. Museumsleiter Reinhard Hüßner begrüßte rund 100 Gäste und stellte fest, dass die Schau gut zu Mönchsondheim passe, das das Dorf bis zur Säkularisation 1803 ein Ebracher Dorf war.

Sechs Klöster aus sechs Landkreisen wurden in der vom Landratsamt Bamberg konzipierten Wanderausstellung zusammengefasst und zeigen die europaweiten Strukturen von rund 20 Klöstern auf. Landrätin Tamara Bischof bewertete die Ausstellung als etwas besonderes, auch weil es gelang, die Zusammenarbeit von sechs Landkreisen in einem Leader-Projekt zu koordinieren. Die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer spannte einen Bogen vom Silvaner zu den Zisterziensern, die maßgeblichen Anteil an der Einführung der Rebsorten in Franken hätten.

Die Einführungsrede hielt Professor Winfried Schenk von der Universität Bonn. Der Würzburger erklärte, dass bei den Zisterziensern die Selbstversorgung im Mittelpunkt der Konvente stand. Mit ihrem Wirken seien sie zu Mitgestaltern der Kulturlandschaft geworden. Dabei sei das Kloster Ebrach als Gestalter zwischen den Bistümern Würzburg und Bamberg hervorzuheben. Jeweils zwölf Mönche gründeten eine neue Zisterze. Geweihte Priester organisierten die einzelnen Grangien (Höfe) des Klosters und produzierten zusammen mit Laienbrüdern Wein und landwirtschaftliche Güter. Erzielte Überschüsse wurden in Stadthöfen kapitalisiert und auf diese Weise Stadt und Land verbunden.

Kleinräumig in der Region, aber angeschlossen an die Verkehrswege der damaligen Zeit, so wirtschafteten die Zisterzienser nach Erkenntnissen Schenks, wie die typische Lage Ebrachs mit dem Klosterhof als Steuerungs-, Wirtschafts- und Vermarktungszentrum zeige. Trotz schwankender Ernten sei Wald nicht gerodet worden, sondern Bewohner der Region im 12./13. Jahrhundert abgesiedelt worden. Die Mönche hätten stets auf eine ideale Zusammensetzung der Zahl der Menschen und der vorhandenen Ressourcen geachtet. Aus den aufgelassenen Dörfern (Wüstungen) seien die Grangien entstanden.

Ebracher Höfe gibt es in Mainstockheim, Hüttenheim und nach neuen Erkenntnissen in Volkach. Die Nierenmühle bei Mönchsondheim ist der Rest des um 1280 aufgelassenen Dorfes Buhlach.

Die Ausstellung "Vielfalt der Einheit - zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa" ist noch bis zum 10.6.2019 im Kirchenburgmuseum Mönchsondheim zu sehen; Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 10 - 18 Uhr.

Zisterzienser
Der Zisterzienser-Orden wurde nach benediktinischen Regeln 1098 im burgundischen Cîteaux (römisch: Cistercium) gegründet. Die Mönche suchten die Einsamkeit und lebten nach dem Wahlspruch "ora et labora" (bete und arbeite) in äußerster Bescheidenheit und Verpflichtung zur Askese.

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