Volkach

Wie das Volkacher Jugendhaus Mädchen und Jungs auffängt

Für rund 50 Jugendliche aus Volkach und Umgebung ist es ein zentraler Anlaufpunkt: das Jugendhaus. Für einige ist es zum zweiten Zuhause geworden.
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Gute Stimmung: Unser Archivbild (von 2013) zeigt einen Blick ins Jugendhaus Volkach, das Robert Ihrig (links) bereits seit 1997 leitet. Foto: Renate Reichl

Wenn ein Mensch ab einem gewissen Alter sagt "Das hätte es bei uns nicht gegeben", deutet das normalerweise auf ein leicht wehmütiges Andenken an die gute, alte Zeit hin. Genau das Gegenteil meinte jedoch Volkachs Bürgermeister Peter Kornell (Freie Wähler) bei der Stadtratssitzung am Montagabend. Dabei stellte Jugendhausleiter Robert Ihrig seine Arbeit mit den Jugendlichen vor.

Und er erfreute die Stadtratsmitglieder mit einem positiven Bericht über motivierte junge Leute, die bei ihm Beerbungen schreiben und Hilfe bei der Stellensuche bekommen. Vor kurzem seien zum Beispiel Neuntklässler freiwillig ins Jugendhaus gekommen, um eine Matheprobe als Übung zu schreiben. Und zwar Freitagnachmittag um 16 Uhr. Dieses Beispiel veranlasste Kornell zur scherzhaften Aussage, dass es so etwas früher nicht gegeben hätte.

"Wir schätzen Ihre Arbeit und sind froh, dass Sie wieder fit sind."
Bürgermeister Peter Kornell zu Jugendhausleiter Robert Ihrig

Ganz ernst meinte der Bürgermeister allerdings das Lob, das später auch mehrere Stadträte bekräftigten: "Wir schätzen Ihre Arbeit und sind froh, dass Sie wieder fit sind." Der Soziapädagoge musste nach eigener Aussage eine Krankheit durchstehen und bedankte sich seinerseits für die Unterstützung von Verwaltung und Stadtrat währenddessen.

Bereits seit 22 Jahren macht der 55-Jährige den Vollzeitjob im Jugendhaus, das neben der Arbeit in Vereinen und Verbänden die dritte Säule der Jugendarbeit an der Mainschleife ist. Rund 30 Stammbesucher im Alter von 14 bis 20 Jahren kommen täglich in die Einrichtung, 20 Jugendliche sind gelegentlich dort. Verändert hat sich das Verhältnis der Geschlechter: Früher waren es vor allem Jungs, die das Jugendhaus nutzten; inzwischen sind es laut Ihrig rund 40 Prozent Mädchen.

Alle Schichten und Schulformen vertreten

Die Jugendlichen kommen aus allen Schichten, Schulformen und auch Auszubildende seien dabei. "Wir öffnen um 13 Uhr und spätestens zehn nach sind sie da", schilderte Ihrig die hohe Akzeptanz der Einrichtung. Manche verbringen dort sechs bis sieben Stunden. "Für einige ist es ein zweites Zuhause", sagte der Jugendhausleiter auf Nachfrage von Barbara Nikola-Bier (SPD). Das sei ein Kompliment für ihn, "aber nicht unbedingt für die Familiensituation", sagte Kornell dazu.

Robert Ihrig bestätigte, dass nicht alles eitel Sonnenschein sei, auch wenn es gut laufe im Jugendhaus.  Auch dank einer guten Vernetzung mit Jugendamt, Schulsozialarbeit und Kreisjugendring. Aber, so Ihrig: "Man hört schon drastische Sachen." Wichtig sei dabei, dass die jungen Menschen ihre Gedanken und Nöte dort rauslassen können und "wissen, das bleibt intern im Haus". Dennoch komme es auch zu größeren Konflikten: Heuer musste der Pädagoge schon fünf Hausverbote aussprechen.

Einrichtung selbst gebaut

Doch das seien Einzelfälle; die anderen Jugendlichen sähen den Treff "als ihr Haus" an. Und das halten sie sauber, haben sich selbst eine neue Einrichtung gebaut wie ein großes Sofa aus Paletten, und Schmierereien gebe es auch nicht. Dass sich Robert Ihrigs Arbeit auch auf das Umfeld wie den Alten Bahnhof positiv auswirke, lobte unter anderem Herbert Römmelt (FW).

Und Uwe Koßner (CSU) wollte von dem Jugendhausleiter wissen, was er sich denn wünsche vom Stadtrat. "Kommen Sie vorbei, schauen Sie sich um, sagen Sie Hallo", forderte er die Runde auf. Auch darüber würden sich die jungen Leute freuen. – Ob es das früher gegeben hätte?

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