Geiselwind

Wie das Freizeit-Land Geiselwind begann und groß wurde

Das Geiselwinder Freizeit-Land feiert 50. Geburtstag: Einer, der bei der Eröffnung im Sommer 1969 dabei war und seitdem sehr, sehr oft im Park zu tun hatte, erinnert sich.
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Die Acapulco-Springer waren über Jahrzehnte ein Wahrzeichen des Geiselwinder Freizeit-Landes. Foto: Freizeitland Geiselwind
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Nach dem Gottesdienst ging's los: Die Musikkapelle vorneweg, dahinter die Geiselwinder. Es ging hinaus vor die Tore der Steigerwaldgemeinde. Gucken und Staunen war angesagt bei der Eröffnung des Vogel-Pony-Märchenparks am 29. Juni 1969. Was da an Tieren und Spielmöglichkeiten wartete, setzte Maßstäbe. Sowas gab es, wenn überhaupt, vielleicht im Nürnberger Zoo zu sehen. Doch plötzlich war der Ausflug in eine unbekannte Welt direkt vor der eigenen Haustür möglich.

Einer, der vor 50 Jahren hinter der Musikkapelle staunend mitlief, war Rudolf Schaller . Der Landwirt war damals Anfang 30. Später, von 1990 bis 2002 in seiner Zeit als Geiselwinder Bürgermeister, sollte ihn der Weg dienstlich noch oft in den Park führen. Die Premiere aber, erzählt der 82-Jährige, war etwas ganz Besonderes. Erinnern kann er sich noch gut an die bunte Tierwelt seinerzeit: "Das war eine Sensation!" Nachhaltig in Erinnerung blieb ihm auch der Western-Express, lange Jahre eine Art Wahrzeichen des Parks:  Dem Zauber der Kinder-Eisenbahn gleich am Eingangsbereich konnte sich keiner entziehen.

Park-Gründer Ernst Mensinger traf mit dem Vogel-Pony-Märchenpark einen Nerv. Den Sudetendeutschen, 1935 in Marienbad geboren, hatte es nach dem Krieg zunächst nach Kitzingen verschlagen. Nach einer Lehre zum Industriekaufmann führte ihn sein Weg nach München, wo er Verkaufsleiter für eine Pharmazeutische Fabrik und anschließend selbstständiger Generalvertreter wurde.

Mit dem Neubau der Autobahn A3 ging alles los 

Als sich mit dem Neubau der A 3 für Geiselwind neue Chancen eröffneten, erkannte Ernst Mensinger die  Möglichkeiten. 1968 pachtete er vier Hektar neben dem ebenfalls aufstrebenden Geiselwinder Campingplatz und baute seinen Tierpark auf, den er im Sommer 1969 öffnete und der später dann unter dem Namen Freizeit-Land laufen sollte.

Ponys reiten, die vielen Vogel-Volieren bestaunen und echte Affen gucken - das zog. Die Begeisterung muss groß gewesen sein. In den Zeitungen war nach fünf Jahren, zum Start in die Saison 1974, von "sensationellen Neuheiten" zu lesen und davon, dass sich nunmehr "Wüstenschiffe im Steigerwald" befanden: Auf Kamelen konnte fortan durch die Anlage geritten werden, vorbei an Lipizzaner- und Araberpferden sowie spanischen Kampfstieren.

Zirkus-Zelt, Acapulco-Springer und fast eine eigene Ausfahrt auf der A3 

Der Park wuchs kontinuierlich Jahr für Jahr. Zirkus-Zelt und immer mehr Fahrgeschäfte kamen ebenso dazu wie die Acapulco-Springer, ein weiteres Wahrzeichen über viele Jahre. Der Vergnügungspark stieg bald schon zu den zehn größten in Deutschland auf. Das Familienunternehmen – zunächst noch mit Mensingers Ehefrau an der Kasse und den Söhnen als Helfer im Park – florierte und wurde zum Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde . Die Lage an der Autobahn erwies sich als perfekt. Einige Zeit wurde sogar darüber nachgedacht, ob der Park eine eigene Autobahnabfahrt bekommen sollte. Die Bedingung dafür wäre jedoch gewesen, dass die Anlage ganzjährig betrieben wird.

Ernst Mensinger, ein ausgewiesener Tierfreund, lebte in der neuen Heimat nicht zuletzt auch seine Hobbys aus. Seltene Geflügelrassen hatte es ihm besonders angetan. Der spätere Ehrenbürger der Marktgemeinde und Träger des Bayerischen Verdienstordens erlangte mit seiner Zucht weltweite Anerkennung, von der zig Pokale, Ehrenurkunden und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zeugen. 

Leidenschaftlich Züchter seltener Geflügelrassen und immer Helfer in der Not 

Der langjährige Bürgermeister Rudolf Schaller schwärmt heute noch über die gute Zusammenarbeit mit dem Parkbetreiber. Ernst Mensinger habe "eine wohltätige Hand gehabt". Ob die Übernahme von unzähligen Patenschaften – beispielsweise die Hilfe für eine Schule in Guatemala – oder Hilfe vor Ort: Wenn in Geiselwind jemand in Not geriet, sei der Parkgründer nicht weit gewesen.

Und Mensinger habe ein Gespür gehabt für ein gesundes Wachstum. Der ganz große Schritt kam, als man sich von außen anteilig in den Park einkaufen konnte. Das Geschäftsmodell einer Kommanditgesellschaft, so erinnert sich der frühere Bürgermeister, habe "bis zum Schluss wunderbar gehalten".

Dieser Schluss war gleichzeitig der Sprung in ein neues Zeitalter: Nachdem zunächst die beiden Söhne den Park weiterbetrieben hatten, brach kurz vor dem Tod des Senior-Chefs vor zwei Jahren eine neue Zukunft an. Mit dem Coburger Schausteller Matthias Mölter übernahm Anfang 2017 ein Mann den Park, der ähnlich wie Ernst Mensinger 1969 mit einer großen Vision den Aufbruch zu neuen Ufern wagt. Das Freizeit-Land hat er von Grund auf einmal komplett erneuert . Den Segen von Rudolf Schaller hat er dafür: Für den Park, so die Einschätzung des Zeitzeugen, sei dieser Neustart letztlich "eine gute Entwicklung". 

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