KITZINGEN/WÜRZBURG

Widerstand gegen geplanten Umzug

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Oder doch? Die Meinungen gehen auseinander, was den Umzug des Staatsarchivs aus Würzburg in den Innopark in Kitzingen angeht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zeugen der Vergangenheit: Fast 24 Kilometer Archivgut sind derzeit in der Würzburger Residenz und auf der Festung gelagert. Unter anderem das Lehenbuch und Salbuch aus dem Jahr 1528. FOTO: Thomas Obermeier
+2 Bilder

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Oder doch? Die Meinungen gehen auseinander, was den Umzug des Staatsarchivs aus Würzburg in den Innopark in Kitzingen angeht.

Anfang März schien alles klar. Heimatminister Markus Söder stellte die geplanten Behördenverlagerungen im Freistaat vor. In deren Zug sollte das Staatsarchiv aus Würzburg rund 20 Kilometer weiter südöstlich in Richtung Kitzingen ziehen.

Ein Umzug steht dem Archiv auf jeden Fall bevor. Bislang ist es an zwei Standorten in Würzburg untergebracht: im Nordflügel der Residenz und im Fürstenbau der Festung Marienberg. In der Festung soll allerdings das Mainfränkische Museum völlig neu aufgebaut werden. Das Staatsarchiv braucht deshalb eine neue Heimat. Im Innopark war die vermeintlich ideale Lösung gefunden: ein ehemaliges Kasernengebäude, das die Anforderungen zu erfüllen schien. 620 Meter lang, zwei Stockwerke, unterkellert. Die geforderten rund 7000 Quadratmeter sind dort allemal vorhanden. Und Inhaber Bernhard Beck zeigte sich schon im März flexibel. „Wir vermieten und bauen um, wie es gewünscht wird.“ Alles sei möglich, versicherte er. Auch ein neuer Anbau, falls gewünscht.

Geht es nach dem Arbeitskreis Stadtarchive beim Bayerischen Städtetag ist so viel Flexibilität gar nicht nötig. Die Archivare haben sich Anfang Mai in einer Stellungnahme gegen den Umzug ausgesprochen.

„Für eine Stadt wie Kitzingen wäre das Staatsarchiv sicherlich eine Aufwertung“, sagt der Vorsitzende des Arbeitskreises, Dr. Michael Stephan. „Aber in Kitzingen fehlt einfach das Umfeld für so eine Institution.“ Tatsächlich beziehen sich die Archivare in ihrer Stellungnahme fast ausschließlich auf das Argument der kurzen Wege. In Würzburg gebe es verschiedene Archive, die eng zusammenarbeiten. Uni, Kirche, Kommune, Staat. Die kurzen Wege zwischen diesen Institutionen würden von den Archivbenutzern besonders geschätzt.

Auch im 21. Jahrhundert sei der direkte Kontakt wichtig, betont Dr. Stephan. Daran hätte sich nichts geändert. „Man muss weiterhin zu einem Archiv fahren“, sagt er. „Die Vorstellung, dass alles digitalisiert ist, ist schlichtweg blauäugig.“ Bei rund 24 Kilometern Archivgut, das alleine im Würzburger Staatsarchiv anfällt, eine nachvollziehbare Aussage.

Vor allem Studenten würden das Staatsarchiv mit seinen rund acht Millionen Archivalien, darunter viele Gestapo-Akten, nutzen. Aber auch Familien- und Heimatforscher suchen nach Unterlagen. Sie müssten künftig nach Kitzingen fahren, wenn sich die Pläne Söders trotz des Widerstandes der Archivare durchsetzen. Besser sei eine fachgerechte bauliche Lösung am bisherigen Standort Würzburg, meinen die bayerischen Archivare.

Eine fachgerechte Lösung wünscht sich sicherlich auch Joachim Fuchs. Wie die aussieht und wo sie realisiert wird, kann der Leiter des Staatlichen Bauamtes in Würzburg derzeit aber nicht sagen. Auf Wunsch des Landtagsabgeordneten Dr. Otto Hünnerkopf (CSU) hat er das Gebäude im Innopark in Augenschein genommen. Ob es geeignet ist, kann er nicht abschließend beurteilen. „Es gibt ja noch gar kein Raumprogramm, keinen Planungsauftrag, keine Faktenlage.“

Auch aus diesem Grund will sich Inhaber Bernhard Beck zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu dem Verfahren äußern. Dr. Otto Hünnerkopf ist da etwas auskunftsfreudiger – und entschiedener. „Es wird sich an der Sache nichts ändern“, betont er. Er hat nach dem Veto der Archivare noch einmal mit den zuständigen Ministern gesprochen und eine ganz klare Haltung pro Kitzingen erfahren. „Jetzt steht die nähere Planung an“, sagt er.

Dabei geht es unter anderem um die Frage der Finanzierung. Wird die Staatsregierung das Gebäude im Innopark kaufen oder mieten? Wird es einen größeren Umbaubedarf geben oder können die Räumlichkeiten größtenteils belassen werden? Bernhard Beck hat Anfang März ein ehrgeiziges Ziel formuliert: Im Laufe des Jahres 2018 will er das Staatsarchiv in Kitzingen eröffnet wissen. Ob ihn die Resolution der bayerischen Archivare dabei stört? Ob der Zeitplan ins Wanken gerät? Derzeit keine Stellungnahme.

Dr. Stephan will jedenfalls weiterkämpfen für den Standort Würzburg. Er habe einige positive Reaktionen erhalten, auch von Abgeordneten aus dem Umkreis. „Wir werden auf jeden Fall am Ball bleiben“, versichert er. Schon bei der nächsten Arbeitskreisbesprechung der bayerischen Archivare im Juni sollen die weiteren Strategien besprochen werden. Bei der Umzugsfrage des Staatsarchives scheint das letzte Wort noch lange nicht gesprochen zu sein.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren